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Projekt in Modexen schreitet zügig voran – Partner setzen in Brakel auf gemeinsame Lösungen

Richtkranz weht über dem Bildungshaus

Brakel (WB). Das deutschlandweit einmalige Projekt „Bildungshaus Modexen“ hat Richtfest gefeiert. Seit Mai wird an dem Gebäude gebaut, jetzt steht der Rohbau.

Frank Spiegel

„Drum tu ich nun mit lautem Mund Euch allen meine Wünsche kund“ – so hat Dachdeckermeister Thomas Keßler auf dem First des Rohbaus des Bildungshauses Modexen seinen Richtspruch begonnen. Im kommenden Jahr soll dieses fertig sein. Foto: Frank Spiegel

„Drum tu ich nun mit lautem Mund Euch allen meine Wünsche kund: Gesegnet sei dieses Haus und die da gehen ein und aus. Dem Bauherren und seinen Lieben, möge nie ein Leid betrüben“, wünschte Dachdeckermeister Thomas Keßler in seinem Richtspruch auf dem First des Rohbaus.

Doppelte Förderung

Mit dessen Bau war Ende Mai begonnen worden. Im kommenden Jahr soll das Bildungshaus fertiggestellt sein. Die Kosten werden komplett aus Fördermitteln gedeckt: 500.000 Euro kommen aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union, 265.000 Euro stellt die NRW-Stiftung zur Verfügung.

Eine Besonderheit ist, dass diese Einrichtung nicht von einer Kommune – in diesem Fall der Stadt Brakel – betrieben wird, sondern von einem Förderverein. Dessen drei Vorsitzende gehören Gruppen an, deren Aufeinandertreffen bisher nicht überall von Harmonie geprägt war: Dr. Burkhard Beinlich ist wissenschaftlicher Leiter der Landschaftstation im Kreis Höxter und der Repräsentant des Naturschutzes, Carlo Fimmel repräsentiert im Vorstand die Kreisjägerschaft im Kreis Höxter, und Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter, vertritt die Belange der Landwirtschaft.

„Wir sind uns der Problemfelder durchaus bewusst, sind aber auch zuversichtlich, im Miteinander Lösungsmöglichkeiten zu finden und Verständnis füreinander zu entwickeln“, sagt Antonius Tillmann. LEADER-Regionalmanagerin Christiane Sasse ergänzt: „Diese Konstellation bietet die Chance, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen.“

Wie sie berichtet, sei das Projekt Bildungshaus Modexen bisher das einzige, das im LEADER-Programm doppelt gefördert wird. „Normalerweise ist die Fördersumme auf 250.000 Euro begrenzt. Dieses Konzept hat aber dermaßen überzeugt, dass die doppelte Förderung gewährt wurde“, weiß die Regionalmanagerin.

Stadt Brakel unterstützt

An einem pädagogischen Konzept und einem Veranstaltungsprogramm werde derzeit gearbeitet.

Das Team des Bildungshauses Modexen freut sich auch über die „hervorragende Unterstützung“ von Seiten der Stadt Brakel. „Insbesondere Verena Potthast aus dem Bauamt ist sehr engagiert“, berichtet Christiane Sasse.

„Wir können in Brakel nicht nur besonders stolz darauf sein, dass hier so ein innovatives und einzigartiges Projekt entsteht, sondern auch, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Jagd, Naturschutz und Landwirtschaft verständnisvoll und wertschätzend funktioniert“, so Bürgermeister Hermann Temme. Er bezeichnet das Bildungshaus als „einzigartiges Projekt, welches ein zentraler Anlaufpunkt werden wird.“ Aus dem Grund habe die Stadt das Grundstück „selbstverständlich zur Verfügung gestellt“.

Im Erdgeschoss des Bildungshauses dominiert ein offener, großzügiger Raum, der der Bildungsarbeit gewidmet ist. Die Wandflächen bieten ausreichend Platz für kulturlandspezifische Ausstellungen. 60 Menschen finden hier Platz unter Nicht-Corona-Bedingungen.

Die nach Westen ausgerichtete Glasfront bietet einen weiten Blick auf die heimische Kulturlandschaft. Antonius Tillmann: „Eine tolle Aussicht. Die reicht bis zum Fernsehturm in Willebadessen.“

Der Eingang zum Erdgeschoss erfolgt ebenerdig und ist barrierefrei. Neben dem Schulungsraum finden sich noch auf dieser Etage noch eine behindertengerechte Toilette, ein Garderobenbereich sowie ein Abstellraum.

Barrierefrei

Das Untergeschoss ist ebenfalls barrierefrei über eine Rampe zu erreichen. Das Herzstück dieses Geschosses stellt eine große Küche mit Glasfront und Blick ins Grüne dar. Durch Öffnung der Glastüren kann der Verzehr der gemeinsam zubereiteten Speisen spontan nach draußen verlegt werden. Die Küche dient zum einen der Selbstversorgung von Gruppen, ermöglicht aber auch die Durchführung von Kochkursen zu Themen wie der Wildverarbeitung, der Verwendung heimischer Kräuter oder regionaler Produkte. Ein Lagerraum für Präparate, Sammlungen und sonstige Materialien, eine kleine Bibliothek sowie Damen- und Herrentoiletten ergänzen das Raumangebot.

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