1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Brakel
  6. >
  7. Geschäfte müssen schnell öffnen

  8. >

Videokonferenz mit dem Werbering Brakel und MdL Matthias Goeken sowie MdB Christian Haase

Geschäfte müssen schnell öffnen

Brakel (WB/rebu)

In einer gut eineinhalb Stunde langen Videokonferenz hat der Vorstand des Werberings Brakel mit den beiden Abgeordneten Matthias Goeken, MdL sowie Christian Haase, MdB, diskutiert.

wn

Die Teilnehmer der Videokonferenz mit MdL Matthias Goeken und MdL Christian Haase. Foto: Werbering Brakel

Es besteht bei allen Gesprächspartnern Einigkeit darin, dass die Corona-Pandemie für alle eine große Herausforderung ist, und sich alle gegenseitig vor der Krankheit schützen müssen.

Dem Vorstand des Brakeler Werberings reicht es aber nicht mehr, klaglos alle Einschränkungen zu ertragen. Bereits seit zwei Monaten sorgt der zweite Lockdown bei den Einzelhändlern für geschlossene Türen und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Es müssen Perspektiven geschaffen werden und zumindest die angekündigten Hilfen umgesetzt werden.

Die Glaubwürdigkeit der Politik sei dahin, so die Geschäftsleute. Dennoch suchten die Unternehmensvertreter das Gespräch mit den beiden gewählten Abgeordneten, um auf die Schieflage der Situation aufmerksam zu machen. Der Werbering Brakel fordert ein verantwortbares baldiges Ende des sogenannten Lockdowns, sodass Handel, Dienstleister und Gastronomie den Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen können. Entsprechende Hygiene-Konzepte und AHA-Regel könnten problemlos umgesetzt werden.

In der ersten Lockdown-Phase wurden Reserven, sofern überhaupt vorhanden, weitestgehend aufgebraucht, immerhin gab es die Soforthilfe, die recht schnell und unbürokratisch geholfen hat. Nichtsdestotrotz haben viele Einzelunternehmer nicht ausreichend Hilfe bekommen und mussten auch private Hilfen aus dem Familien- oder Freundeskreis annehmen oder Altersvorsorge liquidieren. 2020 musste der Einzelhandel bereits acht Wochen schließen, die Gastronomie noch viel länger. Die Veranstaltungsbranche liegt völlig am Boden und ist quasi im Dauer-Lockdown.

Es gäbe keine Soforthilfe, sagten die Vorstandsmitglieder des Werberings. Durch den Wegfall von 1/6 der Jahresumsätze im Einzelhandel 2020 fehlt jegliches Polster. Reserven, die zu liquidierende Altersvorsorgen und Familienhilfen gedacht waren, wären aufgebraucht. Die Bedingungen, die zur Antragstellung von Hilfen gestellt werden, seien kompliziert, kaum erfüllbar, realitätsfern und nicht zielführend. Und die Überbrückungshilfe III kann noch gar nicht beantragt werden. Wenn der Prozess genauso langwierig sei wie bei den Vorgängern, dann käme es vielleicht im April zu Auszahlungen. Dann sei es wahrscheinlich für Viele schon zu spät, sind sich die Werbering-Vorstandsmitglieder einig.

Zudem vergingen im Textil- und Schuhhandel von der Bestellung bis zum Verkauf im Handel ungefähr sechs bis acht Monate. Winterware nimmt Platz weg und bindet Liquidität. Doch was passiert mit der nicht verkauften Winterware? Frühjahrs- und Sommerkollektionen werden jetzt ausgeliefert. Liquidität wird dringend benötigt.

Der Einzelhandel bräuchte ein Grundmaß an Planungssicherheit, eine Innenstadtförderung muss auf die Agenda, so der Werbering.

Zu Beginn der Videokonferenz schilderte ein Werberingmitglied seine persönliche Situation. Seit mehr als 20 Jahren verheiratet und Vater zweier jugendlicher Kinder, habe er vor mehr als 20 Jahren sehr viel Geld investiert, um ein Gebäude zu übernehmen und zu sanieren, eine Einrichtung zu kaufen und die Warenerstbestückung zu tätigen. Das Geld habe er von der Bank geliehen. Wie das Werberingmitglied schilderte, sei der Handel sehr kapitalintensiv, denn jede Woche käme neue Ware. Wird diese nicht verkauft, sei sie nach sechs Monaten nur noch die Hälfte wert, manchmal auch gar nichts mehr. Seine Lebenspläne wären realistisch aufgegangen, die Tilgung der Schulden bis zum 65. Lebensjahr sowie der Aufbau einer vernünftigen Lebensgrundlage für das Alter.

Und dann kam Corona. Die 9000 Euro-Soforthilfe ist lachhaft, meint der Händler. Das sehr wichtige Weihnachtsgeschäft ist komplett ausgefallen und somit auch ein kleines Polster, um neue Ware im Januar zu bezahlen, erklärt das Werberingmitglied.

Die Erklärung der Situation des Händlers machte die beiden Abgeordneten fast sprachlos. Der Bundestagsabgeordnete Christian Haase berichtet von seinem Eindruck aus Berlin, dass nicht jeder Ministerialbeamte in der Lage sei, sich in die Position eines Einzelunternehmers hinein zu versetzen. Er verspricht, Wirtschaftsminister Peter Altmeier im persönlichen Gespräch in Kenntnis zu setzen und sich für Abhilfe einzusetzen. Insbesondere die fehlende und somit unzureichende Unterstützung des Staates soll zur Sprache kommen.

Auch der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken zeigte sich entsetzt über die Diskrepanz zwischen öffentlicher Ankündigung von Wirtschaftshilfen und der Tatsache, dass bei den Betroffenen nichts ankommt. Auch er verspricht, die NRW-Landesregierung zu informieren und sich einzusetzen. Entweder für das Ende Lockdown oder tatsächliche echte zeitnahe Hilfen.

Startseite