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Neue Düngeverordnung sieht Einschränkungen bei der Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen vor – Bauern verärgert

Rote Gebiete werfen viele Fragen auf

Borgentreich/Warburg

Große Teile Borgen­treichs sind zum roten Gebiet erklärt worden, auch Teile von Warburg und Willebadessen sind für Landwirte zur roten Zone erklärt worden. Das zeigen die Karten zur neuen Düngeverordnung, die das NRW-Umweltministerium zum Jahreswechsel veröffentlicht hat.

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Große Teile Borgen­treichs sind zum roten Gebiet erklärt worden, auch Teile von Warburg und Willebadessen werden für Landwirte zur roten Zone. Das zeigen die Karten zur neuen Düngeverordnung. Foto:

Die neuen Karten sorgen bei vielen Landwirten für mächtig Ärger. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) fordert mehr Transparenz sowie Lösungen für Betriebe.

Ein wesentliches Ziel der Düngeverordnung ist der Schutz des Grundwassers. „Auch wir Landwirte bekennen uns ganz klar zu diesem Ziel. Dazu gibt es keine Alternative“, stellt Antonius Tillmann, Kreisverbandsvorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, klar.

Damit das Grundwasser nicht mit Nitrat belastet wird, sieht die neue Düngeverordnung in den nitratsensiblen Gebieten eine Unterteilung in so genannte grüne und rote Gebiete vor.

Rote Gebiete, grüne Gebiete

In den roten Gebieten gelten künftig vor allem bei der bedarfsgerechten Düngung der Pflanzen strengere Regeln. Beispielsweise gibt es Einschränkungen bei der Herbstdüngung und auch die insgesamt erlaubte Menge an Nährstoffen, die der Pflanze zur Verfügung gestellt werden kann, wird stärker eingeschränkt als in den grünen Gebieten.

Diese Einschränkungen gelten zum Teil auch noch auf Flächen rund um Gehrden, Schmechten, Haarbrück, Bökendorf und teilweise Marienmünster.

„Man hat sich angeschaut, in welchen Grundwasserkörpern es Probleme mit hohen Nitratwerten im Grundwasser gibt. Dann hat man für diese Grundwasserkörper weitere Daten (Bodengüte, Bodenbeschaffenheit, Klimadaten etc.) hinzugezogen, die die Nitrataustragsgefährdung der Flächen bestimmen sollen. Und schließlich hat man aus dem Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer die durchschnittlich festgestellten Nährstoffsalden in den Gemeinden berücksichtigt“, erläutert der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, Stefan Berens, das Verfahren, bei dem bis zum 28. Februar noch Anpassungen vorgenommen werden sollen.

Ein bunter Flickenteppich

Herausgekommen ist nun ein bunter Flickenteppich, der sich über den ganzen Kreis Höxter erstreckt. „Für die betroffenen Landwirte und auch für uns ist es derzeit nicht möglich, konkret zu ermitteln, auf welcher Datengrundlage sich eine Fläche rot oder grün darstellt“, sagt WLV-Kreisgeschäftsführer Stefan Legge.

Zwar sei das Prinzip klar, die Daten, die in das Modell eingeflossen sind, seien aber nicht öffentlich. Deshalb hat der WLV das Ministerium aufgefordert, so schnell wie möglich transparent und nachvollziehbar zu begründen, warum einzelne Flächen als belastet ausgewiesen werden.

„Erst dann kann der betroffene Landwirt wirklich überprüfen, ob er zu Recht oder zu Unrecht von den Einschränkungen betroffen ist“, erklärt Legge. Auch der Zuschnitt der Grundwasserkörper, die Messstellen und die dort gemessenen Werte müssten nachvollziehbar und plausibel sein. „Das muss gegebenenfalls gutachterlich überprüft werden“, sagt Legge.

Eine Erklärung fehlt

Im Kreis Höxter gab es schon zuvor einzelne Messstellen mit erhöhten Nitratwerten. Zu Beginn des vergangenen Jahres führten die verbesserten Werte allerdings dazu, dass bis auf kleine Ausnahmen alle Flächen in den Status „grün“ wechselten. „Uns war bewusst, dass wir mit dem neuen Bewertungsverfahren auch neue ‚rote Gebiete‘ bekommen würden“, sagt Antonius Tillmann. „Leider fehlt bisher die detaillierte Erklärung, warum sie jetzt gerade dort verortet werden.“

Im Vergleich zu anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen werden im Kreis Höxter wenig Tiere pro Hektar landwirtschaftliche Fläche gehalten. Auch der überbetriebliche Einsatz von Gülle als Pflanzendünger macht keine Probleme, da viele Ackerbetriebe diese gut gebrauchen können. „Warum wir beispielsweise auf den besten Böden der Warburger Börde hier ein Problem haben sollen, wirft schon viele Fragen auf.“

WLV und Landwirtschaftskammer wollen Landwirten noch in diesem Monat weitere Infos in einer Online-Veranstaltung anbieten. Einladungen dazu werden in Kürze versandt, heißt es in einer Erklärung.

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