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Michael Mittermeier setzt den „Lucky Punch“ vor ausverkauftem Haus

Er schlägt sich durch

Beverungen (WB). Er ist einer der bekanntesten Komiker Deutschlands, steht seit 33 Jahren auf der Bühne und hat es am Donnerstag endlich geschafft, nach Beverungen zu kommen: Michael Mittermeier, der quirlige Oberbayer mit dem markanten Akzent gastierte mit „Lucky Punch – Die Todeswuchtl schlägt zurück“ in der Weserstadt.

Iris Spieker-Siebrecht

Michael Mittermeier will wiederkommen – ins Land der „Höxter-Hexen“ und des „Senf-Anbaus“. Bei seinem ersten Auftritt in Beverungen ist der Comedian gut angekommen. Foto: Spieker-Siebrecht

„Wir wollen heute Spaß haben“, verkündet er in der ausverkauften Stadthalle und stößt auf ungeteilte Zustimmung. Dabei konzentriert er sich erst einmal auf Höxter – die Stadt, die bundesweit durch den Horrorhaus-Skandal bekannt wurde und nun mit diesem zweifelhaften Ruf leben muss. Die Reaktionen aus dem Publikum sind verhalten, nicht jeder findet das lustig.

Vier kleine Monarchinnen

Jenseits vom Lokalkolorit kommt er besser ins Spiel, die Ausführungen zum Heiligen-Drei-Königsfest, zu dem Mittermeier daheim in diesem Jahr von vier kleinen Monarchinnen besucht wurde, bricht das Eis endgültig. Den Absurditäten des Alltags „und ihren großen, bösen Brüdern“ will  er  den „Lucky Punch“ – laut Mittermeier ist das der englische Begriff für den glücklichen, alles entscheidenden Treffer eines hoffnungslos unterlegenen Kämpfers – genau zwischen die Augen setzen. Er kämpft mit seiner Spezial-Waffe, der „Todes-Wuchtl“, österreichisch für die lustigste Pointe auf der nach oben offenen „Bist-Du-Deppat-Skala“, eine verbale Escape-Taste, falls der alltägliche Wahnsinn überhand zu nehmen droht.

Wenn die zwölfjährige Tochter in der Vorpubertät den Komiker-Papa zum „Humoraussätzigen“ macht und das Nikolausgewand aus der Familiengütergemeinschaft nicht  nur Autorität, sondern auch das Rentier-Aroma der verschiedenen Träger vergangener Jahre verströmt, dann ist Mittermeier in seinem Element. Einzig Donald Trump gibt er sich geschlagen – „er ist einfach der bessere Komiker, ich verneige mich“ – nicht ohne ihn dann doch heftig in die Zange zu nehmen. Er würde zu gern mal einem Streitgespräch zwischen Siri, Alexa und Cortona lauschen und hatte als Kind temporär den Berufswunsch „Heiliger Geist“.

Es geht nicht ohne Trump

Durch Mittermeiers Augen betrachtet, werden die alltäglichen kleinen Ärgernisse und Kompromisse zu perfekten Vorlagen im Komiker-Kampf gegen Gleichgültigkeit und Passivität – nicht ohne immer wieder mit „höx-höx“ augenzwinkernd zum Höxter-Thema zurückzukehren. Ab und an politisiert er ein bisschen – auch bei Mittermeier geht es nicht ohne Trump und die Merkel-Raute, die Wahlbeteiligung will er mit einer Umkehrung zur „Raus-Wahl“ à la Dschungel-Camp steigern und eine schwarz-grüne Koalition in Bayern erinnert ihn an ein Video, bei dem ein großer schwarzer Schimpanse einen kleinen grünen Frosch misshandelt.

Der Komiker sieht hinter der aktuellen Superhelden-Flut im Kino den Wunsch der Menschen nach Rettung in unsicheren Zeiten, ganze 41 Helden zählt er im Streifen „Justice League“ – früher habe ein einziger gereicht, um die Welt zu retten. Das Publikum biegt sich vor Lachen, wenn Mittermeier seine Überlegungen anstellt: Wie sinnlos ist es, wenn eine Fledermaus (Batman) auf einem Pferd stundenlang durch Wälder und Felder reitet und Aqua-Man sucht? Will er ihn in einer Pfütze finden? Mit Bruce Lee und Chuck Norris-Witzen kehrt er zum Kampfring zurück und platziert auch hier seine „Todes-Wuchtl“. Ein wenig Lokales mischt er noch mal ein, als er von seiner Anreise erzählt und vom Publikum erfährt, dass auf den grünen Äckern der Region „Senf“ wächst. Er weiß nicht, dass diese Pflanzen dem Erosionsschutz und nicht der Erzeugung von Körnern dienen, und so wird die hiesige Gegend für ihn zum „Land der Höxter-Hexen und des Senf-Anbaus“ – und hierher will er auf jeden Fall zurück.

Die Mischung machts

Die richtige Mischung machts – immer wieder ein bisschen schlüpfrig und derb, dann lokal, politisch moralisierend oder spitzfindig-genial, mit ausdrucksvoller Mimik und den für Mittermeier charakteristischen Wechseln durch alle Stimmlagen beschert der Comedian dem Beverunger Publikum einen wunderbaren Abend und kann erst nach mehreren Zugaben die Bühne verlassen.

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