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Gemeinde feiert lebensnahen Gottesdienst in Beverungen

Kirche geht neue Wege

Beverungen (WB). Es war ein Experiment, das sich gelohnt hat: Kürzlich haben sich abends 25 Menschen im Garten hinter der katholischen Kirche in Beverungen versammelt, um einen „LeGo“ zu feiern. LeGo ist eine Abkürzung für den Begriff „Lebensnaher Gottesdienst“.

Zum Ende des besonderen Gottesdienstes haben die Teilnehmer Steine an der Christus-Figur abgelegt. Foto: Alexandra Rüther

Dieser Begriff soll jedoch nicht suggerieren, dass der übliche Sonntagsgottesdienst nicht lebensnah ist, sondern er will ausdrücken, dass diese Art von Liturgie anders als gewohnt gefeiert wird. Und was dabei so anders war als sonst am Sonntag in der Messfeier, das haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sofort gespürt: Kein Priester hat den Gottesdienst geleitet, sondern ein kleines Vorbereitungsteam hatte einen groben Ablauf vorbereitet und diesen als Rahmen zur Verfügung gestellt.

Mit Inhalt und Leben gefüllt wurde der Gottesdienst dann durch die Beteiligung aller Anwesenden: durch freie Gebete, durch einen Austausch in kleinen Gesprächsgruppen über die zentrale Bibelstelle, durch stille Momente oder indem sich die Gläubigen den abschließenden Segen gegenseitig zusagten. Spannend wurde es bei der Auseinandersetzung mit dem biblischen Text. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe verschaffen…“. Diese Worte Jesu standen im Mittelpunkt. Wo erlebe ich mein Leben als belastend und schwer? Mit welcher Sorge oder Mühsal will ich endlich zur Ruhe kommen und Frieden schließen dürfen? Für welche Last brauche ich neue Kraft? Diesen Fragen konnten die Teilnehmer in Ruhe nachgehen.

Symbol

Als Symbol für die belastenden Ecken, Kanten und Risse im Leben wurde jedem Gottesdienstbesucher ein Stein in die Hand gegeben. Und dann wurde erzählt von einer alten japanischen Reparaturmethode, bei dem ein zerbrochenes Gefäß nicht einfach weggeworfen, sondern mit Kitt wieder zusammengefügt wird. Und die noch sichtbaren Risse und Bruchstellen werden mit Goldstaub verziert. Das reparierte Gefäß wird damit noch kostbarer als es ursprünglich war. Dieser Impuls lud dazu ein, die Risse und Kanten der Steine mit einem Goldstift nachzumalen und dabei zu überlegen: Welche Risse und Brüche im Leben sind für mich wichtig gewesen, weil sie mich weiter gebracht und vielleicht auch stärker gemacht haben? Und wo sehe ich Risse, die nicht heilen, weil sie zu tief sind? „Kommt alle zu mir, ich will euch Ruhe verschaffen“ – versehen mit dieser Inschrift, steht seit fast zwei Jahren die Statue eines, segnend die Hände erhebenden Christus an der Außenwand der katholischen Kirche in Beverungen. Als am Ende des Gottesdienstes die Anwesenden einzeln ihren Stein und damit ihre Sorgen und Mühen in einem stillen Moment an dieser Christus-Figur ablegten, war das schon ein dichter und berührender Augenblick, berichten Teilnehmer.

Fortsetzung folgt

Wer nun an der Kirche vorbei in Richtung des Familienzentrums „Die Brücke“ unterwegs ist, kann die Steine mit ihren goldenen Linien und Spuren dort liegen sehen. „Vielleicht ist das ja auch für andere eine Einladung, am Abend beim Bemalen eines Steines zur Ruhe zu kommen. Wer mag, ist herzlich eingeladen, den golden oder bunt bemalten Stein dazu zu legen und die Reihe der Hoffnungssteine fortzusetzen“, so die Organisatoren. Ein nächster LeGo sei ebenfalls schon fest geplant. Den Termin will das Team zeitnah bekannt geben.

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