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Kein Strom, kein warmes Wasser: Studentin Pia Schilling berichtet von kuriosen Zuständen in Texas

Winter legt den wilden Westen lahm

Texas/Beverungen

Wenn in Beverungen 15 Zentimeter Schnee fallen und die Temperaturen auf minus zehn Grad sinken, geht das Leben mit ein paar kleinen Einschränkungen weiter. So kennt Pia Schilling das. Im US-Bundesstaat Texas läuft das anders.

Silvia Schonheim

Bis auf drei Grad ist die Wohnung abgekühlt: Pia Schilling wärmt ihre Hände am Gas-Herd. Foto: privat

Das für den südlichen Bundesstaat außergewöhnliche Winterwetter bringt die Stromversorgung zum Erliegen. Die Heizung fällt aus, die Wasserleitungen frieren ein, und in den Geschäften werden die Lebensmittel knapp.

„Wir hatten letzte Woche 80 Stunden lang keinen Strom“, sagt Pia Schilling, die zurzeit in Austin Medizin studiert. „Unsere Gasheizung benötigt Strom, also fiel auch das Heizen aus“, erzählt die 22-Jährige, die mit ihrem Freund im Osten der texanischen Hauptstadt in einem kleinen Haus wohnt. Warmes Wasser gab es auch nicht. Erst habe es keinen Strom zum Betreiben des Boilers gegeben, dann sei das Gerät durch die Minustemperaturen kaputt gegangen. „Katzenwäsche statt Dusche“ sei gerade angesagt. Lachen kann sie aber trotzdem noch: „Ich glaube, ich habe mir die Haare acht Tage nicht gewaschen.“

Zum Glück hatte das Paar – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen – aber überhaupt Wasser, „weil wir trotz anderslautender Anweisung unseren Wasserhahn immer langsam haben laufen lassen.“ Sogar Abkochen konnten die beiden das Wasser aus der Leitung. „Unseren Gasherd kann ich einfach mit dem Feuerzeug in Gang bringen“, berichtet Pia Schilling, die 2017 ihr Abitur am Gymnasium Beverungen abgelegt hat und seit Juli 2019 in Amerika studiert.

Ausgelöst wurde das Chaos von „leichtem Winterwetter“, wie Pia Schilling es beschreibt. Am Montagmorgen der vergangenen Woche fiel der Strom aus. „In den Wohnbezirken wurde der Strom abgestellt, damit die Krankenhäuser in der Innenstadt weiter versorgt werden konnten. Die Innenstadt war hell erleuchtet, während bei uns alles dunkel blieb“, berichtet die Medizinstudentin. Weil auch die Heizung ohne Strom nicht lief, wurde es im Haus kalt. „Etwa drei bis vier Grad hatten wir in der Wohnung. Wir sind dann rausgegangenen, um uns zu bewegen.“ Viele Menschen seien verzweifelt gewesen, weil die Trinkwasserversorgung ausfiel – und auch die Regale in den Geschäften seien leer gewesen. „Die Lebensmittel konnten nicht gekühlt werden und wurden entsorgt“, berichtet Pia Schilling. „Wir hatten zum Glück am Wochenende einen Großeinkauf gemacht, so dass wir genug Lebensmittel im Haus hatten.“

Langsam laufe das Leben in Texas wieder an. „Die Restaurants und Cafés öffnen wieder“, berichtet die Beverungerin. Die Hilfsbereitschaft untereinander sei groß, so gebe es Restaurants, die kostenlos Gerichte anbieten. Pia Schilling plant, dass sie im Sommer ihre Familie und Freunde in Beverungen besuchen kann – wenn es die Corona-Lage zulässt. „Mein Semester ist Ende Mai zu Ende. Dann möchte ich für drei Monate nach Hause kommen.“

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