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Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität im Ort – viele Feuerwehrleute sind erschöpft

Nach dem Unwetter: Erkeln räumt auf

Brakel/Erkeln (WB). Seit der Schlammlawine am Dienstagabend prägt eine Welle der Hilfsbereitschaft das Leben in der Ortschaft Erkeln. Während sich die Situation in Hembsen und Beller weitgehend entspannt hatte, war in Erkeln jede helfende Hand gefragt.

Frank Spiegel

Ute Waldeyer (von links), Elias Hamann, Mike Wieners und Maximilien Hamann helfen am Haus von Katharina Moenikes mit, die Schlammmassen zu entsorgen. Der ganze Ort war gestern noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Foto: Frank Spiegel

Zu den Häusern, die es besonders schlimm erwischt hat, zählt das von Katharina Moenikes. Da die 86-Jährige dement ist, ist sie in diesem Extremfall auf die Hilfe ihrer Tochter Manuela Puls angewiesen, die in Tietelsen lebt. Sie hat seit Dienstagabend die Schaufel kaum aus der Hand legen können.

Helfende Hände gefragt

Gestern bekam sie Unterstützung von ihrer Freundin Ute Waldeyer. Gemeinsam bemühten sich die Frauen mit Unterstützung der Kinder Elias und Maximilian Hamann sowie Mike Wieners, das Areal vor dem Haus von den Schlammmassen zu befreien.

Doch das ist nicht die größte »Baustelle« im Haus von Katharina Moenikes: Im Keller schwappt noch 40 Zentimeter hoch eine Schlammbrühe, die zum Abpumpen mit den herkömmlichen Pumpen zu dickflüssig, für die Schaufel aber zu dünnflüssig ist.

Sven Heinemann, Leiter der Feuerwehr, ist dieser Sachverhalt bekannt, der in mehreren Häusern aufgetreten ist.

»Das Problem ist, dass es physikalisch nicht möglich ist, diese Masse zu pumpen. Das geht nur, wenn ein Vakuum erzeugt wird«, erläuterte der Stadtbrandinspektor. Man habe daher ein Kanalreinigungsfahrzeug kommen lassen. »Wir haben das an einem Keller versucht, und das hat sich am besten herausgestellt«, so Heinemann.

Die Frage, warum das Technische Hilfswerk (THW) in so einem Fall nicht zum Einsatz kommt, beantwortet Sven Heinemann damit, dass auch dieses nicht weiterhelfen könne in diesem besonderen Fall. »Die haben die gleichen Pumpen, wie wir sie haben«, führte der Fachmann aus. Das THW habe Möglichkeiten, große Mengen an Wasser zu pumpen. Bei dem Schlammbrei sei auch das THW überfordert.

Bei Schlammbrei überfordert

Bei den Feuerwehrleuten merke man langsam, dass diese sehr erschöpft seien, gerade die Erkelner. Heinemann: »Wir haben deshalb schon andere Einheiten aus Siddessen und Gehrden dazugenommen zur Unterstützung.«

Auch der Stadtbrandinspektor ist von der für diese Verhältnisse noch gute Stimmung im Ort beeindruckt. »Da bringen Frauen Essen für die Feuerwehrleute, es wird Kaffee bereit gestellt. Alles, was eine Schaufel am Trecker oder Radlader hat, ist im Ort unterwegs«, nennt Heinemann Beispiele: »Da fragt auch keiner, ist dass Deins, ist das meins. Das ist eine richtig große Gemeinschaft.« Auch die Jugend, die ja Herbstferien habe, packe kräftig mit an. »Ich glaube es gibt hier keinen Jugendlichen, der keine Stiefel an und eine Plattschüppe in der Hand hat.«

Stiefel und Plattschüppe

Schon wieder recht gut sieht es im Vorgarten von Solomeja Norkeviciene aus. Zwar hatte auch sie den Schlamm im Haus. »Wir haben aber nur einen Kriechkeller. Da standen auch keine elektrischen Geräte«, sagte sie. Ihr Keller könne noch warten, andere habe es viel schlimmer erwischt. »Das Leben geht weiter. Gut, dass niemandem etwas passiert ist«, sagt sie.

Dankbar sind die Erkelner der Stadt Brakel, dass diese kostenlos und unbürokratisch Container zur Verfügung stellt, in denen durch das Wetter unbrauchbar gewordene Dinge entsorgt werden. Für Kopfschütteln sorgen die Einzelfälle, in denen Anwohner meinen, auch darüber hinaus übrigen Hausrat in die Container schmeißen zu können.

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