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Martin Erben wird Nachfolger von Mathias Wolff als „Stadtförster“ von Beverungen

Generationenwechsel im Wald

Beverungen

Mathias Wolff ist ein Freund klarer Worte. Man müsse schon „eine leichte Schramme haben“, um Förster zu werden, sagt er. 30 Jahre lang war der Beverunger Stadtwald sein Revier, sein Arbeitsschwerpunkt. Jetzt hat er diesen an den 30-jährigen Martin Erben übergeben.

Alexandra Rüther

Mathias Wolff (links) hat „seinen“ Wald an Martin Erben übergeben. Foto: Alexandra Rüther

Der 63-Jährige hinterlässt seinem Nachfolger viel Arbeit. „Die letzten zwei, drei Jahre waren bekanntlich nicht so schön“, spricht Wolff die Zeit an, die von Sturmschäden, Trockenheit und dem Borkenkäfer geprägt war. „Wenn man auf einen Schlag den fünffachen Jahreseinschlag präsentiert bekommt, tut das schon weh.“ Wolff leidet mit dem Wald. Er lebt mit ihm, nimmt ihn persönlich, wie er sagt. Und das will auch Martin Erben tun. Der Düsseldorfer ist mit seiner Frau nach Amelunxen gezogen. „Der Unterschied zwischen einem Großstadtwald und dem in Beverungen könnte nicht größer sein“, sagt Erben. Deshalb sei es eine ganz bewusste Entscheidung gewesen. „Hier Anschluss zu finden, war überraschend einfach“, sagt er und ist begeistert davon, wie offen und freundlich er aufgenommen wurde. Seine Frau habe auch bereits Arbeit gefunden, als Krankenschwester im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter.

„Die Fußstapfen, die Mathias Wolff hinterlässt, sind natürlich sehr groß. Die muss ich erst einmal ausfüllen.“ Noch sei er dabei, alles kennen zu lernen. Und Mathias Wolff ist ja nicht aus der Welt. „Ich bin schon raus. Martin Erben ist der Chef. Aber ich habe natürlich ein Interesse daran, dass die Arbeit im Sinne der Bäume und der Waldbesitzer so weiter geht“, sagt er.

Noch etwa fünf Jahre werde sein Nachfolger mit der Wiederaufforstung in den etwa 1600 Hektar großen Waldgebieten beschäftig sein, dann beginne im Anschluss die Pflege.

Der Beverunger Stadtwald von heute trägt auch die Handschrift von Mathias Wolff. Er hat etwa 100 Hektar Fichtenbestand ersetzt durch standortgerechte Baumarten. Dabei setzte er auf Douglasie, Tanne und Lerche in Verbindung mit Buche, Eiche, Kirsche und anderen Edellaubhölzern. In dem Zusammenhang sei ihm die Zusammenarbeit mit Hans Barth in guter Erinnerung, der zahlreiche Waldprojekte, Anpflanzungen, mit seinen Schülern umgesetzt hat.

„So vielfältig wie der Beverunger Wald sind nicht viele“, hat auch Martin Erben inzwischen feststellen dürfen. 42 verschiedene Baumarten kommen hier vor, darunter seltene Arten wie Elsbeere, Ulme oder Eibe. Letztere ist übrigens Wolffs Lieblingsbaum. Er nennt sie „ein Holz der Superlative“. „Die Eibe kann bis zu 1500 Jahre alt werden und ihr Holz ist enorm biegefest.“ Die englischen Langbogen beispielsweise würden aus Eibenholz gemacht. Es habe eine tolle Farbe, die Nadeln ihr ganz eigenes Grün. Der Baum kann bei nur einem Prozent Lichteinfall existieren und ist einer der giftigsten überhaupt. Und: Sein nördlichstes Verbreitungsgebiet ist der Kreis Höxter. Erbens Lieblingsbaum ist die Elsbeere. Ein Holz, das sich kaum bewegt und dadurch ideal für den Instrumentenbau ist. Von der Pflanzung bis zur Ernte können auch bei diesem Baum schon einmal 15 Generationen verstreichen. Und genau deshalb müsse man als Förster die besagte „Schramme“ haben. „Weil wir ja über Generationen denken“, so Wolff. Das mache den Beruf aber eben auch nachhaltig.

„Und wir dürfen die Früchte unserer Vorgänger ernten“, fügt Martin Erben hinzu, der den Beverunger Wald gerne ebenfalls 30 Jahre lang begleiten möchte. „Mindestens.“

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