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Beverungerin gab sich als Angehörige aus – Anklage erhoben

Germanwings-Absturz: Frau soll Lufthansa betrogen haben

Beverungen (WB). Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen eine Frau aus Beverungen (Kreis Höxter) erhoben, die sich 2015 nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich (150 Tote) fälschlicherweise als Angehörige eines Opfers ausgegeben hatte.

Christian Althoff

Symbolfoto. Foto: dpa

Die Frau hatte damals gegenüber der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa erklärt, sie sei eine Cousine der bei dem Absturz getöteten Lehrerin Stefanie T. aus Brakel im Kreis Höxter.

Um den Schmerz der Hinterbliebenen nicht noch zu vergrößern, hatte Lufthansa damals auf eine Überprüfung aller Angaben verzichtet und sich unbürokratisch um trauernde Familienmitglieder gekümmert.

Mit einem Sonderflug für Angehörige wurde auch die Frau aus Beverungen im März 2015 nach Südfrankreich gebracht. Einschließlich Hotel und Verpflegung entstanden der Lufthansa 4600 Euro Kosten.

Zweifacher Betrug zu Lasten der Lufthansa

Im April 2015 ließ sich die junge Mutter erneut vom Flughafen Paderborn/Lippstadt über München nach Südfrankreich fliegen – diesmal zusammen mit ihren beiden Kindern und einem Begleiter.

»Dafür hat die Lufthansa etwa 11.000 Euro aufgewendet«, sagt Dr. Wolfgang Schorn, Sprecher des Amtsgerichts Köln, das demnächst den Prozess gegen die Frau führen wird. Der Frau werde zweifacher Betrug zu Lasten der Lufthansa vorgeworfen, sagte Dr. Schorn.

Tattoo zum Gedenken an die Schwester

Die Flugnummer, die Unglückszeit, die Koordinaten der Absturzstelle und den Namen Anke ließ sich die Frau tätowieren. Foto: Unklar ist, ob und wann sich die Frau wegen einer möglichen weiteren Tat vor Gericht verantworten muss. Sie hatte sich unmittelbar vor dem zweiten Flug nach Frankreich bei einem Tattoo-Studio im hessischen Dietzenbach gemeldet und den Wunsch geäußert, sich den Namen ihrer beim Absturz ums Leben gekommenen Schwester tätowieren zu lassen.

Aus Mitleid hatte Marcel Reitz, der Besitzer des Tattoo-Studios »D-Town-Ink«, seine Mitarbeiter am Karfreitag zusammengetrommelt und noch Frühstück für die Frau und ihre Kinder besorgt.

Die Frau ließ sich den Namen Anke, die Flugnummer, die Unglückszeit und die Koordinaten der Absturzstelle auf den oberen Rücken tätowieren. Reitz fragte damals die Kinder, wie sie denn mit dem Tod ihrer Tante zurechtkämen, aber die sahen ihn nur fragend an.

50 statt 300 Euro

Der Tätowierer glaubte, die Kinder stünden noch unter Schock oder man hätte ihnen die Wahrheit noch nicht erzählt. Zum Schluss nahm er von der Frau aus Beverungen nur 50 statt 300 Euro – »die reinen Materialkosten. Sie tat uns eben leid.«

Der in den Nacken tätowierte Name Anke wurde der Frau offenbar zum Verhängnis. Angeblich fiel jemandem an Bord der Lufthansamaschine auf, dass die Frau doch ursprünglich behauptet hatte, Cousine der getöteten Stefanie T. zu sein. Lufthansa zeigte die Frau wegen Betrugs an, später erstattete auch Tätowierer Marcel Reitz eine Anzeige.

Keine Stellungnahme

Von der Beschuldigten war am Montag keine Stellungnahme zu bekommen. Wann der Prozess in Köln stattfindet, steht noch nicht fest.

Der Germanwings-Flug 9525 sollte am 24. März 2015 von Barcelona nach Düsseldorf gehen. Der Airbus zerschellte in den Alpen. Der Abschlussbericht der Kommission zur Flugunfalluntersuchung stellt fest, dass der Copilot Andreas Lubitz die Maschine in Selbstmordabsicht abstürzen ließ.

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