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Arbeitskreis Motorradlärm tagt online – Anwohner aus Lauenförde fordern Verbote, Motorradfahrer setzen auf Dialog

Landkreis prüft Tiroler Modell

Holzminden

Das Thema Motorradlärm beschäftigt den von Holzmindens Landrat Michael Schünemann ins Leben gerufenen Arbeitskreis weiter. In einer vom Landkreis anberaumten Videokonferenz diskutierten jetzt betroffene Anwohner mit Vertretern der Motorradinteressengruppen und Gastronomen, auch Polizei und der Landkreis selbst stellten noch einmal ihre Möglichkeiten vor.

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An einem Motorrad wird die Lautstärke gemessen. Geht es nach Heinrich Wenisch aus Lauenförde, dürften Maschinen mit mehr als 95 Dezibel nicht mehr fahren. Er möchte das „Tiroler Modell“ auch im Landkreis Holzminden. Foto: dpa

Ein Fahrverbot für besonders laute Zweiräder nach dem sogenannten Tiroler Modell soll juristisch geprüft werden, versprach der Landrat. Die Chancen, dass das auf kommunaler Ebene durchgesetzt werden könnte, werden allerdings von Seiten der Verwaltung als gering eingeschätzt.

Der persönliche Referent des Landrates, Volker Schauf, moderierte die Online-Veranstaltung und ließ eingangs zunächst noch einmal Revue passieren, was im letzten Jahr für Anstrengungen von Seiten der Behörden unternommen worden sind. Es habe diverse Treffen mit unterschiedlichen Interessengruppen und beteiligten Behörden gegeben, so Schauf. Und auch die Chancen für eventuelle Straßensperrungen waren bei einer weiteren Zusammenkunft mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr durchgesprochen worden. Aufgrund einschlägiger Gerichtsurteile andernorts sei eine Umsetzung aber nicht realistisch.

Während der Leiter des Polizeikommissariats Holzminden, Burkhard Schramm, noch einmal genauer erläuterte, was im letzten Jahr an Kontrollen gelaufen und auch für dieses Jahr wieder angedacht ist, brachte die Landkreisverwaltung noch einmal verstärkte Appelle über Banner und eventuell zusammen mit den Gemeinden gekauften Displays ins Spiel.

Stephan Pirone vom Lauenförder Gastronomiebetrieb Villa Löwenherz wiederum machte deutlich, dass auch er und seine Mitarbeitenden auf dem Hof Motorradfahrer ansprechen, wenn sie zu laut seien. Es sei allerdings nur ein kleiner Teil der Fahrer, für den eine solche Ansprache nötig sei. Michael Wilzynski vom Bundesverband der Motorradfahrer und Karin Karrasch von der Initiativgruppe Silent Biker berichteten darüber, wie sie über ihre Vernetzungen immer wieder Motorradfahrer ansprechen, die zu laut seien. Eine Vorgehensweise, der auch Sven Vogelsang von den Motorradfreunden Weserbergland einen ganz wesentlichen Stellenwert einräumte. „Wir Motorradfahrer erziehen uns untereinander selbst, das gehört für mich zu den besten Präventionsmaßnahmen“, unterstrich Vogelsang.

Eine solche Argumentation wollten die Anwohnervertreter, zu denen auch die beiden Lauenförder Edith Götz und Heinrich Wenisch gehören, nicht gelten lassen. Grundsätzlich sei das Problem keines, dass nur durch vereinzelte Fahrer mit besonders lauten Maschinen auftrete, sondern aufgrund der Masse der vorbeifahrenden Bikes am Wochenende. „Es sind nicht nur ein paar schwarze Schafe, es ist ein Massenphänomen“, meinte Heinrich Wenisch. Überdies sei es zu kurz gedacht, ökonomische Gründe für einen hinzunehmenden Motorradlärm ins Feld zu führen, unterstrich Boris Haut aus Reileifzen (Bevern). Er ist der Meinung, dass der Motorradtourismus einen sanften Tourismus verhindere und Einwohner so über kurz oder lang wegziehen würden. Einen positiven Effekt durch Motorradfahrer für den Landkreis gebe es deshalb aus seiner Sicht überhaupt nicht.

Die Forderungen der Protestierenden ging dann in unterschiedliche Richtungen. Edith Götz forderte vom Landkreis, Streckensperrungen als Pilotprojekt einzurichten – damit seien eventuelle juristische Klagemöglichkeiten erst einmal eingeschränkt. Heinrich Wenisch sprach sich für die Einführung des sogenannten Tiroler Modells aus, nach dem Maschinen, deren Standgeräusch einen Dezibelpegel von über 95 aufweisen, in dem österreichischen Bundesland schlichtweg nicht gefahren werden dürfen.

Der Argumentation Markus Renners aus Golmbach, dass es sich eben nicht nur um 300, sondern um mehr als 1000 vorbeifahrende Zweiräder am Wochenende handele, wäre damit allerdings wohl kaum Genüge getan. Weil über realistische Zahlen im Verlauf der Diskussion weiter Uneinigkeit herrschte, die aber andererseits für etwaige rechtssichere Maßnahmen zwingend notwendig sind, hat der Landkreis jetzt eine Zählung über einen längeren Zeitraum an einer Stelle vereinbart. Für eine weitere Zählung soll die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gewonnen werden. Und auch, ob das Tiroler Modell per Allgemeinverfügung im Landkreis rechtssicher einführbar ist, soll juristisch geprüft werden. Auf kommunaler Ebene so etwas durchzusetzen, scheine auf den ersten Blick jedoch fraglich, teilte die Kreisverwaltung mit.

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