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Fotos vom Weser-Hochwasser im Februar 1946 gesucht – höherer Wasserstand als bei Sprengung der Edertalsperre

Jahrhundert-Hochwasser vor 75 Jahren

Beverungen/Höxter

Das Jahrhundert-Hochwasser von 1946 jährt sich zum 75. Mal. In den Tagen um den 10. Februar standen die Fluten sogar in Höxters Innenstadt-Straßen, in Herstelle, in Beverungen, Lauenförde und fast allen Weser-Anrainerdörfern. Das Brückfeld bei Boffzen wurde zu einer gewaltigen Seenplatte. Die sonst kleine Weser sah aus der Luft aus wie der Rhein.

Michael Robrecht

Weser-Hochwasser in Höxter am 10. Februar 1946: Die höchste je gemessene Flut an der Oberweser. Vorne ist die Notbrücke zu sehen, hinten das komplett voll gelaufene Brückfeld bis Boffzen. Foto: Foto-Repro Michael Robrecht

Nach der Sprengung der Edertalsperre in der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1943 wurde das Wesertal zum ersten Mal von einer exorbitanten Flut heimgesucht. Häuser standen meterhoch im Wasser. Das wiederholte sich am 10. Februar 1946: Laut Wasserstandsdienst »Elwis« sind an jenem Tag stolze 7,47 Meter gemessen worden – der höchste bis heute bekannte und gemessene Wasserstand im Raum Höxter. In der Stummrige Straße und Bachstraße fuhren die Anwohner mit Booten zu ihren Häusern. Ältere Bürger wissen, dass die braunen Fluten selbst nach Sprengung der Edertalsperre 1943 nicht so hoch standen wie im Februar 1946. Auch im engen Flusstal bei Herstelle und Würgassen konnten die Bewohner auf vielen Straßen und in den Gärten Boot fahren.

In einer Wetterchronik sind die Ereignisse im harten Winter‘46 festgehalten: »Vom 4. bis 10. Februar 1946 trat außergewöhnlich viel Niederschlag auf, im Flachland 50 bis 70 Millimeter und im Bergland 250 bis 300 Millimeter. Der größte Tagesniederschlag wurde am 8. und 9. Februar gemessen. Der ergiebige Regen wurde schnell abflusswirksam, da der aufgetaute Boden durch vorhergehende Niederschläge und Schmelzwasser wassergesättigt war. Im Gegensatz zu anderen schweren Tauwasser-Fluten im Wesergebiet handelte es sich bei der Weser-Flut 1946 um eine Folge des Regens.«

Höxters Stadtarchivar Michael Koch hat einmal in den Annalen nach ähnlichen schweren Überflutungen zwischen Höxter und Beverungen gesucht und fand mit dem Hochwasser im Juli 1342 (Magdalenen-Flut) eine weitere Katastrophe dieses Ausmaßes mit geschätzten acht Metern Wasserstand. Und: 1552 sollen die Höxteraner mit Booten bis an die Kiliani-Kirche gefahren sein.

Der Kreis Höxter hat nach den Oder- und Elbe-Fluten vor 20 Jahren seinen Hochwasserschutzplan intensiv überarbeitet und erstmals mit Pegeln von mehr als neun Metern kalkuliert. Die Pläne sind im Internet unter „Hochwasserschutz Weser“ einsehbar. Die großen blauen Flächen für eine denkbare Überflutung im Wesertal sorgen für Respekt vor einer fiktiven Wasserwalze.

Wenn der Oberweserraum in den vergangenen Jahren von keinem verheerenden Hochwasser getroffen worden ist, dann hat das aus Sicht von Experten mit sehr viel Glück zu tun. Beim Hochwasser-Experten-Treffen 2018 in Höxter sprachen die Weseranrainer-Städte über den Ernstfall und über neueste Hochwasserschutzmaßnahmen für den Fluss. Schon ein dutzendmal haben sich die Weser-Kommunen anlässlich des Jahrestages des Jahrhundert-Hochwassers im Februar 1946 getroffen. Ziel der Tagungen von um die 40 Experten, Vertretern von Städten und der Hochschule Höxter war es immer, bei allen Verantwortungsträgern das Thema Hochwasserschutz in Erinnerung zu halten, sagte Norbert Weinert (Ingenieurbüro Sönnichsen). Vor Hochwasser sei niemand sicher. »Die Weser ist ein Glückskind, wenn man sieht, von wie vielen Hochwasserereignissen Deutschland schon getroffen worden ist«, meinte der Moderator. Hochwasseraktionspläne für die Weser mit Überschwemmungsszenarien von acht oder neun Metern, die EU-Rahmenrichtlinie zur Wassergüte, das Wesersalzthema und Renaturierungsmaßnahmen: Die Experten hörten, dass der Weser- und Hochwasserschutz hier ernst genommen wird.

Experten warnen davor, Hochwassergebiete zu bebauen. Die Wetterereignisse würden extremer. Politiker müssten das Problem wach halten, weil Hochwasser jeden Tag an der Weser zum Thema werden könne.

An der Oberweser ist seit Jahren eigentlich das extreme Niedrigwasser im Sommer und Herbst ein großes Thema, aber Hochwasserereignisse sind deshalb überhaupt nicht ausgeschlossen.

Wer hat alte Fotos?

Das WESTFALEN-BLATT sucht Fotos aus dem Wesertal vom Jahrhundert-Hochwasser im Februar 1946. Leider ist in jenen Jahren nach dem Krieg kaum fotografiert worden. Es gibt relativ wenig historische Aufnahmen. Vielleicht haben die Leserinnen und Leser in privaten Nachlässen noch ein paar schöne Aufnahmen. Wer Bilder hat, kann sie an m.robrecht@westfalen-blatt.de per E-Mail senden oder sich auch telefonisch unter 05271/972852 melden.

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