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Rat erteilt Abriss-Plänen des Autohauses Bodach das gemeindliche Einvernehmen – LWL befürwortet Unterschutzstellung

Historisches Wohnhaus soll weg

Borgentreich

Der mögliche Abriss eines historischen Wohnhauses im Ortskern von Borgentreich-Borgholz, das vielleicht schützenswert sein könnte und damit eigentlich in die Denkmalliste eingetragen werden müsste, hat am Dienstagabend in der Sitzung des Borgentreicher Rates die Gemüter erregt.

Ralf Benner

Dieses derzeit noch bewohnte Wohnhaus in der Straße Zum Burgtor 6 im Ortskern von Borgholz will das Autohaus Bodach abreißen lassen. Der Borgentreicher Rat hat dazu mehrheitlich das gemeindliche Einvernehmen erteilt und eine mögliche Denkmalwürdigkeit des historischen Gebäudes nicht anerkannt. Foto: August Wilhelms

Das Autohaus Bodach hatte eine Bauvoranfrage an die Stadt gestellt, um das Gebäude in der Straße Zum Burgtor 6 abreißen zu lassen. Eine weitere Bauvoranfrage des Unternehmens, dort anstelle des Wohnhauses eine PKW-Waschanlage zu errichten, hat das Autohaus wieder zurückgezogen.

LWL: Haus ist von Bedeutung

Der Rat fasste mit den Stimmen der CDU und UWB sowie der Stimme von Peter Wille (SPD) mehrheitlich den Beschluss, den Denkmalwert des Gebäudes nicht anzuerkennen und das gemeindliche Einvernehmen für den Abriss zu erteilen. 14 Ratsmitglieder, unter ihnen auch Bürgermeister Nicolas Aisch, stimmten mit Ja, zehn mit Nein und einer enthielt sich der Stimme.

Elvira Tewes, die Vertreterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt, hatte sich zuvor zum Denkmalwert des aktuell noch bewohnten Wohnhauses geäußert. Das Gebäude liege im alten Stadtgrundriss von Borgholz, führte sie aus. Tewes zitierte aus einer Stellungnahme der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Münster. Nach Angaben der LWL-Denkmalschützer besitzt das vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Wohn- und Wirtschaftsgebäude eine Bedeutung für die Geschichte der Menschen in Borgholz.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen laut LWL wissenschaftliche, hier insbesondere volkskundliche und bautechnikgeschichtliche Gründe vor. So vermittle das Querdielenhaus mit seinen vom Grundsatz her erhaltenen Strukturen einen Eindruck vom zeitgenössischen Leben und Wirtschaften unter einem Dach.

Wunsch nach „Güterabwägung“

Daher sei, so schreibt der LWL in seiner Stellungnahme, „von Seiten der Unteren Denkmalbehörde eine vorläufige Unterschutzstellung ins Auge zu fassen“. Die Behörde bezieht sich dabei auf den Paragrafen 4 des Denkmalschutzgesetzes.

Dieser besagt, dass ein Gebäude auf Anordnung der Unteren Denkmalbehörde vorläufig als eingetragen gilt, wenn damit zu rechnen ist, dass es als Denkmal in die Denkmalliste eingetragen wird. Die vorläufige Unterschutzstellung verliert allerdings ihre Wirksamkeit, wenn nicht innerhalb von sechs Monaten das Verfahren zur Eintragung in die Denkmalliste eingeleitet wird.

UWB-Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Wegener sprach sich mit klaren Worten für einen Abriss des Gebäudes aus. Es müsse hier „eine Güterabwägung“ zwischen der möglichen Denkmalwürdigkeit des Gebäudes und den Interessen des Autohauses vorgenommen werden, machte der Ortsvorsteher von Borgholz deutlich. In diesem Fall gehe es darum, die 25 Arbeitsplätze des Unternehmens zu erhalten und Bodach die Möglichkeit zu geben, sein Autohaus als Investition in die Zukunft zu erweitern. „Das muss man akzeptieren“, erklärte Wegener. Er stelle daher den Antrag, „das Gebäude zu entfernen“.

„Bude, die irgendwann umfällt“

Bernhard Tewes (CDU) pflichtete ihm bei und fand ebenfalls deutliche Worte: „Ganz egal, ob sie unter Schutz gestellt wird. Das bleibt eine alte Bude, die irgendwann umfällt.“ Einen Abriss des Hauses befürwortete auch CDU-Fraktionschef Alexander Otto: „Wir wollen darüber keine Käseglocke errichten.“ Es gehe jetzt darum, „Perspektiven zu schaffen“. Otto sieht bei den baulichen Mängeln des Gebäudes zudem die Gefahr, dass aus dem Haus dann irgendwann ein Leerstand werde, den so niemand wolle.

Peter Wille (SPD) sprach sich mit Blick auf die zukünftige städtebauliche Entwicklung in Borgen­treich ebenfalls dafür aus, das Wohnhaus abreißen zu lassen. Der Rat würde „ein falsches Signal senden“, wenn er den Abriss ablehne und damit einen Präzedenzfall für ähnliche Häuser in der Orgelstadt schaffe.

Dem widersprachen vehement andere Vertreter der SPD sowie von FDP und Bündnisgrünen. Das gemeindliche Einvernehmen für den Abriss zu erteilen, sei voreilig. „Es wäre fahrlässig, es jedem Eigentümer selbst zu überlassen, was er mit seinem Gebäude anstellt“, erklärten Christian Riepen und Lorenz Sökefeld von den Grünen übereinstimmend: „Dort wird später auch kein neues Wohnhaus entstehen, sondern eine PKW-Waschanlage.“ Und eine solche Waschanlage gehöre in ein Industriegebiet und nicht in den Borgholzer Ortskern, machten die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen deutlich.

Rat riskiert einen Konflikt

Jan Gerrit Möltgen (FDP) sprach sich dafür aus, dass Gebäude vorläufig unter Schutz zu stellen und seine Denkmalwürdigkeit zu prüfen. „Wir wissen noch zu wenig über das Gebäude, doch dafür gibt es Fachleute“, sagte der Liberale. SPD-Fraktionsvorsitzender Hubertus Eikenberg befürwortete ebenfalls eine vorläufige Unterschutzstellung. „Die Fachleute sollen entscheiden“, stellte er fest.

„Wir wollen den LWL in dieser Frage nicht übergehen“, machte Borgentreichs Bürgermeister Nicolas Aisch deutlich. Gleichwohl formulierte er den Beschlussvorschlag, den Denkmalwert des Gebäudes nicht anzuerkennen und das gemeindliche Einvernehmen für den Abriss zu erteilen. Diesem Antrag stimmte der Rat schließlich mehrheitlich zu.

Der Rat riskiert damit einen Konflikt mit dem LWL. Dieser ist nun am Zuge. Er wird von der Unteren Denkmalbehörde über die Entscheidung des Rates informiert und wird dazu eine Stellungnahme abgeben.

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