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Thomas Kappmeyer malt das Bühnenbild für den Carnevalsverein

Eine Leinwand in XXL

Beverungen (WB). Seine Leinwand findet er in keinem Künstlerzubehörgeschäft und auch in keinem Baumarkt. Thomas Kappmeyer baut sie selber. Er ist Bühnenbildmaler beim CVWB und lässt sich auf etwa 50 Quadratmeter Fläche aus.

Alexandra Rüther

Aus 18 Holzrahmen besteht die Leinwand, die Thomas Kappmeyer Motiv-gerecht bemalt. Foto: Alexandra Rüther

Das Motto, das er in diesem Jahr umsetzen muss, lautet »Ganoven, Diebe, scharfe Mädchen – die Unterwelt im Weserstädtchen«. Das war leicht, sagt der 57-Jährige, der beim Bauhof der Stadt Beverungen angestellt ist und dem Karneval seit Jahrzehnten treu ist. »Ich hatte ziemlich schnell zwölf Entwürfe parat«, erzählt er. Manchmal hat er nur einen. Sobald er das Motto des Carnevalsvereins kennt, beginnt für ihn die Recherche. Skizzen werden angefertigt, das Internet auf der Suche nach Anregungen durchstöbert. »Scharfe Mädchen, Gauner – da fällt einem doch sofort was ein, lacht Kappmeyer und gibt zu, dass er auch noch »eindeutigere« Ideen gehabt hat. »Aber vor dem Bühnenbild wird ja auch Kinderkarneval gefeiert«. So wurde also alles etwas »entschärft«. Seine Ideen präsentiert er jedes Jahr dem Bühnenbildausschuss. Und hier ist man eigentlich nur dankbar, dass Thomas Kappmeyer jedes Jahr wieder etwas Tolles einfällt.

Beamer wirft die Entwürfe an die Wand

Dann geht es also an die Umsetzung. »Den ersten Tag nehme ich mir immer Urlaub und verbringe ihn wirklich komplett in der Stadthalle«, berichtet der Hobbymaler. Die 18 Holzrahmen sind dann schon zusammengebaut und mit Papier bespannt und bilden eine riesige Leinwand. Zunächst muss die Hintergrundfarbe aufgebracht werden, dann geht es ans Zeichnen. »Früher habe ich mir dafür Schablonen angefertigt, heute habe ich einen Beamer.« Damit wirft er also seine Entwürfe an die Wand und legt los. Nach dem Konturieren arbeitet Kappmeyer mit normalen Wandfarben. Weil die auf dem Papier so schnell trocknen, nimmt er eine Sprühflasche mit Wasser zur Hilfe – für einen sanften Farbverlauf.

40 Arbeitsstunden stecken in dem Kunstwerk

Anfangs – das Amt des Bühnenmalers hat er 2005 übernommen – prangte noch jedes Jahr die Weserbrücke auf dem Bühnenbild und es wurde quasi drumherum gemalt. Sein erstes Motto war Ägypten. »Das fand ich persönlich sehr schön. Aber das mit der Brücke wurde auf Dauer zu langweilig. Und so habe ich den Vorschlag gemacht, die gesamte Rückwand der Bühne als jedes Jahr wechselnde Kulisse zu nutzen.« Die Idee kam an – und wurde 50 Quadratmeter groß.

Auch privat ist er als Hobbymaler vielseitig unterwegs. Grafiken, Landschaften, eigentlich male er so ziemlich alles. Nur eben nicht so groß wie in der Stadthalle. 35 bis 40 Arbeitsstunden stecken in dem Kunstwerk. Und dass es sich um Kunst handelt, wird spätestens jedem Besucher der Prunksitzung bewusst. Es ist die erste Großveranstaltung jeder Session vor der Kulisse des neuen Bühnenbildes – erschaffen von Thomas Kappmeyer. »Es ist schon jedes Mal eine Herausforderung, aber das macht es schließlich auch aus.«

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