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KHWE verabschiedet Vincentinerinnen im St.-Antonius-Seniorenhaus

170-jährige Geschichte geht zu Ende

Brakel (WB). Die Vincentinerinnen haben nicht nur die Brakeler Stadtgeschichte und das caritative Leben der Gemeinde St. Michael maßgeblich geprägt. Auch mit der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) sind die Ordensschwestern jahrzehntelang eng verwoben gewesen.

Mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel im Garten des Seniorenhauses sagen die letzten Vincentinerinnen Brakel Lebewohl (von links): Pfarrer Volker Walle, Pastor Alexander Zamiara, Brakels Bürgermeister Hermann Temme, Beatrix Wottke, Schwester Cornelia, Christoph Pottmeier (Vorsitzender Gesellschafterversammlung), Diakon Klaus Lipka, Christian Jostes, Schwester Arnhilde, Franz-Josef Pollmann (Verwaltungsrat), Schwester Katharina, Schwester Sigrun, Marcel Giefers (Vorsitzender Verwaltungsrat), Monsignore Franz-Josef Hövelborn, Schwester Anselma und Pfarrer Willi Koch. Foto: KHWE

„Die Gemeinschaft im Seniorenhaus St. Antonius ist immer wie eine große Familie für uns gewesen“, sagt Schwester Sigrun, die Brakel nun nach mehr als 16 Jahren verlassen wird.

Das Herz weint

Pfarrer Willi Koch feierte den Abschied der Vincentinerinnen mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel im Garten des St.-Antonius-Seniorenhauses – natürlich mit dem notwendigen Abstand. Wie berichtet, wollten die beiden letzten Vincentinerinnen Schwester Anselma und Schwester Sigrun bereits im April ihren Ordensschwestern in den Kreis Paderborn ins Altenheim folgen. Doch dann wirbelte die Corona-Pandemie die Pläne der Schwestern durcheinander, und sie blieben länger als geplant ehrenamtlich in ihrer Wirkungsstätte im St.-Antonius-Seniorenhaus.

Leicht fällt Schwester Sigrun und Schwester Anselma der Abschied nicht. „Mein Kopf sagt, es ist jetzt soweit, wir haben das entsprechende Alter erreicht. Mein Herz weint“, sagt Schwester Sigrun, die vor allem das Leben mit den Bewohnern und Mitarbeitern des St.-Antonius-Seniorenhauses, aber auch die stets gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Willi Koch „schmerzlich vermissen“ wird.

Mehr als 40 Jahre lang war sie als Heilpädagogin tätig, bis sie sich für die Jugendarbeit zu alt fühlte und zur Krankenhausseelsorgerin umschulte. Nach einer Station auf Norderney wurde sie 2004 nach Brakel versetzt. Dort war die heute 80-Jährige vor allem als Koordinatorin der 40 ehrenamtlichen Heferinnen aktiv. Eine große Unterstützung im Umgang mit Bewohnern und Angehörigen waren ihre heilpraktische Erfahrung und gesprächstherapeutische Ausbildung. In den Wohngruppen bot sie Gedächtnistraining an. Wenn Schwester Sigrun die Zeit in Brakel Revue passieren lässt, denkt sie aber nicht nur gerne an die gelebte Gemeinschaft und die Arbeit im Seniorenhaus zurück. „Auch das Annenfest war für uns immer ein besonderes Ereignis“, sagt sie, „vor allem die Fahrten im Riesenrad mit Pfarrer Willi Koch haben uns immer besonders viel Spaß gemacht.“

Auch Schwester M. Anselma blickt ihrem Abschied mit einem lachenden und weinenden Auge entgegen. Sie kam 1989 vom Paderborner Mutterhaus als Küchenschwester nach Brakel. Noch heute nimmt die 84-Jährige zahlreiche Aufgaben im Seniorenhaus wahr: Unter anderem ist sie zuständig für die Kapelle, die Hochbeete im Garten und das Zeichnen der Wäsche.

Fenster als Erinnerung

Für Beatrix Wottke, Einrichtungsleiterin des St.-Antonius-Seniorenhauses, geht mit dem Abschied der Ordensschwestern ein Stück Tradition und Vertrautheit verloren. „Sie haben viel Arbeit abgefangen, vor allem am Wochenende. Viele Bewohner und Angehörige konnten jederzeit ihre Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen“, sagt sie. Wenn ein Bewohner im Sterben lag, haben die Schwestern ihn und seine Angehörigen seelsorgerisch betreut. Wottke: „Die Ordensschwestern hinterlassen eine große Lücke, und ich weiß noch nicht, wie wir diese füllen können. Ich glaube, erst wenn sie uns verlassen haben, wird uns allen noch stärker bewusst, was sie alles im Verborgenen geleistet haben. Sie werden uns sehr fehlen.“

Auch KHWE-Chef Christian Jostes bedauert den Abschied. „Anderthalb Jahrhunderte haben die Vincentinerinnen schließlich in Brakel, vor allem auch im St.-Antonius-Seniorenhaus, gewirkt und ihre Spuren hinterlassen“, sagt Jostes, der den Schwestern gemeinsam mit Pfarrer Willi Koch ein besonderes Geschenk überreicht: Zwei Kirchenfenster aus dem ehemaligen Landeshospital in Paderborn, an dem auch die Vincentinerinnen tätig waren, hängen nun an einer Außenwand des Seniorenhauses. Sie wurden restauriert, gerahmt und sollen künftig an die Ordensschwestern erinnern. „Denn niemals geht man so ganz“, sagte Jostes bei der Abschiedsveranstaltung.

Wenn Schwester Sigrun und Schwester M. Anselma Brakel in der kommenden Woche verlassen und in das Altenheim der Vincentinerinnen in Borchen ziehen werden, möchten sie vor allem eines: zur Ruhe kommen und sich entspannen. „Wir möchten uns allerdings nicht in den Liegestuhl legen und gar nichts tun. Das können wir nicht gut“, sagt Schwester Sigrun schmunzelnd. „Aufgaben gibt es auch dort genug. Wir lassen uns überraschen.“

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