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Bäckermeister Franz Knipping mit goldenem Meisterbrief geehrt

Klein, aber fein

Beverungen (WB). Vom Landmaschinenschlosser zum Bäckermeister – Franz Knipping aus Amelunxen ist mit dem goldenen Meisterbrief ausgezeichnet worden. Von 1970 bis 2007 führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Marilies die gleichnamige Backstube an der Amalungstraße.

Marius Thöne

Heinrich Brandt (links) und André Knipping gratulieren Franz Knipping (Mitte) zum goldenen Meisterbrief. Foto: Marius Thöne

Als der 76-Jährige Ende der 1960er Jahre das Rüstzeug für den Bäckerberuf bei der Bäckerei Plettenberg in Beverungen lernte, hatte er schon eine abgeschlossene Ausbildung als Landmaschinenmechaniker hinter sich.

Weil seine Schwiegereltern aber die Bäckerei in Amelunxen führten, entschloss sich der gebürtige Drenker zu einer zweiten Lehre mit dem Ziel, dass er und seine Frau die damalige Bäckerei Kirchhoff übernehmen würden. »Der Bäckerberuf ist ausgesprochen vielseitig, an jedem Tag ist der Brotteig ein bisschen anders«, berichtet Knipping, dem gestern von Innungsobermeister Heinrich Brandt Urkunde und Blumenstrauß zum goldenen Meisterjubiläum überreicht wurden. Brandt blickte dabei zurück auf das Jahr 1969 mit Mondlandung und der Wahl von Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten.

Kunden brachten Kuchen zum Backen mit

Franz Knipping berichtete aus seiner Anfangszeit als Bäcker: »Damals kamen die Kunden noch und ließen bei uns ihre selbst gemachten Plätzchen und Zwetschgen-Kuchen abbacken.« Das sei im Laufe der Jahre aber viel weniger geworden. Knipping ist es gelungen, die kleine Bäckerei über all die Jahre hindurch erfolgreich zu führen. »Damals standen die Bäcker vor der Entscheidung zu wachsen, oder sich eine Nische zu suchen«, berichtet Knipping. Er entschied sich für die Nische.

Die Bäckerei ist heute für ihre vielen Plätzchen- und Kekssorten bekannt, die sogar Kunden aus Paderborn in den Beverunger Ortsteil locken. Sie hat sich zudem besonderen Charme vergangener Zeiten erhalten. »Wir backen wie jede Mutter und Oma zu Hause«, bringt es Knippings Schwiegertochter Peggy (41) auf den Punkt.

Eine der ältesten Bäckerein im Kreis

Sie führt die Bäckerei, die es nachweislich seit 1892 gibt, mit ihrem Mann André (42) in fünfter Generation. »Meine vier Geschwister und ich sind quasi in der Backstube groß geworden«, berichtet der heutige Bäckereichef. Es sei heute nicht leicht, sich als kleiner Bäcker gegen die Konkurrenz zu behaupten. Dabei meint Knipping nicht die großen Handwerksbäckereien, sondern die Backtheken der Discounter und die bis zu zwölf Meter langen Brotregale im Supermarkt. »Die machen uns das Leben schon schwer«, meint auch Innungsobermeister Heinrich Brandt.

Bei Knippings wird es aller Wahrscheinlichkeit nach keine sechste Generation im Betrieb mehr geben. Franz Knippings Enkel Julian (20) packt zwar im Betrieb mit an wenn Not am Mann ist, hat sich aber für ein duales Studium entschieden und will Finanzbeamter werden.

Die Verbundenheit zum Traktor ist geblieben

Jubilar Franz Knipping, der mit seiner vor sechs Jahren verstorbenen Ehefrau drei Bäcker und drei Fachverkäuferinnen ausgebildet hat, packt heute noch im Betrieb mit an, liefert beispielsweise Backwaren aus. Darüber hinaus kümmert sich der begeisterte Jäger von Zeit zu Zeit auch noch um den ein oder anderen kaputten alten Trecker im Dorf. Dann ist sein Wissen als Landmaschinenschlosser gefragt.

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