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Die marode Stauanlage wird abgebaut – Fische haben bald „freies Schwimmen“

Die Tage des Bever-Wehrs sind gezählt

Beverungen (WB). Das Wehr in der Bever an der Dalhauser Straße ist etwa 100 Jahre alt, eine der alten Wehrtafeln ist gebrochen. Die Anlage ist marode und beschäftigt die Stadt schon lange. Jetzt sind ihre Tage gezählt. Ab September wird das Wehr abgebaut und durch eine Schachtbauanlage etwa 250 Meter oberhalb ersetzt. Und das alles im Zuge einer Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Windparks Twerberg, der auch Auftraggeber ist, so dass „die Stadt kostenmäßig nahezu raus ist“, wie Bürgermeister Hubertus Grimm gestern vor Ort erklärte.

Alexandra Rüther

Die „Wasserfälle von Beverungen“. Einen Sprung von etwa 2,50 Meter macht die Bever, wenn sie über das Wehr fließt. Doch damit ist bald Schluss. Denn das Wehr wird abgerissen und der Bachverlauf so angeglichen, dass das Bever-Wasser in freiem Fall in den Mühlengraben fließen kann. Foto: Alexandra Rüther

Wasser für Mühlen

Das Wehr diente einst dazu, die Bever zu stauen. Das überlaufende Wasser floss in den Mühlengraben und speiste die Mühlen der Stadt, lieferte auch Kühlwasser für die Firma Vogt und Behring. „Das Wasser wurde hier etwa 2,50 Meter hoch angestaut, um dann in den Mühlengraben überzulaufen“, erklärte Uwe Lippenmeyer vom Bauamt der Stadt. Von der Stadtmühle aus verläuft der Graben weiter parallel zur Langen und Hersteller Straße bis zu der Brücke am Ortsausgang. Zwar müssen heute keine Mühlen mehr gespeist werden, auf den Mühlengraben verzichten könne man aber auch nicht einfach, „weil wir ihn als Regenwasserabführung brauchen“, so Lippenmeyer. Ohne Mühlengraben müsste aufwendig ein neuer Regenwasserkanal gebaut werden. Ein weiterer Unterschied zu früher: Die Ökologie muss mit in den Blick genommen werden, die Anlage muss Fische durchlassen können.

Deshalb sieht die Lösung jetzt so aus, dass die Bever nicht aufgestaut, sondern ihr Lauf so verteilt wird, dass das Wasser im freien Fall in den Mühlengraben fließen kann. Über ein Schachtbauwerk, das etwa 250 Meter oberhalb (Richtung Simonsmühle, heute Holzbau Schilling), eingebaut wird, kann das Wasser in den Mühlengraben fließen.

Abbau des „Simonswehrs“

Dieses Schachtbauwerk wird allerdings nicht vor Anfang September geliefert, wie Carsten Zietz von der bauausführenden Firma Erdbau Hake mitteilte. Erst wenn das eingebaut sei, werde mit dem Abbau des alten Wehres begonnen. Übrigens wird dann auch ein kleineres, das „Simonswehr“, mit abgebaut. Schließlich werde über etwa 40 Meter hinweg der Höhenunterschied der Bever aufgefangen. Die Arbeiten würden aber definitiv dieses Jahr noch beendet.

Fischdurchlässigkeit

Dr. Michael Turk vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Brakel, machte deutlich, dass bei den Genehmigungsbehörden die Fischdurchlässigkeit oberste Priorität habe. Die Bachforelle in der Bever hat also Vorrang vor einem gut gespeisten Mühlengraben. Das betonte auch Uwe Lippenmeyer. „Die Bever ist das eigentliche Gewässer. Um sie geht es.“

Nach dem Regen in den vergangenen Tagen sei die Bever momentan einigermaßen gespeist. „Das sah aber vor zwei Wochen noch ganz anders aus.“ Deshalb sei es grundsätzlich schwierig, den Mühlengraben dauerhaft zu speisen. „Wir können kein Wasser herzaubern.“

Hintergrund ist das Interesse vieler Anwohner des Mühlengrabens, der direkt an ihren Grundstücken entlang führt, und die ihn am liebsten voll und gepflegt hätten. Stand jetzt ist der Mühlengraben an der Dalhauser Straße nicht mehr als ein Rinnsal. Der Graben müsste auch ausgebaggert werden, aber das ergebe erst einen Sinn, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen seien, sagte Uwe Lippenmeyer.

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