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Eigentümer sind nicht zu greifen – Zwangsabriss steht noch im Raum

Ein stattliches Haus verfällt

Beverungen (WB). Es muss einmal ein sehr schönes Haus gewesen sein. Heute hat das Gebäude Bahnhofstraße 23 nur noch Schrott-Wert. Während an die Eigentümer kein Herankommen ist, haben sich mit Marder, Waschbär und Co. neue Bewohner eingenistet – zum Ärgernis der Nachbarn.

Alexandra Rüther

Das Haus Bahnhofstraße 23 stammt aus der Gründerzeit. Die eigentlich ansehnliche Fassade vergammelt seit Jahren. Foto: Alexandra Rüther

»Es ist ja nicht nur die unansehnliche Fassade und das Unkraut, das am Haus sprießt«, sagt Nachbar Rolf-Dieter Crois. Mittlerweile gebe es Ungeziefer in rauen Mengen. »Marder und Waschbär spielen da packen und bewohnen mittlerweile auch Dachböden der Nachbarschaft.«

Der Kreis Höxter habe ihm gesagt, für das Gebäude sei die Stadt zuständig, die Stadt sage ihm, für die Verkehrssicherungspflicht sei der Kreis zuständig. »Man hört zwar, es gebe Gespräche mit potenziellen Interessenten, aber es tut sich ja seit Jahren nichts«, sagt Crois, der die größte Angst davor hat, dass einmal etwas Schlimmes passiert. Er habe bereits Betonbrocken vom Gehweg aufgehoben. Und die Holzballustraden, die der Kreis zum Schutz aufgestellt habe, seien nicht mehr vertrauenserweckend.

Hausbesitzer abgetaucht

Laut Stadtverwaltung ist das Haus Anfang der 2000-er Jahre von vier Investoren gekauft worden. Sieben Wohnungen wollten sie hier einrichten und vermieten – geschehen ist aber nichts. Die Akte, die in der Bauabteilung über das Haus vorliegt, beginnt 2004. »Da traten die ersten Schäden an der Fassade auf«, berichtet Michael Haneke.

Die neuen Hausbesitzer waren da allerdings schon abgetaucht. »Einer ist insolvent und drei sind nicht erreichbar.« Seitens des Kreditgebers habe es mehrere Termine zur Zwangsversteigerung gegeben – allerdings gab es nie einen Interessenten.

Mittlerweile gebe es einen Paragrafen im Baugesetzbuch, der es der Stadt erlaubt, einen Abriss anzuordnen. Sie müsste allerdings auch die Kosten tragen, die auf etwa 30 000 Euro geschätzt werden.

Nicht abzusehen seien eventuelle Probleme beim Abriss. »Es könnte Asbest verarbeitet sein, im Keller lagert außerdem Sperrmüll«. Auch wisse man nicht, inwieweit Nachbargebäude bei einem Abriss in Mitleidenschaft gezogen würden. Das Grundstück ist etwa 300 Quadratmeter groß. Rolf-Dieter Crois hat vor Jahren schon einmal angeboten, es zu kaufen, um sich einen Garten anzulegen – allerdings ohne Haus darauf.

Stadt bleiben zwei Möglichkeiten

Der Stadt bleiben im Grunde zwei Möglichkeiten. Sie könnte bei einer Zwangsversteigerung als Käufer auftreten. Dann wäre die Frage, was macht sie mit dem Grundstück. Der Rat der Stadt hat sich bereits einmal gegen diese Lösung ausgesprochen. Wendet sie den Paragrafen 179 Baugesetzbuch an, bliebe das Grundstück bei den Eigentümern.

Wird die Stadt im Fall Bahnhofstraße 23 tätig, könnte sie aber auch einen Präzedenzfall schaffen. Denn gerade in den Dörfern stehen immer mehr Häuser leer und verfallen. »Es muss auf politischer Ebene entschieden werden, wie man künftig damit umgeht«, sagt Michael Haneke.

Rolf-Dieter Crois sehnt eine solche Entscheidung herbei. »Ich weiß nicht, worauf man wartet. Das Haus wird ja schließlich nicht schöner.«

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