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Hauptausschuss in Beverungen verabschiedet Förster Mathias Wolff – Nachfolger Martin Erben stellt Möglichkeiten des Naturschutzes im Wald vor

Kleine Inseln statt großer Flächen

Beverungen

Statt eines Bannwaldes soll es im Beverunger Stadtwald künftig Biotopholzinseln und kleine Sukzessionsflächen geben.

Alexandra Rüther

Bürgermeister Hubertus Grimm hat Revierförster Mathias Wolff in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Alexandra Rüther

Diesem Vorschlag des Regionalforstamtes ist der Hauptausschuss in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig gefolgt. Vorgestellt wurde das Konzept von Martin Erben, Nachfolger von Mathias Wolff im Beverunger Stadtwald.

Die SPD hatte beantragt, zu prüfen, welche Flächen für die Ausweisung als Bannwald in Frage kommen und ob diese PEFC-zertifiziert werden können. Dazu sagt Erben, dass der gesamte Beverunger Stadtwald bereits seit 2010 PEFC-zertifiziert sei und über dieses Programm in diesem Jahr etwa 120.000 Euro erhalten werde. Ein Bannwald, also ein Wald, der einen besonderen Naturschutz erfüllen soll und in dem nicht gewirtschaftet wird, eigne sich eher für größerer Flächen – in der Regel ab 30 Hektar. „Fördermöglichkeiten bestehen hier zur Zeit nicht“, so Erben. Anders ist das bei Biotopholzinseln. Die können über das „Xylobius“-Programm gefördert werden. Diese Inseln bestehen aus einzelnen Bäumen oder kleinen Baumgruppen und könnten über den gesamten Stadtwald verteilt werden. Und der eignet sich laut Erben „hervorragend“ für Biotopholzinseln, „weil fast überall entsprechende Strukturen vorhanden sind“. Der Zerfall des Alt- und Totholzes wird zugelassen, der Mensch schreitet nicht ein. „Wenn die hohe ökologische Wertigkeit aber irgendwann abgebaut ist, werden diese Flächen wieder in die Bewirtschaftung genommen, dafür aber andere Biotopholzinseln ausgewiesen“, erklärte der neue Förster, der auch junge, lichte Bereiche schützen und sie deshalb als Sukzessionsfläche ausweisen möchte. „Wichtig ist, dass wir bei Bedarf eingreifen können“, so Erben, etwa um nicht standortgerechte Baumarten zurückzudrängen und klimastabile Wälder entwickeln zu können. Aus forstfachlicher Sicht sieht er drei große Vorteile in Sukzessionsflächen: Die forstliche Nutzung kann auf besonderen Standorten kleinflächig extensiviert werden, Naturverjüngung wird mit gezielter Lenkung kombiniert und: „Wir haben die Möglichkeit des dauerhaften Erhaltes von waldnaturschutzfachlich hochwertigen lichten Waldstrukturen.“ In der Kombination aus Biotopholzinseln und Sukzessionsflächen sieht Erben auch die Möglichkeit einer ökologischeren Außendarstellung und für weitere Schulprojekte.

Verabschiedung von Mathias Wolf

„Feuertaufe bestanden“, sagte Bürgermeister Hubertus Grimm im Anschluss an den Vortrag von Martin Erben im Hauptausschuss. Im Vorfeld stellte sich der 30-Jährige kurz vor. Seit Mitte Dezember lebt er mit seiner Frau in Amelunxen und hat es „keinen Tag bereut“. Es sei eine ganz bewusste Entscheidung für Beverungen gewesen. „Ich wollte unbedingt hierhin, kenne die Region aus meinem Studium“, berichtete er. Der Beverunger Stadtwald biete alles, was ein Försterherz begehrt, „und ich freue mich auf Jahrzehnte der guten Zusammenarbeit“.

Mathias Wolff war drei Jahrzehnte für den Stadtwald zuständig. Ihn hat Bürgermeister Hubertus Grimm am Donnerstag verabschiedet. Dazu begrüßte er seinen Vorgänger Christian Haase, Mathias Bernd und Roland Schockemöhle vom Regionalforstamt sowie die Ehefrauen Wolff und Erben.

„Aus Brombeeren kann man keine Dachlatten bauen“: Diese Zitat von Mathias Wolff sei charakteristisch für ihn, sagte Grimm. Er habe schon früh auf Diversität gesetzt, auf die richtige Mischung. „Es war sein Verdienst, dass er erkannt hat, was für unseren Wald entscheidend ist. Und er wäre nicht er, wenn er nicht auch gewusst hätte, mit der Situation der vergangenen drei Jahre umzugehen“, sagte Grimm. „Wir hätten uns keinen besseren Förster vorstellen können“, dankte der Bürgermeister Mathias Wolff auch im Namen von Christian Haase und Stadtkämmerer Martin Finke.

Mit „tollem Personal“ werde es in Beverungen weitergehen, sagte der Leiter des Regionalforstamtes Roland Schockemöhle. Und auch Mathias Wolff war voll des Lobes über seinen Nachfolger. „Wir kommen bestens zurecht, die Einarbeitung von Martin Erben macht richtig Spaß und ich bin mir sicher, dass er den Wald im Sinne der Stadt, aber auch in meinen, weiterführen wird.“

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