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Zwölf Bienenvölker aus dem Kreis Höxter ergänzen Artenvielfalt in einzigartiger Landschaft

Es summt und brummt im Hutewald

Lauenförde (WB). Frisch verliebt genießt man mit seinem neuen Schwarm die Sonne – das weckt Frühlingsgefühle. Besonders glücklich können sich die Verantwortlichen der Niedersächsischen Landesforsten schätzen, denn sie haben gleich mehrere neue Schwärme – zwölf Bienenvölker besiedeln seit Donnerstag den Hutewald im Solling nahe Lauenförde. Es scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein.

Dennis Pape

Berufsimker Oswald Hensel hat die Bienen im Hutewald angesiedelt. „Wir hoffen auf schönen Blatthonig. In sechs bis acht Wochen könnte es schon so weit sein“, sagt er. Foto: Dennis Pape

600.000 neue Bewohner

Ein lichter Wald mit knorrigen alten Eichen, dazwischen offene Weideflächen, die von naturnahen Bächen durchzogen sind. Frühmorgens ziehen dichte Nebelschwaden durch das Tal, beeindruckend wechseln die urtümlichen Heckrinder und Exmoorponys ihre Weidegründe. Das überregional bedeutende Hutewald-Projekt der Niedersächsischen Landesforsten ist ein besonderes Highlight im Naturpark Solling-Vogler und hat auf einen Schlag am Donnerstag gleich 600.000 neue Bewohner dazubekommen – denn etwa so viele Honigbienen gehören zu den Völkern, die Ulrike Lahmann-Hensel und Oswald Hensel von der Imkerei Hensel aus Bellersen im deutschlandweit einzigartigen Waldareal angesiedelt haben.

Förster Tobias Kiens – er kommt ursprünglich aus Fölsen – nahm die neuen Bewohner zusammen mit Beweidungsmanager Holger Schwerdtfeger persönlich in Empfang und hofft auf einen ganz besonderen Bioland-Honig von der offenen Waldweide-Landschaft. „Ich freue mich sehr über diese Kooperation – nicht nur, weil ich Honig liebe“, sagte Kiens mit einem Augenzwinkern und erläuterte: „Durch den Einfluss der Weidetiere haben sich im Hutewald seltenen Pflanzen- und Tierarten angesiedelt, die langfristig von der Bestäubung durch Bienen profitieren sollen. Farbenprächtige Pflanzen wie Deutscher Ginster, Heidekraut oder Weidenröschen prägen derzeit das Gebiet und sind Nahrungslieferanten der Honigbienen.“ Michael Rudolph, Sprecher der Landesforsten, bezeichnete die blühenden Landschaften mit ihrer Artenvielfalt als ein „Paradies für Insekten“.

Zur Förderung der Ansiedlung von Wildbienen

Auch Imker Oswald Hensel freute sich sichtlich über die Zusammenarbeit und wagte bereits einen Blick in die Zukunft: „Langfristig soll die jetzt beginnende Bienenweide die Ansiedlung von Wildbienen fördern“, meinte er. Seine Frau erläuterte im Gespräch mit dem WB: „Wilde Bienen gibt es bereits seit 50 Millionen Jahren in den Wäldern, doch leider fehlen heute Nistgelegenheiten. Hier gibt es aber gute Bedingungen und da die Honigbiene auch noch 80 Prozent aller Blütenpflanzen bestäubt, können davon auch die Wildbienen profitieren.“

Bienen hätten grundsätzlich einen Radius von bis zu fünf Kilometern, im Hutewald müssten sie jedoch gar nicht so weit fliegen, meinte Oswald Hensel – und das, obwohl sie für ein Glas Honig etwa zweieinhalb bis vier Millionen Blüten bräuchten. „Wir hoffen auf schönen Blatthonig. In sechs bis acht Wochen könnte es schon so weit sein“, sagte der Berufsimker, dessen Sohn den Betrieb bald in dritter Generation übernehmen wird. 400 Völker der Imkerei Hensel aus Bellersen überwintern im Kreis Höxter, während der Blüte sind sie in verschiedenen Regionen unterwegs.

Laut Förster Tobias Kiens seien einige Wiesen rund um das Gebiet der Landesforsten verpachtet – immer mit der Prämisse „ohne Dünger, aber mit Artenreichtum“. In der Heide breiteten sich außerdem einige Reliktarten aus. „Samen vieler Arten bleiben über Jahrzehnte im Boden. Die Tiere sorgen durch ihren Tritt für Keimgelegenheiten“, erklärte er.

Nach Angaben von Beweidungsmanager Holger Schwerdtfeger gibt es derzeit auf 220 Hektar (inklusive der neuen Hute mit 44 Hektar) etwa jeweils 40 Exmoorponys und Heckrinder, die sich auf dem Areal frei bewegen könnten. Der Hutewald sei ein echtes Relikt und ein Schaufenster in das Mittelalter.

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