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Anlaufschwierigkeiten am Bastenberg, aber Bilanz 2019 versöhnt die Betreibergesellschaft

Stadtwerke verkaufen Windpark-Anteile

Beverungen (WB). Die bisher am Windpark Twerberg beteiligten Stadtwerke aus dem Kreis Höxter haben ihre Anteile an den Betreiber, die Trianel Onshore Windkraftwerke GmbH & Co. KG (TOW), verkauft. Die Stadtwerke Beverungen, Bad Driburg und Steinheim bleiben aber Gesellschafter der TOW und damit indirekt auch am Windpark beteiligt.

Alexandra Rüther

Die erwarteten Erträge konnte der Windpark Bastenberg (Twerberg) bisher nicht erwirtschaften. Foto: Alexandra Rüther

Das hat Dr. Nadja Thomas, Pressesprecherin von Trianel, jetzt auf Anfrage bestätigt. Sie betont in dem Zusammenhang, dass die BeSte Stadtwerke GmbH damit nichts zu tun habe. „Sie war weder an der Trianel Onshore Windkraftwerke GmbH noch am Windpark selbst beteiligt. Wir reden hier von den Stadtwerken der einzelnen Kommunen.“

Die TOW will durch Zusammenlegung des Windparks bei Drenke mit dem im Eisleben in Sachsen-Anhalt Kosten minimieren. „Die wirtschaftliche Betriebsführung wird dadurch günstiger“, so Dr. Thomas. Und um dieses gesellschaftsrechtlich zu ermöglich, hätten die bisher über diese Gesellschaft am Windpark beteiligten Stadtwerke aus dem Kreis Höxter ihre Anteile an TOW abgegeben.

2018 schwaches Windjahr

Der Windpark Twerberg, der bei seiner Eröffnung Anfang 2017 in Bastenberg umgetauft wurde, hatte keinen guten Start. Ursprünglich waren mal zwölf Anlagen geplant, später sieben, gebaut wurden nur fünf. „In der Bauphase gab es einige Verzögerungen. Und wenn ein Projekt später ans Netz geht als geplant, dann können auch die Erträge nicht so sein wie geplant“, erklärt Nadja Thomas.

2018 habe es dann insgesamt ein sehr schwaches Windjahr gegeben, so dass der Windpark hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. 2019 wiederum sei ein gutes Windjahr gewesen, so dass die Prognosen auch erfüllt worden seien. Die Erträge seien mittlerweile stabil und ausreichend für einen wirtschaftlichen Betrieb.

24 Millionen Euro waren in den Windpark investiert worden. NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte ihn am 1. Februar 2017 eröffnet, von Anfang an gab es aber auch viele Gegner der Anlagen – insbesondere aus Drenke und Ottbergen.

BeSte kein Anteilseigner

Auch Stefan Wagner-Schlee, Geschäftsführer der BeSte Stadtwerke GmbH, widerspricht Medienberichten, wonach die BeSte Stadtwerke ihre Anteile am Windpark verkauft habe. „Wir hatten nie welche“, sagt er.

Der neue Chef ist jetzt seit gut einem Jahr im Amt und „sehr guter Dinge“, dass der Geschäftsbericht 2019 ein positives Ergebnis ausweisen wird. Schon 2017 hatte die BeSte ein leichtes Plus gemacht, in den Jahren 2014 bis einschließlich 2016 allerdings ein Defizit von insgesamt 4,25 Millionen Euro.

Das ergibt sich aus den Bilanzen, die im „Bundesanzeiger“ öffentlich nachzulesen sind. „Wir sind dabei, das aufzuarbeiten, warum die Verluste so hoch waren. Mir war es zunächst erst einmal wichtig, die BeSte zu stabilisieren. Bei dieser Aufarbeitung müsse er selbst auch etwas „im Trüben fischen“, er sei erst seit 2018 dabei.

Fest steht, dass die BeSte ihre Jahresergebnisse sowohl für 2014 als auch 2016 korrigieren musste. Es war jeweils ein Plus von etwa 500.000 Euro prognostiziert worden, verbucht werden musste aber ein Minus von 1,24 beziehungsweise fast 1,6 Millionen Euro. Im Bundesanzeiger ist nachzulesen, was Wagner-Schlees Vorgänger, Interimsgeschäftsführer Stefan Grützmacher, im Geschäftsbericht 2016 geschrieben hat: „Aus einer optimistischen Erwartungshaltung sowie aus falschen Liquiditätsanalysen resultierte ein zu geringes Kostenbewusstsein und hohe Aufwendungen in allen Unternehmensbereichen.“

Personalkosten gestiegen

Unterjährige betriebswirtschaftliche Auswertungen seien nicht erstellt, ein internes Kontrollsystem nicht eingerichtet worden. Besonders die Personalkosten seien erheblich gestiegen gegenüber des Ansatzes im Wirtschaftsplan. Ein Grund: Wegen der Personalüberführung aus den Gesellschafterunternehmen zum 1. Januar 2015 sei die tarifvertragliche Bemessungsgrundlage für die meisten Mitarbeiter vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes in den Tarifvertrag für Versorgungsunternehmen gewechselt – mit Vergütungserhöhungen von vier bis acht Prozent.

„Zudem wirken zahlreiche Höhergruppierungen und Neueinstellungen sowie intensive Schulungsmaßnahmen deutlich erhöhend auf den für 2016 angesetzten Personalaufwand“, so Grützmacher in der Bilanz 2016. Bis der die Geschäftsführung übernahm, teilten sich seinen Posten vier Geschäftsführer. Ob das aus heutiger Sicht ein Fehler war?

„Das kann ich so nicht sagen, zumindest ist es eher ungewöhnlich für ein Unternehmen dieser Größe“, sagt der jetzige Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee. Die Vierfach-Besetzung sei aber sicher nicht der Hauptgrund gewesen für die Schieflage. „Ich denke eher, dass man Synergieeffekte nicht nutzen konnte in der kurzen Zeit“, so Wagner-Schlee. All das werde aufgearbeitet und dann auch veröffentlicht.

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