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SPD sieht Chancen auf Förderung einer nachhaltigen Bewirtschaftung

Waldflächen sich selbst überlassen

Beverungen

Die SPD in Beverungen wünscht sich einen „Bannwald“ und bittet die Verwaltung zu prüfen,

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Die SPD in Beverungen wünscht sich einen Bannwald, in den der Mensch nicht eingreift, wie hier bei Würgassen. Foto: Alexandra Rüther

Ebenso möchte die SPD prüfen lassen, ob diese Gebiete PEFC-zertifiziert werden können. PEFC steht für Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes und könnte eine Förderung für nachhaltige Waldbewirtschaftung möglich machen.

„Nach den Verwüstungen des Sturms Friederike gibt es im Stadtwald massiven Aufforstungsbedarf. Diese Tatsache könnte die Stadt Beverungen als Chance nutzen, um mit wenig zusätzlichem Aufwand besondere, auch touristisch interessante Naturräume auszuweisen“, schreibt die SPD in ihrem Antrag als Begründung.

Vor nicht langer Zeit habe der ehemalige Revierförster Mathias Wolff in seinem Waldbericht im Rat davon gesprochen, dass bestimmte Waldflächen auf Grund ihrer Struktur nicht mehr wirtschaftlich aufgeforstet werden könnten und sich selbst überlassen bleiben sollten. „Da es sich hierbei um relativ geringe Flächenanteile an der Gesamtwaldfläche handelt, sind langfristig keine Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Ergebnisse im Forst zu erwarten“, meinen die Sozialdemokraten.

Auch dem Klimaschutz will die SPD mit ihrem Antrag mehr Gewicht einräumen. „Diese Maßnahmen können dem Klimawandel auf regionaler Ebene entgegenwirken und Beverungen auch ökologisch voranbringen“, sagt Fraktionsvorsitzender Rolf-Dieter Crois. Eine finanzielle Förderung dieser Gebiete würde zudem die Folgekosten durch Sturm- und Borkenkäferschäden abmildern, so Crois weiter.

In der Sitzung am Donnerstagabend wird das Regionalforstamt Hochstift, mit dem die Stadt einen Betriebsleitungs- und Beförsterungsvertrag abgeschlossen hat, zu dieser Thematik ausführlich Stellung nehmen und Lösungsvorschläge präsentieren.

Bannwald

Als Bannwald wird Wald bezeichnet, der unter Schutz gestellt ist und in dem jegliche menschliche Eingriffe verboten sind. Die Erfüllung ökologischer Funktionen ist das Hauptziel, wenn Bannwälder ausgewiesen werden. Es sollen natürliche Waldlebensgemeinschaften erhalten bleiben beziehungsweise erst entstehen, denn im „Urwald von morgen“ findet eine Sukzession statt hin zum Urzustand, der vor dem Eingreifen des Menschen herrschte.

Hoher Totholzanteil

Ein wesentliches Charakteristikum der Bannwälder ist der hohe Totholzanteil, denn hier wird – anders als in Wirtschaftswäldern – kein Totholz beseitigt.

Zwei Ziele werden mit dem Belassen des Totholzes verfolgt: Erstens soll Lebensraum für die gefährdeten Totholzlebensgemeinschaften erhalten werden. Die Tiere nutzen das Holz als Nahrungsgrundlage, aber auch als Lebensraum und Nistplatz. Zweitens soll die Zersetzung des Totholzes vor Ort ungestörte Stoffkreisläufe ermöglichen. Das Totholz wird durch Destruenten in seine Grundbausteine zerlegt und gibt damit natürlichen Dünger frei. Dieser kann von den Pflanzen genutzt werden, die sich neu ansiedeln. Stirbt nämlich ein Baum ab, dann entsteht aufgrund des veränderten Lichteinfalls eine kleine Lichtung, in die junge Folgepflanzen einwandern können, man spricht von natürlicher Verjüngung. Unter den Bewohnern des Bannwaldes bilden sich Nahrungsketten aus, indem einer vom anderen lebt und seinerseits wiederum anderen Konsumenten zur Nahrung dient. Viele Nahrungsketten können miteinander verbunden sein zu einem Nahrungsnetz. Einen Blick in den „Urwald von morgen“ können Spaziergänger werfen, die dem „Holzweg“ von Würgassen zum Weser-Skywalk folgen. Totholz ist hier zum Teil schon wieder „sehr lebendig“, wurde es doch von Insekten oder anderen Tieren als neues Zuhause in Besitz genommen.

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