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Stadt und Katholische Kirche würdigen Engagement der Flüchtlingshilfe

Dank an Ehrenamtliche: Brakel schafft das

Brakel (WB). Es ist eine Stunde der lobenden Worte, die am Freitagnachmittag im Sitzungssaal des Rathauses gehalten wird. Pfarrer Willi Koch hat eingeladen, um das Engagement der Flüchtlingshilfe in der Stadt Brakel zu würdigen und einen direkten Austausch auch mit Dr. Thomas Witt, Domkapitular und Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, zu ermöglichen.

Ellen Waldeyer

Nur wenige in der Flüchtlingshilfe aktive Bürgerinnen und Bürger konnten aufgrund der Corona-Regelungen kommen, um den herzlichen Dank von Pfarrer Willi Koch (links), Bürgermeister Hermann Temme (Mitte) und von dem Flüchtlingsbeauftragten des Erzbistums Paderborn, Dr. Thomas Witt, entgegenzunehmen. Die Sozialarbeiterinnen Jana Snitko (links vorne) und Marion Benzait (rechts vorne) zeigten eine Präsentation und berichteten von ihrer Arbeit. Fotos: Ellen Waldeyer Foto:

Arbeit mehr im Verborgenen

Die Flüchtlingskrise 2015 ist fester Bestandteil der Zeitgeschichte – auch für den Kreis Höxter. Die berühmten Worte der Kanzlerin („Wir schaffen das“) sind vermutlich allen im Gedächtnis geblieben. Doch nach den Jahren 2015/2016, in denen zahlreiche Menschen Zuflucht in Deutschland – und auch dem Kreis Höxter und der Stadt Brakel – gesucht haben, hat sich die Arbeit nun fünf Jahre später nicht einfach so aufgelöst. Sie ist immer noch präsent und wichtig. Das Engagement findet nur etwas mehr im Verborgenen statt. Die Corona-Krise überschattet viele wichtige Themen, so auch die aktuelle Flüchtlingslage in Brakel und die intensive Arbeit mit und für die Geflüchteten.

Um die wichtige Arbeit von Ehrenamtlichen und professionellen Instanzen ins Licht zu rücken, hat Pfarrer Willi Koch in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen und die Anwesenden mit kleinen Präsenten überrascht. „Wir wissen, welche großartige Arbeit Sie leisten, dafür möchten wir Ihnen ganz herzlich danken“, sagt der Geistliche und blickt lächelnd in die kleine Runde, die aufgrund der Pandemie und der gegebenen Abstandsregelungen reduziert ausfällt. „Sie lassen sich nicht aufhalten und Sie geben den Geflüchteten das Gefühl, nicht allein dazustehen“, erklärt er freudig.

Die Flüchtlingshilfe in Brakel setzt sich zusammen aus der Caritas, der ökumenischen Flüchtlingshilfe und der Stadt Brakel. In einzelnen Teams kümmern sich die Ehrenamtlichen und Sozialarbeiter um spezifische Themen wie das Wohnen, die Betreuung, die Bildung, Freizeit, Sport und vieles Weitere. So stehen den Geflüchteten Ansprechpartner in jeder Lebenslage zur Verfügung. Immer wieder betonen alle Beteiligten das hervorragende Miteinander, die gute Zusammenarbeit sowie die gelingende Organisation innerhalb der Flüchtlingshilfe.

Derzeit zählt die Stadt Brakel 305 Geflüchtete, von denen über 30 Prozent unter 18 Jahre alt sind. Insgesamt sind es sogar rund 80 Prozent, die das 34. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. „Diese jungen Menschen möchten ihre Zukunft hier aufbauen und bringen großes Potential mit“, sagt Sozialarbeiterin Marion Benzait. Bezüglich der Herkunft lassen sich einige Länder aufzählen, die Mehrheit von einem Drittel kommt aus Syrien. 17 Prozent der Geflüchteten stammen aus dem Irak und zehn Prozent aus Eritrea. Besonders erfreulich seien die Daten im Hinblick auf Beruf und Bildung, denn durch die Flüchtlingshilfe ist das Erlernen der deutschen Sprache ermöglicht und somit ein Sprungbrett für das Berufsleben geschaffen worden. Zahlreiche Geflüchtete befinden sich in Arbeitsverhältnissen, absolvieren eine Lehre oder erlangen aktuell das Fachabitur oder einen anderen Schulabschluss .

Menschen begleiten

Bürgermeister Hermann Temme bedankt sich ebenfalls bei den Engagierten der Flüchtlingshilfe. „Angela Merkel hat 2015 gesagt ‚Wir schaffen das‘, und ich denke, dass wir genau das hier in Brakel vorweisen können. Sie hat Recht behalten“, erklärt das Stadtoberhaupt. Auch Dr. Thomas Witt, Domkapitular und Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, lobt die Organisation und das Engagement in Brakel. „Es ist eine Herausforderung, in der Anfangszeit eine Bleibe für die vielen Menschen zu finden, aber noch schwieriger ist es, dranzubleiben und die Menschen auf ihrem Lebensweg in allen Problemlagen zu begleiten“, meint der 53-Jährige. Er vertritt ebenfalls die Meinung, dass Flüchtlingshilfe auf dem Land, wo sich alle kennen, einfacher sein könne als in der Stadt. „Das, was Sie bei ihrer Arbeit erleben, ist eines der Grundgesetze des Christentums und des gesamten menschlichen Lebens. Es ist zwar viel Arbeit, die Sie betreiben, dafür empfangen Sie auch viel Gutes.“

Austausch möglich

Die Teilnehmer konnten sich zudem an diesem Nachmittag untereinander über aktuelle Themen austauschen sowie Denkanstöße und Dank an das Erzbistum ausrichten. Die Veranstaltung endete mit einem gemeinsamen Gebet und dem Segen, den Pfarrer Willi Koch spendete.

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