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Frühlingsgefühle: Kröten und Molche wandern so früh wie noch nie – Schlingnatterumsiedlung bei Höxter-Godelheim ist erfolgreich

Kilometerlange Zäune stehen nur auf Zeit

Höxter

Wer in diesen ersten Frühlingstagen am Taubenborn zwischen Godelheim und Höxter, am Langen Berg, weiter in Richtung Ottbergen sowie am Bahndamm unweit der B64 unterwegs ist, dem fallen viele Kilometer neue dunkle Zäune auf. Zurzeit wird an dem zwei Kilometer langen Stück entlang der Gleise gearbeitet, wo ein Metallzaun zum Abfangen von Schlingnattern aufgebaut wird. Der soll auch länger stehen bleiben, weil die Tiere sonst immer wieder den warmen Damm aufsuchen würden.

Michael Robrecht

Diese Zäune dienen Schlingnattern und Zauneidechsen dazu, heimisch zu werden. Ohne den Nachweis, dass die vom Bahndamm umgesiedelten Tiere hier unterhalb des Brunsberges dauerhaft bleiben, wird der B64-Neubau nicht genehmigt. Foto: Michael Robrecht

„Auf in die neue Heimat“ hieß es in einer Pressemitteilung von Straßen NRW, als das Zaun-Projekt erstmals 2020 vorgestellt wurde. Die ersten Schlingnattern und Zauneidechsen vom Bahndamm zwischen Godelheim und Höxter sind ab Sommer in die optimierten Lebensräume unterhalb des Brunsbergs und am Langen Berg umgezogen. Die Umsiedlungsflächen sind von Reusen umgeben worden. Die Schlingnatter-Oasen gehören zu einer Ausgleichsmaßnahme im Rahmen des geplanten Neubaus der B64/B83 zwischen Hembsen, Ottbergen und Höxter. Denn dieses Projekt beansprucht einen Teil des bisherigen Lebensraums von Schlingnatter und Zauneidechse im Naturschutzgebiet „Grundlose-Taubenborn“.

Straßen NRW und die Experten des Höxteraner Büros Bioplan weisen darauf hin, dass die kilometerlangen Reusen während der Eingewöhnungszeit sicherstellen, dass die Tiere in ihrer neue Umgebung auch wirklich bleiben. Das muss nachgewiesen werden. Denn es ist möglich, dass die Tiere zunächst noch versuchen werden, in ihre angestammten Lebensräume zurückzukehren. Die Reusen hindern die Reptilien daran, die neuen Flächen einfach zu verlassen. Gleichzeitig ist es jedoch für Kleinsäuger und anderen Reptilien möglich, in die neuen Flächen einzuwandern. Sobald die Tiere ihren neuen Lebensraum angenommen haben, werden die Zäune wieder entfernt. 50 Schlingnattern wurden bereits am Bahndamm gefangen, auf 200 wird die Population insgesamt geschätzt. Biologen und Straßenplaner sehen einen Erfolg ihres Umsiedlungsprojektes, das aus europarechtlichen Gründen für die Genehmigung der neuen B64 unerlässlich ist.

Frühe Krötenwanderung

Und noch ein Thema fällt am Taubenborn in diesen Tagen auf: Die Amphibienwanderungen beginnen viel früher als in den Vorjahren: Biologe Burkhard Beinlich, Leiter der Landschaftsstation, sagte, dass an Südlagen wie dem Taubenborn bei Höxter die ersten Molche schon diese Woche erwartet würden. Auch die Kröten würden nicht lange auf sich warten lassen – besonders ab Freitag, wo nach fünf Tagen mit um bis zu 20 Grad Niederschlag angesagt sei. Kreisweit würde die Wanderung einsetzen.

Die Kröten wandern dieses Jahr erheblich früher als sonst üblich. Foto: dpa

Nach einem kurzen, frostigen und schneereichen Intermezzo ist der Winter nun so plötzlich gegangen wie er gekommen ist. Aber auch, falls er nur Pause macht, können die derzeit hohen Temperaturen schon jetzt für starke Aktivitäten von Amphibien sorgen. Die für die wechselwarmen Tiere relativ guten Wanderbedingungen sollten auch Autofahrer im Blick haben, so ein Appell der Behörden. Autofahrer werden um eine aufmerksame und rücksichtsvolle Fahrweise gebeten. Sobald die Witterung es zulässt, wird mit dem Aufbau von Amphibienschutzzäunen begonnen, an denen die Kröten von Freiwilligen gesammelt und über die Straße gebracht werden.

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