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Düngeverordnung gefährdet Abschluss der Flurbereinigung in Großeneder: Landwirte befürchten Nachteile

Rote Zonen werden zum Stolperstein

Borgentreich

Die Landwirte aus der Börde sehen „rot“: Wie berichtet, sind große Teile Borgen­treichs nach den Nitratkarten zur neuen Düngeverordnung, die das NRW-Umweltministerium jüngst veröffentlicht hat, zum roten Gebiet erklärt worden. Das ärgert die Landwirte, denn alle Bauern mit nun roten Flächen sind von den Auswirkungen betroffen. Auch die Teilnehmer der Flurbereinigung in Großeneder, die kurz vor dem Abschluss steht, befürchten Nachteile.

Ralf Benner

Im Zuge der Flurbereinigungen Großeneder werden aktuell neue Wirtschaftswege gebaut, etwa hier hinter einem Reiterhof am Ortseingang. Foto: Silvia Schonheim

In einem digitalen Fachgespräch zur Düngeverordnung, an dem aus dem Kreis Höxter unter anderen Kreislandwirt Heinrich Gabriel, Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter, und Borgentreichs Bürgermeister Nicolas Aisch teilnahmen, hat NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser nun angekündigt, sich persönlich die Probleme im Rahmen der Flurbereinigung anzuschauen. Sie bezeichnete die aktuelle Lage in Großeneder in der Videokonferenz als eine „Sondersituation“. Ziel müsse es sein, eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung zu finden, so die Ministerin.

Darauf hofft auch Bürgermeister Nicolas Aisch. „Es kann doch nicht sein, dass ein Pilotprojekt wie die Flurbereinigung nach so vielen Jahren der Vorbereitung und Umsetzung nun auf der Zielgeraden so ins Straucheln gerät“, sagt er. „Wir haben als Kommune ein sehr großes Interesse daran, jetzt zu einem runden Abschluss zu kommen.“

2011 war von der Bezirksregierung Detmold eine Flurbereinigung in Gro­ßeneder eingeleitet worden, um die „zersplitterte“ Feldflur auf einer Fläche von insgesamt 1400 Hektar neu zu ordnen. Im Zuge des Verfahrens war auch der Bachlauf der Eder am Ortsrand auf einer Länge von etwa zwei Kilometern renaturiert worden. Die Bauarbeiten zur Renaturierung des Baches wurden 2019 abgeschlossen.

Mitte 2021 will die Flurbereinigungsbehörde den 200 Teilnehmern nun eigentlich ihre neuen Flächen zuteilen. Dabei gilt der Grundsatz der wertgleichen Abfindung. Wie aber will man das umsetzen, wenn 60 Prozent der Fläche in Großeneder, die bis Ende 2020 komplett grün war, nun rot eingestuft ist und damit als nitratbelastet gilt? Das fragen sich die betroffenen Landwirte. Sie fordern nun eine Neubewertung. „Das aber könnte das Verfahren nochmals um Jahre verzögern“, sagt Bürgermeister Nicolas Aisch.

Das Stadtoberhaupt hat großes Verständnis für den Ärger der Landwirte. „Wer will schon eine rote Fläche haben oder seine grüne Fläche gegen eine rote eintauschen müssen?“, bringt er das Problem auf den Punkt.

Mit der Nitrat-Einstufung wollen sich die Landwirte in Großeneder nicht abfinden. Sie haben eine Anwaltskanzlei aus Rostock beauftragt, die Berechnungen des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) zu überprüfen. Die Bauern fordern Aufklärung, mehr Transparenz und ehrliche Antworten, erklärt Franz Engemann, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Großeneder. Das wurde auch bei der digitalen Konferenz mit NRW-Ministerin Heinen-Esser deutlich.

Allein eine Grundwasser- Messstelle, die seit Jahren erhöhte Nitratwerte aufweist und etwa acht Kilometer nordöstlich von Großeneder Richtungen Natzungen liegt, habe bei der Berechnung den Ausschlag gegeben, ärgert sich Engemann. Brunnen im Raum Borgentreich, aus denen gutes Trinkwasser gefördert werde, lägen zum Teil erheblich näher an Großen­eder als die belastete Messstelle. Sie seien bei der Erstellung der neuen Nitratkarte aber nicht berücksichtigt worden, führt Engemann an. „Das ist mehr als unglücklich“, stellt auch Bürgermeister Nicolas Aisch fest.

NRW-Ministerin Ursula Heinen-Esser hat im digitalen Fachgespräch angekündigt, die Messwerte-Problematik noch einmal genau zu betrachten und sich die fraglichen Werte nach Düsseldorf schicken zu lassen.

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