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Rathaus-Chef in Corona-Zeiten: Nicolas Aisch zieht nach 100 Tagen als Bürgermeister von Borgentreich Bilanz

Arbeiten im Ausnahmezustand

Borgentreich

Vor etwas mehr als 100 Tagen hat Nicolas Aisch als Bürgermeister auf dem Chefsessel im Borgentreicher Rathaus Platz genommen. Auf dem Schreibtisch in seinem Büro hat Aisch ein Familienfoto aufgestellt. Es zeigt den Eissener mit Ehefrau Michaela und den beiden Kindern Matteo und Maximilian. „Ihre Unterstützung ist mir sehr wichtig“, sagt Aisch.

Ralf Benner

Nicolas Aisch fühlt sich im Borgenteicher Rathaus „gut angekommen“. Seit mehr als 100 Tagen ist der Eissener Bürgermeister der Orgelstadt. Foto: Ralf Benner

Hinter ihm hängt an der Wand seines Arbeitszimmers eine „Wörterwolke“, die dem Logo der Sekundarschule Borgentreich nachempfunden ist. Das Bild hat das neue Stadtoberhaupt zum Abschied bekommen, denn in der Sekundaschule ist Aisch als Lehrer (Mathematik, Deutsch, Sport, Informatik) für einige Jahre täglich ein- und ausgegangen.

Die Amtseinführung Anfang November vergangenen Jahres sei für ihn ein ganz besonderer Moment gewesen, markierte sie doch eine Neuorientierung seines beruflichen Lebens, erinnert sich Aisch. Immerhin hat er für den Berufswechsel nicht nur seinen Job als Lehrer, sondern auch das Beamtenverhältnis aufgegeben.

„Als Bürgermeister wird man nicht geboren. Ich musste mir viele Dinge erst erarbeiten – und muss es noch“, sagt das Stadtoberhaupt. Er sei aber gut im Borgentreicher Rathaus angekommen, zieht Aisch eine erste Bilanz nach 100 Tagen im Amt – „kein Tag davon unter normalen Bedingungen“, wie Aisch anmerkt.

Grund dafür ist natürlich die Corona-Pandemie. „Diese Ausnahmesituation darf nicht zur Normalität werden. Da muss man aufpassen“, sagt Aisch. „Corona bestimmt zwar nicht den Tagesablauf, erschwert ihn aber und schwingt immer mit“, beschreibt der Bürgermeister die aktuelle Situation im Behördenhaus. Die Digitalisierung des Rathauses und damit einhergehend auch das mobile Arbeiten rückten in Corona-Zeiten immer mehr in den Fokus.

Wegen Corona kämen die sozialen Kontakte, auf die man auch in der Arbeit im Rathaus angewiesen sei, allerdings zu kurz, bedauert Aisch. Er habe aber vollstes Vertrauen in seine Mitarbeiter und könne auf die Erfahrung des Teams auch in der Krise bauen. „Ich blicke grundsätzlich optimistisch in die Zukunft, man muss trotz Corona auch mal lachen können, wenn‘s sein muss auch mit Maske vor dem Gesicht“, beschreibt er seinen Umgang mit den Mitarbeitern im Behördenhaus.

Es warten auch ohne Corona-Pandemie und deren Folgen noch genug Herausforderungen auf das neue Stadtoberhaupt. Auf seiner Agenda hat Aisch etliche Themen: die Wirtschaftsförderung, die Organisation neuer Bauplätze in einigen Ortsteilen und im Stadtkern selber, die Digitalisierung des Rathauses, die Windkraft, die Düngeverordnung, die Erneuerung der Ortsmittelpunkte in Borgholz und Bühne, die dauerhafte Instandhaltung der Infrastruktur, die Wiederaufforstung der Wälder, der ÖPNV oder der Bau der Mehrzweckhalle und weitere Baumaßnahmen im Schulzentrum. Viel zu tun also.

Voller Tatendrang will Aisch diese Dinge nun angehen, „Lösungen suchen und finden“, wie er sagt. „Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Probleme lösen lassen, wenn man häufiger miteinander spricht“, stellt Aisch fest. Es sei daher wichtig, offen und ehrlich das Gespräch zu suchen – und die politische Diskussion in den Ausschüssen, die wegen Corona aus seiner Sicht aktuell leider etwas zu kurz kommt. „Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber die Diskussion sollte von Respekt und gutem Umgang geprägt sein, davon lebt unsere Demokratie,“ so Aisch. Er werde hier als Bürgermeister von Borgentreich mit gutem Beispiel vorangehen.

Ein offenes Ohr will Aisch auch für die Bürgerinnen und Bürger der Orgelstadt haben – am Telefon, per E-Mail oder persönlich. „Meine Tür steht jederzeit allen offen. Eine Bürgersprechstunde ist dafür nicht nötig.“

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