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200 Helfer unterstützen Bevölkerung – Von heute an werden Gräben ausgebaggert

Erkeln besenrein übergeben

Brakel-Erkeln (WB). Bislang haben sie sich in erster Linie zum Feiern getroffen, jetzt waren die Niesener Jungschützen Andreas Fricke, Steffen Sake, Sebastian Genau, Jan-Niklas Sickes, Simon Henze und Andreas Göke zum Helfen nach Erkeln gekommen. Mit den Erkelnern verbindet sie eine langjährige Freundschaft, die den Namen Okkupanten-Bewegung Erkeln-Niesen trägt. Doch die sechs jungen Männer waren bei weitem nicht die einzigen, die sich engagierten.

Frank Spiegel

Simon Kleibrink (links) hat die Helfer am Samstagmorgen begrüßt. Ziel war es, dass die Erkelner am Abend wieder saubere Straßen und öffentliche Flächen haben. In mehreren Gruppen sind sie losgezogen, um dieses zu erreichen Foto: Frank Spiegel

100 Männer und Frauen waren dem Aufruf von Bürgermeister Hermann Temme gefolgt und wollten ihren Beitrag dazu leisten, dass die letzten Spuren der Schlammlawine vom Dienstagabend verschwinden. Hinzu kamen diejenigen, die Verwandten oder Freunden helfen wollten, sich aber nicht in die Listen der Helfer eingetragen hatten.

Das von Abschnittsleiter Simon Kleibrink am Morgen ausgegebene Ziel war, dass die Menschen in Erkeln »am Samstagabend wieder in das normale Leben starten können.« Die Erkelner seien deshalb dankbar, dass so viele Menschen gekommen seien, um ihnen zu helfen. Und es ist gelungen: Um 19 Uhr konnten die freiwilligen Helfer und die Mitglieder der Hilfsorganisationen den Ort quasi besenrein an die Bevölkerung übergeben.

Zurück ins normale Leben

Vier Gruppen hatten sich am Morgen auf den Weg gemacht, um in allen Straßen Schächte zu ziehen. Das heißt, Gullydeckel wurden aufgenommen und die dicke Schlammschicht entfernt, damit das Wasser dort wieder abfließen kann.

Andere Freiwillige machten sich bei Privatleuten nützlich, halfen zum Beispiel beim Ausräumen von Kellern oder Herrichten von Außengelände.

»Der Aufruf in den Medien hat dazu beigetragen, dass ich gekommen bin. Normalerweise hätte ich gedacht, da brauchst Du nicht hin, da stehst Du nur im Weg. Aber wenn so ein Aufruf kommt, hat man sich ja etwas dabei gedacht«, erklärte Michael Wüllrich aus Hembsen.

Hubertus Sander, ebenfalls aus Hembsen, wollte insbesondere den vielen älteren Menschen im Ort helfen. Er hätte am Samstagmorgen an sich einen beruflichen Termin gehabt, den hat er kurzerhand abgesagt.

»Man kann ja froh sein, dass es in Brakel so gut wie gar keine Schäden gab. Daher komme ich gern und helfe hier den Betroffenen . Wenn so etwas bei uns passieren würde, würde man sich ja auch freuen, wenn Hilfe käme«, erläuterte Johannes Oesselke aus Brakel seine Motivation. »Das sind Ausmaße und Dimensionen, die kennt man nicht bei uns. Da muss man helfen«, ergänzte Janik Kloss.

Geholfen wurde ebenfalls mit Naturalien. Der Real-Markt in Brakel spendete Brötchen, Goeken Backen ebenfalls und gab auch noch Gebäck dazu. Vom Jibi gab es Mett, die Brauerei Rheder brachte Kistenweise Getränke vorbei. Am Freitagabend hatte das Restaurant Löseke das Essen spendiert.

»Und dann gab es noch einen Mann aus Boffzen, der bedauerte, selbst nicht zum Helfen kommen zu könne. Der hat zehn Kisten Wasser und fünf Kisten Bier für die Helfer bestellt. Die Rechnung soll an seine Adresse geschickt werden«, berichtete Carla Drewes, Sprecherin der Stadt Brakel..

Neben den freiwilligen Helfern waren auch die ebenfalls ehrenamtlich tätigen Profis von Feuerwehr, DLRG und THW vor Ort. 100 Einsatzkräfte waren dies.

Die katholische Frauengemeinschaft Erkeln kümmerte sich um das Essen für die Helfer, die dem Aufruf gefolgt waren. Die Hilfsorganisationen wurden vom Deutschen Roten Kreuz aus Bad Driburg und Brakel versorgt,

Um 19 Uhr waren alle öffentlichen Flächen vom Schlamm befreit und begehbar. »Alle Häuser, die gereinigt werden sollten, sind gereinigt«, sagte Sven Heinemann, Leiter der Feuerwehr. Das Entsorgen des Unrates auf Grundstücken sei Sache der Eigentümer.

Am Sonntag stand lediglich noch die Reinigung des Kanalnetzes an. Das erledigte ein Saugwagen.

1500 Tonnen Schlamm

Insgesamt 36 Container sind seit Mittwoch gefüllt worden, die letzten werden heute abgeholt. 1500 Tonnen Schlamm wurden abtransportiert. Von heute an wird der Bauhof in und um Erkeln Gräben ausbaggern und Erdschichten abgraben. Die andere Ortschaften, die betroffen waren, folgen.

»Die Helfer waren hoch motiviert und haben eine beeindruckende Einsatzbereitschaft gezeigt, die man nicht hoch genug anrechnen kann«, lobte Fachbereichsleiter Norbert Loermann.

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