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Das Warburger Land zittert bei -20 Grad – Weiße Pracht bereitet Arbeit und Kopfzerbrechen

Wenn der Radlader Schnee räumt

Warburg/Willebade...

Die Kälte hat das Warburger Land weiter fest im Griff – und sorgt für Sorgen und Nöte. Die Schneemassen machen etwa der Feuerwehr und den Bauhöfen Probleme. Der strenge Frost wiederum hat auch schon Wasserleitungen platzen lassen.

Daniel Lüns

Mit einem Radlader wurde die Josef-Wirmer-Straße in Warburg am Mittwoch von den Schneemassen befreit. Foto: Daniel Lüns

Am Rand der Egge kam besonders viel Schnee herunter. Entsprechend mannstark reagiert Willebadessen auf die weiße Pracht. „Jeder, der laufen kann, und alles, was Räder hat, ist unterwegs“, fasst es Bürgermeister Norbert Hofnagel zusammen. Das 14-köpfige Bauhofteam räume seit Tagen in den Ortskernen Schnee, unterstützt auch von Hausmeistern und Externen. „Insgesamt mehr als 20 Personen.“

Das sei eigentlich Aufgabe der Straßenmeisterei: Die Stadt zahle Geld dafür, dass der Betrieb in den Stadtteilen, in denen eine Landesstraße die Ortsdurchfahrt sei, diese Straße mit räume. Da die Masse an Schnee aber so groß sei, sei auch der Bauhof beteiligt. „Auf einen halben Meter Schnee ist ja auch keiner mehr eingerichtet. Wann hatten wir das mal? Ende der 1970er-Jahre?“, sagt Hofnagel.

„Wir wissen auch nicht mehr, wohin damit“, schildert Hofnagel. Soweit dies möglich war, sei Schnee auf städtische Flächen gekippt worden. Aber auch die seien endlich. In anderen Städten sieht es ähnlich aus: In der Warburger Innenstadt zum Beispiel wurde die weiße Pracht gestern mit einem Radlader auf einen Lastwagen verladen und abtransportiert. Dafür wurden die betroffenen Straßen zeitweise gesperrt.

Der viele Schnee hat auch die Feuerwehr auf den Plan gerufen. In Natzungen zum Beispiel drohten die Massen am Montagmittag einen Behälter einer Biogasanlage einzudrücken – dann wäre das Gas Methan ausgetreten, das hoch entzündlich ist. Die Löschgruppen aus Natzungen und Borgholz rückten daraufhin aus.

Da der Untergrund um die Anlage nicht ausreichend befestigt war, kam der Einsatz einer Drehleiter nicht infrage, erklärt Sebastian Göke, Leiter der Feuerwehr Borgentreich. Kurzerhand organisierten die Helfer einen Teleskop-Kran, der die Feuerwehrleute mit einer Plattform zum Dach brachte. Zwei Tage brauchten die Ehrenamtlichen, um den Schnee händisch abzutragen – Schwerstarbeit, angesichts der Kälte. Zeitweise sankt das Thermometer in der Region auf -20 Grad.

Der Betreiber der Biogasanlage half mit einem Gebläse mit, um das Dach von Innen zu stützen. Je nach Wetterlage könnten sich solche Einsätze wiederholen, sagt Sebastian Göke. „Unter dem Pulverschnee entsteht eine Eisschicht. Und die macht das Ganze so schwer“, sagt er. Vor allem für Flachdächer könne das zum Problem werden.

„Wer Bedenken hat, ob sein Dach in Gefahr sein könnte, der sollte die Feuerwehr anrufen“, sagt Göke. „Ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen nicht regnet. Dann würde der Schnee noch schwerer. Und ich hoffe, dass es zu keinen Bränden kommt.“ Löschen bei Minusgraden – das sei wegen der Gefahr gefrierender Leitungen eine weitere große Herausforderung.

Im Borgentreicher Stadtgebiet sind durch den strengen Frost auch schon Wasserleitungen geplatzt. Daher geben die Stadtwerke Borgentreich Verhaltenstipps. Alle nicht benötigten Leitungen, etwa im Garten, sollten schnell geleert und abgesperrt werden. Gefährdete Leitungsteile, die nicht entleert werden können, sollten vor Frost geschützt werden, heißt es in der Mitteilung.

Seien solche Maßnahmen nicht möglich, könne das Einfrieren verhindert werden, indem am Ende des frostgefährdeten Teils der Leitungen dauerhaft Wasser entnommen wird. Das sei aber „ständig zu überwachen, da der Wasserverbrauch auf Rechnung des Abnehmers geht“, heißt es weiter. Für Frostschäden, die infolge Nichtbeachtens der notwendigen Schutzmaßnahmen eintreten, hafte der Abnehmer.

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