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Von Launen keine Spur – Der April ist viel zu trocken

Mehr Sonnenschein als je zuvor

Beverungen-Drenke (WB). Im April zu trocken, an einem Dutzend Nächten Bodenfrost im März und ein nasser und stürmischer Februar. „Wetterfrosch“ Hermann-Josef Sander von der Wetterstation in Drenke blickt auf Temperaturen, Sonnenscheindauer und Niederschläge der vergangenen drei Monate.

Kaum ein Wölkchen am Himmel: Der April war im Verhältnis zwar zu trocken, die Betreiber von Photovoltaikanlagen dürfte das aber gefreut haben. Denn an der Wetterstation Drenke schien 317,4 Stunden die Sonne. So viel wie noch nie. Foto: dpa

April

Der April zeigte in diesem Jahr überhaupt nichts von seinen sprichwörtlichen Launen. Von Wechselhaftigkeit keine Spur. So präsentierte er sich tagsüber überwiegend sonnig und warm, nachts indes noch ziemlich frisch mit Luftfrost bis -3,7 Grad zu Beginn des Monats.

Insgesamt war es zu mild, denn die mittlere Monatstemperatur lag um +2,8 Grad über dem langjährigen Referenzwert.

Mit +22,1 Grad wurde die 20 Grad-Marke in diesem Jahr erstmals am 6. April geknackt (2014 bereits am 10. März. mit +20,4 Grad), und an acht weiteren Tagen betrug die jeweilige Höchsttemperatur ebenfalls mehr als +20 Grad (April 2007: 12 Tage, darunter vier Tage mit mehr als +25 Grad; mittlere Temperatur: +11,9 Grad).

Um rund 40 Prozent war es zu trocken. Das Niederschlagsdefizit fällt umso stärker ins Gewicht, wird berücksichtigt, dass etwa 70 Prozent des gesamten Monatsniederschlags sich auf nur einen einzigen Tag beschränkte. Es sei aber an den April 2007 erinnert, als insgesamt lediglich 3,7 Millimeter Niederschlag gefallen waren.

Mit 317,4 Sonnenscheinstunden (April 2007: 271,8 Stunden; April 2001: 84,6 Stunden) verzeichnete Drenke zugleich den bislang sonnenscheinreichsten April. Der langjährige Referenzwert für Nordrhein-Westfalen wurde somit um rund 115 Prozent überschritten.

Sollte daher die alte Bauernregel „Hat der April mehr Regen als Sonnenschein, so wird’s im Juni trocken sein“, auch in ihrem Umkehrschluss gelten – 2007 traf sie exakt zu –, müssen sich die Menschen im Kreis wohl auf einen nassen Juni gefasst machen – nach dem bisher auch ziemlich niederschlagsarmen Mai gewiss nicht nur von manchem Gartenbesitzer herbeigesehnt.

März

Der erste Frühlingsmonat in diesem Jahr war deutlich zweigeteilt: In den ersten beiden Dekaden herrschte eine feuchte und windige westliche Wetterlage, während in der letzten Monatsdekade eine trocken-kühle Nordostlage den Charakter der Witterung bestimmte.

Die mittlere Monatstemperatur von +5,5 Grad (März 2017: +7,7 Grad; März 2013: -0,5 Grad) überschritt den langjährigen Referenzwert um exakt +1,0 Grad.

Der differenzierte Blick auf die Temperaturen zeigt allerdings, dass es in den ersten beiden Dekaden mit einem Mittel von +6,6 Grad um +2,6 Grad zu mild, mit Beginn des kalendarischen Frühlings im letzten Monatsdrittel mit einem Durchschnittswert von nur +3,6 Grad hingegen um 0,4 Grad zu kühl war.

Die Nächte waren oft empfindlich kalt. Gab es in Drenke im März in 13 Nächten Bodenfrost zwischen -0,2 Grad und -6,2 Grad, konnten im Tal der Weser sogar 20 Nächte mit Tiefstwerten zwischen -0,1 Grad und -8,7 Grad verzeichnet werden. Beverungen hatte ferner insgesamt elf Nächte mit Luftfrost aufzuweisen, Drenke zehn, von denen allein neun in die letzte Dekade fielen.

Wurde 2014 bereits am 10. März die 20-Grad-Marke mit +20,4 Grad geknackt, blieb der Maximalwert im März dieses Jahres um +4 Grad deutlich darunter.

Die Niederschlagsmenge von 52,8 Millimeter (März 2001: 86,9 Millimeter; März 2011: 3,3 Millimeter) übertraf hingegen das vieljährige Soll, und zwar um rund 45 Prozent.

Die Zweiteilung des Monats ist auch hier deutlich: 50,6 Millimeter Niederschlag fielen in den ersten beiden Dekaden, 2,2 Millimeter in der letzten.

Die Zahl der Sonnenscheinstunden übertraf den langjährigen Durchschnittswert für Nordrhein-Westfalen, der bei etwa 91 Stunden liegt, um mehr als das Doppelte.

Februar

Eigentlich gilt der Februar noch als Hochwintermonat. Aber im Februar 2020 waren Kälte und Schnee Fehlanzeige. Nicht an einem einzigen Tag blieb die Maximaltemperatur unter 0 Grad.

Vielmehr überschritt die mittlere Monatstemperatur von +5,1 Grad das langjährige Mittel um +4,1 Grad. Damit war der vergangene Februar der bislang zweitwärmste an der Wetterstation Drenke. 2002 hatte die mittlere Temperatur +5,6 Grad (Februar 2012: -1,8 Grad) betragen.

Land- und Forstwirte freuten sich für die Böden: Mit 112,9 Millimeter Niederschlag war der Februar nämlich der bisher nasseste, und dieser Wert lag deutlich über dem vieljährigen Mittel von 37 Millimeter.

Mehrere Sturmtiefs überquerten unser Gebiet; zum Glück verliefen sie weniger dramatisch, als zuvor prognostiziert worden war: So kam Sturmtief „Sabine“ am 10. Februar auf eine Spitzen-Böe von „nur“ 92,6 Stundenkilometer, Sturmtief „Yulia“ am 23.02. auf 96,3 Stundenkilometer. Zum Vergleich: „Kyrill“ erreichte 2007 119 Stundenkilometer, „Niklas“ 2015 122 Stundenkilometer und „Friederike“ 2018 144,5 Stundenkilometer.

Die im Vergleich zum Februar 2018 und 2019 recht niedrige Zahl der Sonnenscheinstunden – sie lag um etwa 15 Prozent unter dem langjährigen NRW-Referenzwert – relativiert sich rasch, wird sie in Beziehung gesetzt zum Februar 2010, als die Sonne nur 28,1 Stunden geschienen hatte, oder auch zum Sommermonat Juli im Jahr 2000 mit nur 41,2 Stunden Sonnenschein.

Der Blick zurück auf den meteorologischen Winter (Dezember 2019 bis Februar 2020) beweist: Von einem klassischem Winter konnte überhaupt nicht gesprochen werden.

Er fiel im doppelten Sinn des Wortes ins Wasser, zumal er auch um 70 Prozent zu nass war. Es gab so gut wie keinen Schnee, und lediglich 21 Tage mit Frost (2012/2013: 86) sowie zwei Tage (2012/2013: 17) mit leichtem Dauerfrost wurden verzeichnet. Mit einem Mittel von +4,1 Grad (2006/2007: +4,5 Grad; 2009/2010: -1,4 Grad) war es um +3,1 Grad zu mild und damit der bisher zweitwärmste Winter, wobei der Dezember um +1,7 Grad, der Januar um +3,5 Grad und der Februar um +4,1 Grad zu warm ausfielen.

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