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49-Jähriger entscheidet Stechen für sich – Zapfenstreich in Kirche verlegt

Ulrich Hoffmeister regiert im Jubiläumsjahr

Brakel (WB). Ulrich Hoffmeister (49) ist neuer Schützenkönig in Brakel. Er regiert im Jubiläumsjahr. Vor 450 Jahren wurde der Bürger-Schützenverein gegründet.

Marius Thöne und Sabine Robrecht

Kurz nach dem entscheidenden Stechen: Der scheidende König Karl-Heinz Neu gratuliert seinem Nachfolger Ulrich Hoffmeister (49), der die Brakeler Schützen in ihrem Jubiläumsjahr regieren wird. Hoffmeister ist Ausbildungsleiter bei FSB. Foto:

»Ich bin überwältigt«, sagte die neue Majestät, nachdem sie sich beim Königsschießen am Freitagabend im Stechen gegen Hans-Jörg Koch und Reinhard Fechner durchgesetzt hatte. Er habe schon mehrmals um die Königswürde mitgekämpft, letztlich habe ihn aber immer der Mut verlassen, sagte Hoffmeister.

Dass er es im Jubiläumsjahr durchzog, hat zum einen mit seiner Frau Claudia zu tun, die »voll hinter mir steht«, und auch mit seinem Onkel Helmut Pless, der 1. Dechant bei den Schützen ist. »Mit ihm an meiner Seite kann mir nichts passieren«, sagte Hoffmeister am Freitagabend kurz vor der offiziellen Proklamation. Der neue König gehört dem dritten Zug an und arbeitet als Ausbildungsleiter bei der Firma FSB in Brakel. Er stammt aus einer alten Schützenfamilie. Sein Vater Rudi war Dechant der Schützen, sein Opa Fritz ebenso. Das Königsschießen war am Freitag der erste Höhepunkt des Jubiläumsfestes.

Begonnen hatte das Fest am Donnerstagabend mit einem Zapfenstreich, dessen Örtlichkeit in die Vereinsgeschichte eingehen wird. Das Zeremoniell geriet mitten in den Starkregen. Pfarrer Wilhelm Koch reagierte schnell und öffnete kurzerhand die Türen der St.-Michael-Pfarrkirche. So bekamen die Jubiläums-Schützen Kirchenasyl.

Weltliche Blasmusik erklingt im Gotteshaus

Und zackige (weltliche) Blasmusik erfüllte das Gotteshaus. Wann hat es das schon mal gegeben! Die Geste des Geistlichen unterstrich einmal mehr – wie auch beim Annentag immer wieder zu erleben – das gute Miteinander zwischen Kirche und weltlichem Stadtgeschehen.

Jubilare für jahrzehntelange Treue geehrt

Am Freitag dann mussten die Schützen keinen Regen befürchten, als sie im Schatten des Rathauses ihre Jubilare ehrten. Fred Brechtken, Karl-Heinz Remmert, Manfred Ridder (erster Zug), Wolfgang Glunz, Hans Hölting, Hubertus Roland, Otto Schmidt, Rudolf Schröder, Franz Schulte (zweiter Zug), Anton Koch, Robert Pelletier, Johannes Rottländer (dritter Zug) und Johannes Fähnrich (vierter Zug) sind dem Bürger-Schützenverein seit 50 Jahren treu.

Oberst Rüdiger Frin ernannte sie zu Ehrenschützen. König Karl-Heinz Neu heftete ihnen in einer seiner letzten Amtshandlungen vor dem Regierungswechsel den goldenen Treueorden an den Schützenrock.

Der Oberst würdigte im Anschluss zwei besondere Spielleute: Hermann Krollpfeifer gehört seit 50 und Robert Pelletier sogar seit 60 Jahren dem Spielmannszug an.

Zuvor gedachten die Schützen an der Kriegerehrung der Opfer von Kriegen und Gewalt sowie der im vergangenen Jahr verstorbenen Schützen. Der evangelische Pfarrer Volker Walle hielt eine bewegende Festrede mit eindringlichem Plädoyer für ein geeintes Europa. Nationalistische Tendenzen und populistische Strömungen erfüllen ihn mit Sorge.

Pfarrer Volker Walle

Entsprechend der Vision des vor kurzem verstorbenen Kanzlers der Einheit, Helmut Kohl, sei der Zusammenhalt in Europa Gebot der Stunde. »Wir müssen wachsam dafür werden, dass das Miteinander nicht gefestigt ist, sondern dass es bröckelt.«

Daher sei Kohls Leitsatz, dass die politische Einigung Europas über unsere Zukunft in Frieden und Freiheit entscheide, Mahnung und Auftrag zugleich. Der Altkanzler hatte das geeinte Europa als »großartiges Friedensprojekt für uns alle« eingestuft. »Dieses Ziel dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren.«

Die Kranzniederlegung im Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege erinnere daran, dass Nachbarn in Europa sich als erbitterte Feinde gegenüber gestanden haben. Soweit dürfe es nie wieder kommen.

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