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Prince Sota-Hunzinger organisiert Hilfslieferung für Menschen in Malabo, Äquatorialguinea

Eine Arztpraxis in einem Container

Beverungen

Ende 2019 hat Dr. Hermann Hunzinger seine Praxis für Allgemeinmedizin in der Beverunger Innenstadt nach 35 Jahren ärztlicher Tätigkeit geschlossen. Jetzt wird sie wieder aufgebaut – in Malabo in Äquatorialguinea.

Alexandra Rüther

Eine Arztpraxis geht auf Reisen (von links): Dr. Hermann Hunzinger, Prince Sota-Hunzinger, Jesus Lorenzo und Elmar Scherf vom Verein Dritte Welt und Umwelt. Foto: Alexandra Rüther

Hunzingers Ehefrau Prince Sota-Hunzinger stammt von dort, besucht regelmäßig ihre Familie und hat zusammen mit Pater Jesus Lorenzo die Hilfsorganisation „Semillas de Girasol GE“ gegründet. Es ist das spanische Wort für Sonnenblumenkerne. Und wie die Saat in der Erde aufgeht, soll auch die Hilfe zu den Menschen kommen.

Prince ist über die sozialen Medien ständig in Kontakt mit den Menschen vor Ort und koordiniert die Hilfe unter dem Motto „vital, lokal, global“. „Dank des Internets ist das möglich“, sagt sie.

Wenn der Container in etwa vier bis sechs Wochen in Malabo ankommt, wird sie ebenfalls da sein, um die Praxis wieder aufzubauen. Einen Arzt, der sie führen wird, hat sie inzwischen gefunden.

Der Container ist bis an den Rand gefüllt mit den verschiedensten Gerätschaften: Schränke, Möbel, Spritzen, Zentrifugen, Ultraschallgerät, EKG. „Es ist wirklich die komplette Praxis“, sagt Dr. Hunzinger. Dazu kommen Spenden wie Herde, Kühlschränke, Zahnarztstühle und eine große Kleiderspende von einem Privatmann aus Dalhausen. Beim Einladen haben auch Mitglieder des Vereins Dritte Welt und Umwelt geholfen, der bekannt ist für sein Engagement für das Kinderdorf Awassa in Äthiopien, aber auch Spenden entgegennimmt für Sota-Hunzingers Organisation in Äquatorialguinea.

Die Lebenssituation der Menschen in der ehemaligen spanischen Kolonie verschlechtere sich stetig, sagt Prince. „Früher sind alle Kinder in die Schule gegangen. Heute nicht mehr. Ich sehe die Not der Menschen, wenn ich da bin. Und jedes Mal, wenn ich wiederkomme, ist es noch schlimmer“, erzählt Prince Sota-Hunzinger. Lebensmittel werden immer teurer, eine öffentliche Gesundheitsversorgung gebe es nicht. „Die Leute zahlen zu fast 100 Prozent alles selbst.“ In Malabo gebe es zwar ein Krankenhaus. Da gehe aber keiner hin, weil es für die Bevölkerung einfach zu teuer sei.

Erst vor wenigen Wochen hatte eine Serie von Explosionen die Stadt Bata erschüttert und mindestens 98 Menschen in den Tod gerissen. Etwa 615 weitere Menschen wurden verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. „Mitglieder unserer Organisation helfen auch dort“, so Sota-Hunzinger.

Äquatorialguinea

Das am Golf von Guinea an der Westküste Afrikas und südlich von Kamerun gelegene Äquatorialguinea ist einer der abgeschottetsten Staaten Afrikas.

Der 78-jährige Staatschef Obiang Nguema ist dort seit mehr als 40 Jahren an der Macht. Die Opposition und internationale Organisationen werfen ihm immer wieder Menschenrechtsverletzungen vor. 2017 wurde nach Regierungsangaben ein Putsch vereitelt; zwei Jahre später wurden 130 Menschen deshalb zu teils lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Bata ist die größte Stadt des öl- und gasreichen Landes, in dem jedoch die überwiegende Mehrheit etwa 1,4 Millionen Einwohner in Armut lebt. „Tränen des Teufels“ nennen Hunzingers deshalb das Öl.

Spenden

Wer die Semillas de Girasol GE unterstützen möchte, kann dies über den Verein Dritte Welt und Umwelt tun. Das Spendenkonto ist eingerichtet bei der VerbundVolksbank OWL, IBAN: DE36 4726 0121 0111 1220 00, BIC: DGPBDE3MXXX

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