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Feuerwehrmann Sebastian Ewen berichtet von der Rettungsaktion am Weser-Skywalk bei Beverungen

Junge Frau drohte abzurutschen

Beverungen (WB). Die 23-Jährige, die am Sonntagmorgen in den steilen Felsen neben der Aussichtsplattform Weser-Skywalk abgestürzt ist, ist außer Lebensgefahr. Bei der aufwendigen Rettung haben unter anderem die Feuerwehrkräfte aus dem Stadtgebiet Beverungen dazu beigetragen und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Als erster Helfer bei der jungen Frau am steilen Hang war Stadtbrandinspektor Sebastian Ewen. Das WESTFALEN-BLATT hat mit dem Amelunxer am Tag nach seinem mutigen Einsatz gesprochen.

Dennis Pape

Die Höhenretter aus Paderborn kommen Sebastian Ewen (dunkle Brandschutzbekleidung) in der Steilwand zur Hilfe. Foto: Feuerwehr Paderborn

„Kein Einsatz ist alltäglich, aber dieser war sehr speziell“, sagt Ewen, der nicht nur stellvertretender Leiter der Wehr in Beverungen, sondern auch Berufsfeuerwehrmann in Paderborn ist. Ihm sei am Sonntagmorgen schnell klar gewesen, dass die Person, die mit Hilferufen auf sich aufmerksam gemacht hatte, sich „irgendwo zwischen Weser und ganz oben“ befinde.

Während also Einsatzleiter Stefan Nostitz die Stellung unterhalb der Felsen hielt, übernahm Ewen den oberen Bereich. „Nachdem wir die Frau in einer Höhe von etwa 50 Metern ungefähr orten konnten, habe ich beschlossen, als gelernter Feuerwehrmann und Notfallsanitäter selbst runter zu gehen. Zunächst ging es nämlich darum, die Person zu finden und medizinisch erstzuversorgen“, so Ewen, der am steilen Hang unter anderem von seinen Kameraden Kevin Feiler und Ingolf Menke sowie der Feuerwehrabsturzsicherung Dalhausen unterstützt wurde. Die Höhenrettung aus Paderborn war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingetroffen.

„Es ist wichtig, dass wir uns in dieser Situation blind aufeinander verlassen können. Wir mussten über loses Geröll und totes Gehölz – da kann auf jedem Meter eine Gefahr lauern“, erläutert Ewen, der sich gemeinsam mit Kevin Feiler auf den Weg hinunter machte.

Sebastian Ewen ist Berufsfeuermann. Foto: Privat

Da die Länge der 50-Meter-Seile nicht ausreichte, um sicher bis zu der Frau zu gelangen, mussten diese am steilen Hang gelöst und neu fixiert werden. „Kevin hat mich dabei gesichert, Ingolf hat Material nachgeliefert. Dann habe ich mich auf die letzten 30 Meter bis zu der Person gemacht“, so der Amelunxer, der die junge Frau rechtzeitig erreichen konnte: „Sie drohte abzurutschen, ich konnte sie glücklicherweise halten“, berichtet er. Angst habe der erfahrene Feuerwehrmann bei seinem Einsatz in luftiger Höhe nicht gehabt – „eher eine gehörige Portion Adrenalin und Respekt vor der Tätigkeit. Man muss sich gedanklich in diesen Situationen immer auf das zuvor Gelernte konzentrieren. Das gibt Sicherheit.“

Anschließend kamen die Höhenretterfachleute der Feuerwehr Paderborn Ewen zur Hilfe am Abhang. Mit Seilen und einer Leiter wurde die schwer verletzte Frau gesichert und langsam mit einer Trage nach unten transportiert.

Eine starke Leistung attestiert auch Beverungens Feuerwehrchef Stefan Nostitz, der den Einsatz geleitet hatte, den ehrenamtlichen Kräften. „Die Zusammenarbeit mit Kräften aus dem benachbarten Bad Karlshafen hat ebenfalls bestens funktioniert – wir sind seit geraumer Zeit ein eingespieltes Team.“ Wichtig sei ebenfalls gewesen, dass die Feuerwehr-Absturzsicherung aus Dalhausen hervorragende Vorarbeit für die Höhenretter aus Paderborn geleistet habe. „Die Paderborner Kameraden haben sich praktisch nur noch einhängen müssen – bei diesem Einsatz hat ein Rad ins andere gegriffen.“ Grundsätzlich sei eine Feuerwehr für Höhenrettungen, beispielsweise von Dächern, ausgestattet – die Weserklippen seien aber eine ganz andere Hausnummer. Er sei deshalb froh, dass man mit der Absturzsicherung als Teil der Löschgruppe Dalhausen (sie besteht aus neun Leuten) Experten in diesem Bereich habe. Im Stadtgebiet Beverungen habe man sich bewusst dazu entschieden, diese Fachmänner, die Nachweise erbringen und regelmäßig Prüfungen absolvieren müssen, an nur einem Standort vorzuhalten – nicht zuletzt, weil Übungen einfacher zu koordinieren seien: „An jedem Knoten hängt ein Menschenleben.“

Außerdem habe es sich bezahlt gemacht, auf eine Personenrettung am Weserskywalk vorbereitet gewesen zu sein – und das, obwohl es die erste überhaupt in diesem Gebiet gewesen ist. „Wir sind auf alle Eventualitäten eingestellt – ob Höhenrettung oder Tiefenrettung. Für unseren Bereich werden alle Szenarien mit Höxter und Marienmünster gemeinsam durchgespielt. Der eigentliche Weg zum Skywalk ist zwar bestens gesichert. Es gibt aber auch noch die alten Schleichwege, die sehr gefährlich sind und deshalb gemieden werden sollten“, so Nostitz. Deshalb habe man sich mit einem möglichen Einsatz bereits seit Eröffnung des Ausflugsziels vor neun Jahren beschäftigt.

Die junge Frau, die am Sonntag schwer verletzt gerettet worden war, wird laut Polizei in einem Krankenhaus in Kassel auch psychologisch betreut. Die 23-Jährige kommt nicht aus dem Kreis Höxter. Hintergründe, wie es zu dem Sturz in die Klippen gekommen ist, seien noch nicht geklärt. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es derzeit nicht.

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