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Kerstin Wagner hat sich den Traum vom eigenen Atelier in der Weserstraße 13 erfüllt

„Diese Räume sind Ruhe“

Beverungen

Eigentlich brauchte Kerstin Wagner nur eine neue Brille. Dass mit dem Optiker-Besuch ihr großer Traum in Erfüllung gehen würde, ahnte sie nicht. Doch der Zufall wollte es, dass dieser Optiker, Reinhard Höppner, Besitzer eines Hauses ist, das ihre Vorstellungen von einem Atelier absolut erfüllte. Die Rede ist von der „Alten Apotheke“ in der Weserstraße 13. Seit nunmehr fast neun Jahren betreibt die Diplom-Kunstmalerin hier ihr Atelier „Sfumato“.

Alexandra Rüther

Ruhe in stürmischen Zeiten soll dieses Bild vermitteln. Kerstin Wagner möchte einen Druck des Originals verkaufen und den Erlös an das Kinder- und Jugendhospiz Paderborn/Höxter spenden. Interessierte können sich bei ihr melden. Foto: Alexandra Rüther

„Meine Idee war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen begegnen“, erzählt Kerstin Wagner. „Diese Räume hier spiegeln wider, wie ich die Malerei sehe. Sie vermitteln Ruhe und bieten einem an, sich wohl zu fühlen.“ Viele Ateliers seien steril und nüchtern. Kerstin Wagner aber wollte Gemütlichkeit. Und die strahlen die Räume mit ihren tiefen Fensterlaibungen und dem alten Ofen aus. Das eigentliche Atelier liegt zur Straße hin und bietet genügend Helligkeit.

Wer zu ihr kommt, muss keine Vorkenntnisse mitbringen. Eigentlich ist es ihr sogar am liebsten, wenn ihre Schüler zu Beginn genauso „unschuldig“ sind wie eine weiße Leinwand. „Denn dann ist die Offenheit da, das anzunehmen, was ich vermitteln will.“ Der erste Schritt ist immer eine Zeichnung. „Und dann gehe ich in die Pastellkreide.“ Mit dem zarten Material könne man ganz leicht lernen, ein Bild aufzubauen, Farben zu mischen. So entwickeln sich schnelle Erfolgserlebnisse und damit die Lust, weiter zu machen. Der nächste Schritt ist dann das Arbeiten mit Acrylfarbe und – wer möchte – mit Öl. „Für mich die Königsdisziplin der Malerei“, so Kerstin Wagner.

Alle Sinne gefordert

Was die Motive angeht, ist sie völlig offen. Wichtig ist ihr, dass sie ihre Schüler dahin bringt, „nur noch das zu malen, was sie sehen“. Das sei ein Prozess, der seine Zeit brauche und alle Sinne fordere. Aber das Ergebnis sei immer wieder toll. Ein Beispiel: Eine ihrer Schülerinnen malte ein Portrait ihrer Enkeltochter und fragte sie dann, wie sie das mit den Haaren machen solle. „Ich habe ihr gesagt, dass sie nicht an Haare denken, sondern sich nur auf Form und Farbe konzentrieren soll. Das Ergebnis ist beeindruckend.“

Dass ihr Konzept von einem Atelier genau so aufgegangen ist, wie sie es sich vorgestellt hat, freut Kerstin Wagner sehr. Etwa 30 Schüler nehmen jeden Monat an ihren Kursen teil – aus Beverungen und Lauenförde, aber auch aus Warburg oder Gieselwerder. Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Aus den Kontakten, die hier geknüpft wurden, sind Freundschaften geworden. Ich nenne es meine Mal-Familie.“ Und diese Familie hält auch in Corona-Zeiten zusammen. Obwohl das Atelier geschlossen ist, besteht Kontakt. „Und alle leben eine enorme Solidarität. Das berührt mich sehr.“

Urlaubsmotiv auf Leinwand

Sie selbst hat den Corona-Lockdown genutzt, um ein Urlaubsmotiv aus dem Marokko-Urlaub im vergangenen Jahr auf die Leinwand zu bringen. Ein Wellenspiel am Strand. Ein Bild, das sehr viel Ruhe ausstrahlt, obwohl das Meer aufgewühlt ist. „Ich kann mir vorstellen, dass es gerade in dieser Zeit vielleicht viele Menschen anspricht“, sagt Kerstin Wagner und möchte einen Druck des Bildes (50 mal 70) deshalb für einen guten Zweck versteigern. Interessenten können sich von Montag, 14., bis Samstag, 19. Dezember, telefonisch oder per Email bei Kerstin Wagner melden und ein Gebot abgeben (Telefon 0174/3758419, kerstinwagner.art@gmx.de).

Den Erlös will sie an das Kinder- und Jugendhospiz Paderborn/Höxter übergeben. „Einrichtungen wie diese haben unsere Unterstützung gerade jetzt nötig“, sagt Kerstin Wagner, die die Corona-Zeit persönlich als „schwer und bedrückend“ erlebt, weil ihre Familie so nah dran sei am Virus. Ihr Mann arbeitet als Arzt, die eine Tochter auf der Intensivstation einer Klinik in Kassel und die andere, angehende Psychologin, hat in Berlin miterlebt, was es mit Demenzkranken macht, wenn ihre Station von der Außenwelt abgeriegelt wird. „Mein Appell an die Menschen ist deshalb, dass wir uns alle an die Maßnahmen halten und uns einschränken, wo es nur geht, um die Pfleger und Ärzte zu unterstützen, die teilweise am Ende ihrer Kräfte sind.“

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