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Brakeler Kapuzinerkirche vor 300 Jahren geweiht – Dankgottesdienst mit Bischof

Alles andere als schlicht

Brakel (WB). Sie sollte eine »schlichte« Kirche werden, so haben es die Kapuziner ihrem Armutsideal entsprechend gewollt. Der Paderborner Fürstbischof Franz Arnold von Metternich wollte aber etwas mehr. Herausgekommen ist die 1718 geweihte Kapuzinerkirche in Brakel, eine Mischung aus Schlichtheit und etwas Prunk.

Reinhold Budde

Die ehrenamtliche Küsterin Elisabeth Krollpfeifer stellt frische Blumen auf den Altar, an dem Weihbischof Matthias König an diesem Sonntag den Dankgottesdienst in der Kapuzinerkirche zelebrieren wird. Foto: Jürgen Köster

Das Erstlingswerk des Barockbaumeisters Johan Conrad Schlaun (1695 bis 1773) besticht auf den ersten Blick mit Schlichtheit. Erst bei genauerem Betrachten fallen Details auf, die mit »einfach« nichts zu tun haben. Schlaun gehörte zu den bedeutendsten Architekten des deutschen Barock. Und so ist in der Kapuzinerkirche an einigen Stellen seine besondere Handschrift zu erkennen. Deutlich ist dies zu sehen an dem barocken Eingang mit sehr aufwendigen Arbeiten über dem Eingangsportal. Dass dies keine »einfache« Kirche ist, sieht man auch an dem barocken Engel, der im Kircheninneren die Kanzel trägt. Diese und die beiden Seitenaltäre sind nur von dem ehemaligen Klosterkreuzgang aus erreichbar.

Geheimes Guckloch auf Kirchenbesucher

Der prächtige Hochaltar hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Vom Oratorium aus konnten die Mönche durch einen Durchlass – eine Art Guckloch – durch den Hochaltar auf das Allerheiligste und in den Innenraum der Kirche blicken – unbemerkt von den Kirchenbesuchern. Die Mönche durften den Gottesdienst nach ihrer Ordensregel nur von hier aus verfolgen.

Die beiden Seitenaltäre und der Predigtstuhl wurden nach Vorgaben Schlauns von Burchard Bruno Freiherr von Mengersen (Rheder) 1717 in Auftrag gegeben. Wappen am linken und am rechten Nebenaltar weisen auf die Stifter hin. Ansonsten handelt es sich um herkömmliche westfälische Bauweise: ein vierjochiger Saalbau mit eingezogenem, gerade geschlossenem Chor und nach Osten (hinter dem Altar) anschließendem Brüderchor.

Hochaltar von 1718

Dominierend in der Kapuzinerkirche ist der Hochaltar von 1718. Im Altarbild ist die »Portiunkula-Szene« dargestellt (Portiunkula: Kapelle bei Assisi, von den Benediktinern dem heiligen Franziskus übergeben, sein Lieblingsort und die Wiege seines Ordens). Das Bild zeigt Christus in Begleitung seiner Mutter, umgeben von Engeln. Christus erscheint dem heiligen Franziskus. Die Türen neben dem Hochaltar zeigen links den heiligen Petrus mit einem Schlüssel, rechts den heiligen Paulus. Fünf heilige Figuren an dem Wänden verzieren den Innenraum. Die Orgel stammt aus der Zeit um 1800. Trotz mehrerer Restaurierungen im 19. Jahrhundert hat sich die Orgeldisposition bis heute noch erhalten. Die jüngste umfassende Restaurierung erfolgte 1985.

Schlaun hat im Alter von 20 Jahren angefangen, die Kapuzinerkirche architektonisch zu planen und umzusetzen. Drei Jahre später war der Bau fertig. Neben der Pfarrkirche St. Katharina in Rheder und weiteren Kirchen hat Schlaun auch Schlösser, Klöster und Landhäuser gestaltet.

An diesem Sonntag wird das 300-jährige Bestehen der Kirche gefeiert. Um 10.30 Uhr beginnt ein Dankgottesdienst mit Weihbischof Matthias König.

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