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Dirk Wilhelm will „Sicherheitsgewinn“ als Argument nicht gelten lassen

BI fordert Planungsstopp für Würgassen

Beverungen

Als „substanzlos“ bezeichnet die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck die Reaktion der BGZ auf die Aussagen vom niedersächsischen Umweltminister Lies bezüglich des Ergebnisses des durch die Landesregierungen NRW und Niedersachsen in Auftrag gegebenen Gutachten zum zentralen Bereitstellungslager für das Endlager Schacht Konrad. Gründe für einen sofortigen Planungsstopp für den Standort Würgassen gebe es viele, sagt BI-Vorsitzender Dirk Wilhelm.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck e.V., Dirk Wilhelm, steht vor den schweren Eingangstoren des ehemaligen Kernkraftwerkes würgassen. Er bekräftigt jetzt die Forderung, die Planungen für den Standort sofot einzustellen. Foto: Harald Iding

In einer Sondersitzung des Umweltausschusses des niedersächsischen Landtags vom 30. Juni stellte Landesumweltminister Olaf Lies die ersten Ergebnisse des vom Land Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen beauftragten Gutachtens vor. Demnach ist das in Würgassen geplante zentrale Bereitstellungslager (ZBL) oder Logistikzentrum Konrad (LoK) für die Belieferung des Endlagers Konrad bei Salzgitter nicht notwendig.

Kein Sicherheitsgewinn

„Eilig reagierte die für das Bauvorhaben verantwortliche Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) auf die vom TÜV Nord erstellte Bewertung mit der These, ein Bereitstellungslager wäre ein Sicherheitsgewinn für alle, da die Einlagerungszeit um 10 Jahre verkürzt würde. Diese Annahme wurde bis dato weder sachlich noch fachlich untermauert“, sagt Wilhelm.

Zumindest der angebliche „Sicherheitsgewinn für alle“ treffe für die Einwohner im Dreiländereck definitiv nicht zu. Für eine Generation würden höhere Risiken unter deutlich schlechteren Sicherheitsbedingungen bei größeren Unfallgefahren im Vergleich zur Transportstudie Konrad 2009 in Kauf genommen, bemängelt Wilhelm. Die damalige Studie untersuchte die Strahlenbelastung von Personal und Anwohnern sowie mögliche Unfallgefahren im Rahmen der dezentralen Anlieferung an das Endlager. Laut BGZ sei diese Studie eins zu eins auf Würgassen übertragbar. „Mangels vergleichbarer Verkehrsinfrastruktur, einer völlig anderen Transportcharakteristik durch An- und Abtransport, sowie einem deutlich höheren Transportvolumen in kürzerer Zeit, ist hier eine Ableitung für den Standort Würgassen nicht belastbar“, meint dagegen die Bürgerinitiative.

Weithin sichtbar ist der Widerstand der Region gegen ein Zentrales Bereitstellungslager in Würgassen. Foto: Alexandra Rüther

Die BGZ zeige hier erneut wenig Sicherheitsbewusstsein und agiere wie bei vielen weiteren wichtigen Kriterien mit „substanzloserer Pauschalisierung“. Auch Olaf Lies moniere losgelöst von der Standortbetrachtung Würgassen, dass, abweichend zum genehmigten Planfeststellungsbeschluss durch den avisierten Zweischichtbetrieb, deutlich mehr Container pro Tag verarbeitet werden müssten. Dies führe auch zu höheren Belastungen der Region Salzgitter. Weiterhin relativiere der Minister die von der BGZ aufgeführte Zeitersparnis. „Sollte das Endlager Konrad nach inzwischen ca. 40 Jahren Verzögerung 2027 in Betrieb gehen, ist die Begründung einer eventuellen zehnjährigen Zeitersparnis durch ein zusätzliches Bereitstellungslager dürftig. Das kann unmöglich die Begründung sein“, zitiert Wilhelm den Umweltminister. Weiterhin erwarte der Minister von der BGZ konkrete Belege, dass die Errichtung eines ZBL/LoK nicht zu mehr Strahlenbelastungen beziehungsweise zu größeren Problemen führe. Das Gutachten habe aufgezeigt, dass es aus Sicht der Länder auch ohne Bereitstellungslager geht. Im Umkehrschluss müsse der Bund dann eine Notwendigkeit beweisen.

Sachliches Standortauswahlverfahren

„Die Aussagen des Ministers im Rahmen der Ausschusssitzung haben bereits aufhorchen lassen“, so Wilhelm. Die in Kürze stattfindende offizielle gemeinsame Veröffentlichung des Gutachtens durch die Landesregierungen als Auftraggeber werde sicherlich weiteres Licht ins Dunkel bringen. „Dass die Bewertung des TÜV Nord kaum positiv für das von Bundesumweltministerium und BGZ geplante Lager ausgehen wird, zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab.“ Daher bekräftigt die BI gegenüber Berlin ihre Forderung nach einem sofortigen Planungsstopp.

„Sollten die Verantwortlichen auf Basis dieser Faktenlage an der bisherigen Entscheidung festhalten, geht die BI davon aus, dass es sich nicht um ein Bereitstellungslager handelt, sondern faktisch um ein Bundeszwischenlager unter dem Deckmantel der Logistik. In diesem Falle fordern wir ein transparentes, sachliches und somit ordentliches Standortauswahlverfahren.“

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