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Voltigierteam radelt 74 Kilometer und sammelt Spenden für die Sarkomforschung

Vom Pferde- auf den Fahrradsattel

Brakel (WB). Ein etwas anderes Bild als man es sonst gewohnt ist zeigt sich an diesem Samstagmorgen vor der Reithalle in Brakel: Statt Reitern, die am frühen Morgen mit ihren Pferdetransportern anfahren, stehen nun elf Frauen und Mädchen mit Fahrrädern vor der Halle.

Ellen Waldeyer

Auf dem Fahrrad von Brakel bis Rietberg und dabei für jeden gefahrenen Kilometer Geld für die Sarkomforschung sammeln: Dafür haben sich Emma Walter, Franziska Happe, Hannah Lötzke und Samira Benning aus dem Juniorteam des Reitvereins „Nethegau“ sowie Franziska Peitzmeier, Amara Samuel, Frieda Ernst, Romy Spieker, Fiona Sundermann und Annette Finkeldei eingesetzt. Foto: Ellen Waldeyer

Das erste Juniorteam des Reitvereins hat aber keinen gewöhnlichen Ausflug geplant, sondern radelt für den guten Zweck bis nach Rietberg: Die Mädchen sammeln mit jedem gefahrenen Kilometer Spenden für die Sarkomforschung.

Knubbel im Oberschenkel

Ein Weichteilsarkom in der Oberschenkelmuskulatur, so lautete die Diagnose, die Franziska Peitzmeier, ehemalige Vize-Weltmeisterin der Junioren und Top-Voltigiererin des Reitvereins Nethegau, im Frühjahr erhielt. „Das war ein großer Schock für mich und meine Familie“, erinnert sich die 20-jährige Studentin, die in der Vergangenheit schon zahlreiche Preise im Voltigiersport gewonnen hat.

Nach einer kleinen Verletzung beim Training hatte der Arzt einen Knubbel im Oberschenkel entdeckt und sie sofort an die Onkologie nach Gütersloh überwiesen. Nach verschiedenen Untersuchungen hieß es zuerst, dass der Tumor gutartig sei, und er wurde operativ entfernt. Erst später stellte sich heraus, dass der Tumor tatsächlich bösartig war. „Ich hatte großes Glück, dass er nicht gestreut hat“, sagt Franziska Peitzmeier, die von ihrer Erkrankung bereits genesen ist und wieder auf dem Pferd turnen kann. Nicht viele würden eine Krebserkrankung ohne Chemo- und Strahlentherapie überstehen wie es bei ihr der Fall war.

Tumorerkrankung

Sarkome zählen zu den gefährlichsten Tumorerkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Erkrankung tritt nur sehr selten auf, weshalb Forschungen in diesem Bereich schwierig sind. „Die Sarkomforschung bleibt aufgrund der Seltenheit der Erkrankung weiterhin eine unterdurchschnittlich geförderte Nischenforschung im Bereich der Krebserforschung”, erklärt Prof. Sebastian Bauer vom Westdeutschen Tumorzentrum in Essen und weist auf die Dringlichkeit der kontinuierlichen Erforschung hin.

Aus diesem Anlass gibt es bereits seit 15 Jahren die Sarkomtour, eine Fahrradtour, mit der Spendengelder für die Forschung dieser seltenen Krebserkrankung gesammelt werden. Normalerweise fahren die Teilnehmer in Essen am Baldeneysee, doch aufgrund der Corona-Krise und des damit verbundenen Verbots von Großveranstaltungen ist die Tour in diesem Jahr dezentral ausgelegt, so dass sich jeder zuhause engagieren kann.

Noch nie so weit per Rad

In Brakel haben sich die sieben Mädchen des ersten Juniorteams von Trainerin Anna Brinkmann entschieden, dass sie diese Aktion sowie ihre Freundin und Sportkollegin Franziska Peitzmeier, die auch selbst an diesem Samstag radelt, unterstützen möchten. Die Neun- bis Siebzehnjährigen, die an diesem Tag eigentlich Voltigiertraining gehabt hätten, werden von der Lars-Falkenberg-Stiftung in Brakel, der Provinzialgeschäftsstelle Bitterberg in Höxter, der Farb- und Einrichtungsberatung Annette Finkeldei in Nieheim sowie von zahlreichen privaten Sponsoren für jeden Kilometer mit Spenden belohnt. Ihre Tour startet in Brakel an der Reithalle und führt über einige Berge 74 Kilometer bis nach Rietberg (Kreis Gütersloh), wo Franziska Peitzmeier wohnt. Besonders die jüngeren Mädchen scheinen etwas nervös zu sein. „Ich bin noch nie so weit mit dem Fahrrad gefahren“, gibt Emma Walter (11) aus Brakel zu.

Auch ihre Teamkolleginnen sind keine erfahrenen Radsportler, so dass die Radtour eine kleine persönliche Herausforderung für jede einzelne ist.

Guter Zweck

„Aber wir werden diese Kilometer mit Bravour meistern“, ist Sponsorin Annette Finkeldei, die sich selbst auf den Sattel schwingt, überzeugt. „Das sind alles motivierte, sportliche Mädels, egal ob auf dem Pferde- oder Fahrradsattel – das spielt heute keine Rolle. Sport für den guten Zweck, das ist heute das tragende Motto.“

Am Samstagabend können sich die Mädchen über ein Zeltlager mit gemeinsamem Pizzaessen freuen – alles unter Corona-Auflagen und in Absprache mit dem Ordnungsamt. Auch die lokal ansässige Pizzeria unterstützt das Vorhaben und sponsert Eiscreme. Darüber hinaus kommt am Abend auch ein Mädchen dazu, das an demselben Sarkom erkrankt ist wie Franziska Peitzmeier, um über die Krankheit aufzuklären.

Glücklich und gerührt

„Ich bin unglaublich gerührt, wie viel Aufmerksamkeit diese ganze Sache erhalten hat“, freut sich die Voltigiererin aus Rietberg. „Ich konnte nicht nur die Mädchen vom Reitverein für diese Aktion begeistern, sondern habe durch Internetaufrufe auch andere Voltigierer aus ganz Westfalen sowie Freunde aus Aachen und Berlin zu dieser Radtour für den guten Zweck bewegen können.“ Mit solch positiver Resonanz und vielen Teilnehmern hat die 20-Jährige nicht gerechnet und freut sich riesig, dass einige Spenden durch ihr Engagement für die Sarkomforschung zusammenkommen werden.

Wer spenden möchte, muss sich natürlich nicht zwingend auf das Fahrrad schwingen, sondern kann sich auf der Internetseite www.sarkomtour.de informieren.

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