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Nachwuchs aus Schmechten führt langjährige Tradition fort

Klärpern, wenn die Glocken verstummen

Brakel-Schmechten

Es ist kurz vor sechs Uhr morgens, als der Wecker der Klärper-Kinder in Schmechten klingelt, denn um 6.30 Uhr ziehen sie am Morgen des Karfreitags erstmals durch die Straßen des kleinen Dorfes.

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Die Schmechtener Kinder sind stolz darauf, die alte Tradition des Klärperns in ihrem Dorf fortzuführen; von oben links: Jonas (oben von links), Lars, Justus, Lea (unten von links), Linus und Vincent. Es fehlen Marie und Jonas. Foto: Bernd Müller

Am Abend des Gründonnerstags verstummen die Glocken der Kirche und erklingen erst wieder in der Osternacht. „Die Glocken reisen nach Rom“ – so wird es seit Jahrzehnten überliefert.

Um auf das sonst tägliche Geläut zum „Engel des Herrn“ aufmerksam zu machen, klärpern die Kinder des Dorfes am Karfreitag und Karsamstag, jeweils morgens, mittags und abends und ebenso vor jeder Gebetsstunde. Sie singen dabei im Wechsel zur Klärper mit lauter Stimme „Ave Maria, gratia plena, so grüßet der Engel, die Jungfrau Maria“.

Seit Generationen wird dies in Schmechten so gemacht, oftmals werden die Klärpern von Generation zu Generation weitervererbt. In diesem, wie auch im letzten Jahr, musste auf das Singen zum Klärpern verzichtet werden. Auch war das Klärpern nur in Mini-Gruppen unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften möglich.

Trotz allem waren die Kinder mit Feuereifer dabei und freuen sich schon jetzt darauf, wenn sie hoffentlich im nächsten Jahr auch am Karsamstag traditionell mit ihrer Klärper von Haus zu Haus ziehen können und um eine kleine Spende bitten können. Dies war coronabedingt zum allgemeinen Bedauern auch nicht möglich. Über fehlenden Nachwuchs beim Klärpern müssen sich die Schmechtener keine Sorgen machen. So gibt es in dem gut 200 Einwohnerdorf aktuell neun Kinder unter dreieinhalb Jahren. Der Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand sind den Klärper-Kindern für ihren traditionsbewussten Einsatz dankbar.

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