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St. Bartholomäus-Schützenbruderschaft Istrup blickt auf 425-jährige Geschichte

Als der König noch in der Kutsche kam

Istrup (WB). Unter der Regentschaft von Dietmar und Marion Versen feiert die St. Bartholomäus-Schützenbruderschaft ihr Jubiläumsfest. Seit 425 Jahren gibt es in Istrup das Schützenwesen.

Jürgen Köster

Eines der ältesten noch existierenden Fotos aus der Geschichte der Schützenbruderschaft Istrup zeigt das Königspaar Johann Schiffel und Maria Kleine im Jahr 1937 in der damals mit Blumen gekränzten Kutsche. Foto: Schützenbruderschaft Istrup

»In den Unterlagen des bischöflichen Fürstentums Paderborn ist um 1590 in alten Rekrutierungslisten auch Istrup genannt. Zum spanisch-niederländischen Krieg mussten auch von den Orten Istorp, Reilsen, Erkelen, Hemsen, Breden, Bellersen, Bökendorff, Holthausen, Erwitzen, Entorff und Sommersell ein Fähnlein – gleichbedeutend mit etwa 300 Mann – und zwei Pferde – wenn möglich aus jedem Ort – gestellt werden«, nennt der Ortschronist Helmut Don eine der Quellen, aus denen die Gründung des Vereins hervorgeht. Sie sei – wie bei mehreren anderen Vereinen der Region – eng verbunden mit der Geschichte des Stifts Heerse, zu dem auch Istrup seelsorgerisch gehörte.

Ehrenurkunde

Die Bestätigung für das Gründungsjahr erhielt die Istruper Schützenbruderschaft zu Silvester 1981 in Form einer Ehrenurkunde des Bezirksverbandes Höxter der Historischen deutschen Schützenbruderschaften.

Darin heißt es wörtlich: »Der Schützenbruderschaft St. Bartholomäus Heimatort Istrup wird nach jahrelangem Bemühen um die Feststellung eines genauen Gründungsdatums bestätigt, dass in Anlehnung an die Gründung der Bruderschaften von »Heerse«, somit Altenheerse, Kühlen, Neuenheerse, die eigene Gründung auf das Jahr 1593 festgelegt wird. Nach umfangreicher Aktendurchsicht steht fest, dass Istrup im Hochstift Paderborn in der Seelsorge von Neuenheerse aus betreut wurde. Zwar kann das Schützenwesen nicht mit der Errichtung von Pfarreien in Verbindung gebracht werden. Es ist jedoch begründet, anzunehmen, dass aus der Not im 16. Jahrhundert alle vorhandenen Kräfte gegen die Ausbeuter unserer Heimat eingesetzt wurden.«

Diese maßgebliche Urkunde ist unterzeichnet vom langjährigen Bezirksbundesmeister Johannes Hüls, der dem Ort auch beruflich über viele Jahre eng verbunden war.

Erster König Wilhelm Kleine

Erst um 1800 sei der Vorläufer des heutigen Vereins wohl entstanden, vermutet Don. Der erste König des Ortes sei Wilhelm Kleine gewesen. Im Jahr 1845 habe dieser sich die Königswürde erschossen. Der Zweit- und Drittplatzierte des Wettbewerbes seien die Königsbegleiter geworden.

Die Frauen seien bei den Schützenfesten erst viele Jahre später ins Spiel gekommen. Laut Don habe es im Jahr 1936 erstmals eine Königin und Hofdamen gegeben. Die Schützen hätten damals noch keine Uniformen getragen, sondern einen Anzug, die Frauen hätten ein schönes Kleid angezogen.

»Der Blumenstrauß war meist selbst gepflückt«, berichtet der Ortschronist beim Sichten der historischen Bilder. Eines der ältesten Fotos stammt aus dem Jahr 1937. Damals fuhr der König sogar in einer blumenbekränzten Kutsche vor. Johann Schiffel und Maria Kleine saßen zusammen mit der Frau des Königs und Anna Lohre in dem von zwei Pferden gezogenen Gefährt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus seien die Schützenbruderschaften quasi verschwunden. »Sie gingen im Heimatschutzbund auf, auch Schützenfeste gab es nicht«, berichtet Don.

Tische an der Bundesstraße

Erst im Jahr 1947 sei der Istruper Verein wieder offiziell als Schützenbruderschaft geführt worden. Gefeiert worden sei an der Hauptstraße, der damaligen Bundesstraße 64. »Bei Piepers wurden Tische und Bänke aufgestellt, über die die Feiernden klettern mussten«, weiß Don.

Ähnlich wie heute noch im Nachbardorf Riesel bei der Polonaise, sei das natürlich mit dem ein oder anderen Getränk verbunden gewesen. Aus dem Hause Pieper stammt auch Franziska Pieper. Sie war 1951 Schützenkönigin zusammen mit Heinrich Stroop. Sie stehe zwar kurz vor ihrem 90. Geburtstag, nehme aber immer noch sehr interessiert am Geschehen der Schützenbruderschaft teil, berichtet Helmut Don, der nicht nur Ortschronist des Dorfes ist, sondern auch Ehrenoberst des Jubiläumsvereins, der an diesem Wochenende zwei Ehrenplaketten erhalten wird.

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