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Abiturient Magnus Mathias sammelt Daten der Epidemie und untersucht die Folgen für die Wirtschaft in Beverungen

Corona als Projektarbeit

Beverungen

Magnus Mathias ist 18 Jahre alt und beendet im nächsten Jahr seine Schullaufbahn am Gymnasium Beverungen. Was die Corona-Pandemie betrifft, ist er mutmaßlich der best informierte Abiturient im ganzen Kreis.

Alexandra Rüther

Magnus Mathias vor dem Beverunger Rathaus. Mit Bürgermeister Hubertus Grimm hat er ausführlich über die Corona-Folgen gesprochen. Foto: Alexandra Rüther

Denn schon seit Januar beschäftigt er sich in einer Projektarbeit mit dem „Verlauf der Corona-Pandemie in Deutschland und den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Stadt Beverungen.

In diesem Projektkurs sind die Schüler gefordert, über ein Jahr möglichst selbstständig zu einem frei gewählten Thema aus den Fachgebieten Biologie oder Erdkunde zu forschen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Lehrer Tim Rencker.

Maßnahmen überwiegend positiv

„Eigentlich wollte ich zu den Auswirkungen von Zucker auf die Konzentrationsfähigkeit forschen“, erzählt Magnus Mathias. Aber als Corona dann immer präsenter wurde und die Frage aufkam, ob sich nicht jemand diesem Thema zuwenden wollte, hat er umgeschwenkt. „Anfangs war das schon sehr viel Theorie“, erzählt der Jung-Forscher. Schließlich galt es, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Er legte Tabellen an, trug Fallzahlen nach, arbeitete Wirtschaftshilfen heraus und fing Reaktionen der Politik ein.

Beverungen gebeutelt

Die Maßnahmen der Bundesregierung bewertet Magnus Mathias als überwiegend positiv. Sowohl was die Entwicklung der Infektionszahlen angehe als auch den Rückgang der Wirtschaftsleistung stehe Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern Europas gut da. So sei das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland zwar um 5,1 Prozent im Vergleich zu 2019 gesunken. In Frankreich aber sei es um 9,4, in Italien um 9,9 und in Großbritannien sogar um 10,3 Prozent gesunken. Dass Deutschland über das Mittel des Kurzarbeitergeldes verfügt, habe sich in der Pandemie als optimal erwiesen. Entlassungen wurden so verhindert. Trotzdem seien natürlich viele Unternehmen stark durch die Pandemie betroffen, auch in Beverungen. „Die Firma Hegla zum Beispiel durch die Einschränkungen beim Export.“ Mit Hegla hat er ebenso gesprochen wie mit Gastronomen oder Reisebüros – Bereiche, die extrem unter den Corona-Folgen leiden. Bei Profiteuren der Krise, zu denen nachweislich und vor allem im Frühjahr die Baumärkte zählten, fand er dagegen kein Gehör. Die Interview-Anfrage bei einem Beverunger Baumarkt blieb unbeantwortet.

Schnelle Zusagen

Gefreut habe er sich dagegen über die schnellen Zusagen von Bürgermeister Hubertus Grimm und dem Bundestagsabgeordneten Christian Haase. Von dem CDU-Politiker erfuhr Mathias von einer Idee, die sich in der politischen Diskussion in Berlin letztendlich nicht durchgesetzt hat. Die Idee war die, Wertschecks mit einer bestimmten Summe an Familien auszugeben, die dieses Geld nur im regionalen Einzelhandel in einem gewissen Umkreis ausgeben können. So würde nicht nur der lokale Handel gestärkt und der Konsum gefördert, sondern es wäre auch keine Ausgabe des Geldes im Onlinehandel möglich. „Im Vergleich zum Kinderbonus halte ich die Wertschecks für die bessere Idee.“

Auch in der Schulpolitik fehlt Magnus Mathias die Weitsicht der agierenden Politiker. „Dass die Schulen jetzt zu sind, ist richtig. Das hätte man allerdings auch schon viel früher entscheiden können. Die Homeschooling-Konzepte lagen ja vor. So mussten jetzt kurzfristig Klausuren abgesagt oder verschoben werden.“ Die Bedingungen für das Abitur müssten seiner Meinung nach angepasst werden. Durch die lange Zeit im Homeschooling hätten weniger Inhalte bearbeitet beziehungsweise vom Lehrer vermittelt werden können. „Man konnte halt nichts gemeinsam erarbeiten. Und so hat man auch den ein oder anderen Tipp vom Lehrer nicht bekommen“, sagt er. Deshalb wünscht er sich individuelle und von den Lehrern erarbeitete Abiturklausuren. „Mir ist bewusst, dass das mehr Arbeit für die Lehrer bedeutet. Für die Schüler wäre es aber die beste Lösung. Die Lehrer wissen, was intensiv bearbeitet wurde und was nicht und könnten so individuell Schwerpunkte setzen.“

Solidarische Gemeinschaft

Für den 18-jährigen Beverunger persönlich war das Jahr 2020 eins mit vielen Aufs und Abs. „Was ich mitnehme aus dem Jahr ist die Erkenntnis, dass wir das nur als solidarische Gemeinschaft schaffen“, sagt Mathias und nennt als Beispiel die Masken. „Wenn ich sie trage, schütze ich ja mehr andere als mich selbst. Wenn es aber alle tun, ist der Effekt viel höher.“

Und genauso sieht es Magnus Mathias bei der Impfung. „Wir müssen die Impfung als solidarische Aktion sehen, um die Herdenimmunität zu erreichen“, sagt er. „Es ist eine Gesellschaftsleistung.“

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