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Ottberger ärgern sich über neue Verkehrsregelung mit Einbahnstraße am Grünenberg – Straße nach Bosseborn bleibt lange Baustelle

Der Weg ins Dorf ist 20 Kilometer lang

Ottbergen

In Ottbergen sorgt eine Baustelle und eine damit verbundene Einbahnstraßenregelung für mächtig Ärger. Betroffene sprechen vom geteilten Dorf. Wer aus der Grünenberg-Siedlung oder von der Derenbornstraße aus ins Zentrum möchte, muss über Bosseborn und Höxter fahren. „Da werden aus einem Kilometer mal eben 20 gemacht“, schimpft Motorradhändler Steffen Göllner.

Von Marius Thöne

Die Baustelle an der Derenbornstraße sorgt für Probleme in der Verkehrsführung in Ottbergen. Bürgermeister Daniel Hartmann kündigt eine Lösung für die kommende Woche an. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Die Krux: Wegen Sanierungsarbeiten an der L890 (Derenbornstraße) zwischen Ottbergen und Bosseborn ist diese Straße seit Anfang der Woche gesperrt. Anwohner der Derenbornstraße und des Grünenbergs haben darum als Umleitung die Straße Am Grünenberg genutzt. Bis die Stadt Höxter am Freitag eine Einbahnstraßenregelung anordnete. Nach Aussagen von Anwohnern völlig unangekündigt. Die Kommune begründet das mit der Verkehrssicherheit, weil die Straße Am Grünenberg sehr eng und unübersichtlich sei und zuletzt stärker frequentiert worden sei. Jetzt kann man zwar noch aus dem Dorf in die Siedlung fahren, umgekehrt aber nicht.

Steffen Göllner kann das nicht nachvollziehen. „Ich habe keine einzige brenzliche Situation erlebt“, berichtet er. Zwar hätten vereinzeln mal Autos zurücksetzen müssen, um einem anderen Platz zu machen. Mehr Probleme gab es aber nicht“. Motorradhändler Göllner lagert seine Fahrzeuge in einer Halle am Lintrott, also vor der Baustelle. Sein Büro ist bei ihm zu Hause in der Derenbornstraße, also hinter der Baustelle. „Ich komme zwar von meiner Halle nach Hause, aber nicht umgekehrt“. Normalerweise fährt er den guten Kilometer mehrmals am Tag, um Kunden Maschinen zu zeigen. Wie das künftig funktionieren soll, weiß er noch nicht. „Die Neuregelung ist jedenfalls kompletter Schwachsinn“, bringt der 41-Jährige seine Meinung auf den Punkt.

Ähnlich sieht es Ottbergens Apothekerin Martina Unger. „Für mein Unternehmen ist das ein Horror“, sagt sie. Der Medikamentenbote komme zwar noch in die Grünberg-Siedlung, müsse auf dem Rückweg aber einen deutlichen Umweg in Kauf nehmen. „Das kostet extra Geld und ich kann meinen Patienten nicht versprechen, ob ihre Medikamente pünktlich zu ihnen kommen“, berichtet die Pharmazeutin, die an der Derenbornstraße darüber hinaus Ponys hält, die sie auch versorgen muss. Sie hätte sich gewünscht, dass der Verkehr in der Straße Am Grünenberg mit einer Ampel geregelt worden wäre, statt sie in eine Einbahnstraße zu verwandeln. „Das ist doch alles ein Witz, vor allem, weil es ja einen Monat dauern soll“.

Silke Beineke lebt im Dorf, muss aber ihren schwerkranken Vater in seinem Haus an der Derenbornstraße pflegen. „Oft muss ich auch nachts zu ihm. Für den Rückweg dann fast 20 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen, ist unzumutbar“, sagt Beineke. Sie kündigt zivilen Ungehorsam an. „Ich werde die Straße in beide Richtungen fahren“, sagt sie. Und ist damit offenbar nicht die einzige. Auch Steffen Göllner sagt: „Hier fahren etliche Autos einfach falsch herum in die Straße“.

Bürgermeister Daniel Hartmann ist am Freitag von dem Protest aus Ottbergen überrascht worden. Er hat am Nachmittag Gespräche mit Straßen NRW geführt und zeigte sich danach zuversichtlich, dass in der kommenden Woche eine Ampel in der Straße Am Grünenberg den Verkehr regeln könnte. „Über das Wochenende müssen jetzt aber erst einmal alle damit leben“, sagte Hartmann.