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Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz kürt Denkmal des Monats

Ein Bahnhof im Stil einer Villa

Warburg

Der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz hat das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofes Warburg-Altstadt zum Denkmal des Monats August erkoren.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofes Warburg-Altstadt Foto: Ralf Benner

Der Vorstand habe das Denkmal ausgewählt, „da es zeigt, dass es möglich ist, ein großes und für andere Zwecke gebautes historisches Gebäude auch nach Aufgabe des ursprünglichen Zwecks sinnvoll für aktuellen Bedarf – hier Ferienwohnungen – umzunutzen“, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung.

Warburg sei bereits 1851 über die Bahnstrecke Kassel-Warburg an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden. Ein Bahnhofsgebäude sei in den kommenden Jahren nordwestlich des Stadtzen­trums gebaut worden – der nach wie vor genutzte Bahnhof in der Neustadt. „Es folgten 1853 die Weiterführung der Strecke nach Hamm und 1873 der Anschluss an die Obere Ruhrtalbahn“, erklärt der Verein.

Ein besonderer Baustil

Durch den Bau einer neuen Bahnstrecke sei dann auch Arolsen über Warburg angebunden worden. „Eine besondere Herausforderung stellte die Überwindung des Höhenunterschiedes von über 43 Metern zwischen dem alten Bahnhofsgebäude und dem geplanten neuen Bahnhof südlich der Altstadt dar, die durch eine S-Kurve mit mehreren Tunneln und einem langen Viadukt über das Diemeltal hinweg gelöst wurde“, heißt es weiter.

Die Pläne sahen ein villenartiges Empfangsgebäude vor, auch weitere Bahnhöfe an der Strecke – Welda, Volkmarsen, Külte und Arolsen – seien in einem ähnlichen Stil gebaut worden. Am 1. Mai 1890 sei die Strecke der Twistetalbahn bis Arolsen eröffnet worden.

„Obgleich ebenfalls dem Historismus zuzuordnen, unterscheidet sich die Architektur des Bahnhofes Warburg-Altstadt erheblich von der des circa 35 Jahre früher entstandenen Bahnhofes in der Neustadt“, schildert der Verein.

Romantisch-malerische Wirkung

Statt eines gesamtsymmetrischen Baus sei ein Gebäude entstanden, welches eine romantisch-malerische Wirkung entfalte. Die L-Form mit untergeordneten Anbauten und Dachaufbauten unterstütze das. „Die Konstruktion erfolgte aus Fachwerk, das in der Tradition der nahe liegenden Schiefergebirge mit Naturschiefer verkleidet wurde.“

Viele Details sollten aber nicht nur regionale Traditionen aufnehmen, sondern auch den Ideen des damals verbreiteten Schweizer Stils folgen. Dazu zählten etwa die starken Dachneigungen, die Schwebegespärre an den Giebeln und Details der verzierten Holzverkleidungen. „Zuvor waren auch schon einige Bahnhöfe der oberen Ruhrtalbahn, wie der 1887 eröffnete Bahnhof Wrexen, in dem Stil gebaut worden.“

Der Bahnhof Warburg-Altstadt wurde ein Personen- und Güterbahnhof. Dort hielten alle Personenzüge, die von Warburg in Richtung Volkmarsen, Korbach und Marburg fuhren. „Zur Bewältigung des Güterverkehrs gab es ein bis circa 1965 bestehendes Ausweichgleis. Es ermöglichte eine Kreuzung und ein Überholen von Eisenbahnzügen.“

Gleise werden 1983 abgebaut

1957 hätten täglich noch neun Personenzugpaare den Bahnhof Warburg-Altstadt angefahren. „Aber schon im Sommerfahrplan 1962 waren die Personenzüge zwischen Warburg und Volkmarsen nahezu vollständig durch Bahnbusse ersetzt worden.“ Der Personenzugverkehr endete 1967, der Güterzugverkehr endete 1977.

„Danach fuhren gelegentlich Panzerzüge durch den Altstädter Bahnhof. Zum 31. Dezember 1982 wurde die Strecke stillgelegt. Im Frühjahr 1983 erfolgte ihr Abbau“, erklärt der Verein. Nun erinnerten nur noch das Empfangsgebäude mit Güterschuppen und ein Fahrradweg, der teilweise auf der alten Bahntrasse verlaufe, an den Bahnanschluss.

Seit 1982 gehöre das Gebäude einer Familie, die es zum Wohnhaus umgebaut habe. Zudem seien dort 2015 Ferienwohnungen eingerichtet worden.

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