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Architekt Andreas Kropp schlägt  Aufzug zwischen Alt- und Neustadt vor

Erste Planung für Warburger Weinbergturm

Warburg

An den Stammtischen gibt es die Idee schon länger. Bisweilen wird sie auch als Aprilscherz oder als gutes Thema im Karneval verwendet. Doch vielleicht ist die Idee, Warburgs Alt- und Neustadt mit einem Fahrstuhl zu verbinden, gar nicht so verrückt.

Von Jürgen Vahle

Das Warburger Architekturbüro Kropp aus der Altstadt hat einen Plan für den Bau eines Aufzugs zwischen Alt-und Neustadt vorgelegt. Einstieg wäre an der Bernhardistraße. Ein Steg würde den Turm mit der Straße Hinter der Mauer Süd zwischen Amtsgericht und Haus Böttrich verbinden. Foto: Architekturbüro Kropp

Das glaubt zumindest der Altstädter Architekt Andreas Kropp. Und er ist in guter Gesellschaft. Das Thema Aufzug zwischen den beiden Warburger Stadtteilen ist zuletzt nämlich auch durch den Fußverkehrs-Check befeuert worden, der vom Land NRW bezahlt und vom Büro Planersocietät aus Dortmund in Zusammenarbeit mit den Bürgern, Verwaltung und Kommunalpolitik erstellt worden ist.

„Langfristig kann der Einsatz eines Aufzuges zur Überwindung des großen Höhenunterschiedes zwischen Neu- und Altstadt umgesetzt werden. Mit dem passenden Einsatzort kann so eine barrierefreie Verbindung geschaffen werden, die sowohl den Einwohnenden als auch Rad- und Wandertouristen einen komfortablen Aufstieg bietet“, stellen die Planer in ihrem Abschlussbericht fest.

Der Steg, der den Turm mit der Neustadt verbindet, böte dem Besucher einen grandiosen Ausblick über die Stadt. Foto: Architekturbüro Kropp

Auch beim ersten Treffen zum neuen Innenstadtkonzept wurde eine Machbarkeitsstudie für einen solchen Aufzug aus dem Auditorium angeregt. "Grundsätzlich hat jeder Bürger das Recht im Rahmen des ISEK Innenstadt Ideen einzubringen, die Bewertung liegt dann im weiter politischen Prozess", machte der Bürgermeister deutlich.

Während die Planungsexperten noch diskutieren, hat Architekt Andreas Kropp aber schon längst einen Entwurf in der Tasche. Den habe er vor längerer Zeit aus einer Laune heraus und nach einem Gespräch mit Warburgs Tourismus-Chef Norbert Hoffmann aufgestellt. Andreas Kropp versteht ihn ausdrücklich als Anregung, über das Thema weiter zu diskutieren – nicht als Forderung, den Aufzug sofort zu bauen.

Kosten: Mehr als eine Million Euro

Nach seiner Vorstellung soll der Aufzugturm an der Bernhardistraße etwas unterhalb der Florenbergturnhalle in den Hang gebaut werden. Etwa 60 Meter wäre der Turm dann hoch und würde über eine Rampe, die vorbei am Schulgarten des Gymnasium Marianum führt, an die Straße Hinter der Mauer Süd zwischen Amtsgericht und Haus Böttrich in der Neustadt angebunden.

Den Standort hält Andreas Kropp für ideal, weil Grund und Boden bereits städtisch seien und der Aufzug architektonisch höchstens mit der Florenbergturnhalle konkurrieren müsse. „Und das ist ja keine wirkliche Konkurrenz“, macht er deutlich.

90 Prozent Förderung realistisch

Erste vorsichtige Kostenschätzungen (allerdings vor dem Ukraine-Krieg) gehen von deutlich mehr als einer Millionen Euro aus. Für die Stadtkasse sicher zuviel. Aber es gibt durchaus realistische Finanzierungsmöglichkeiten, berichtet Michael Stolte, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter.

Bis 2027 sei der Kreis noch in der Kulisse Regionaler Wirtschaftsförderung. Und das sei es durchaus realistisch, dass 90 Prozent der Kosten über Fördergelder in die Stadt fließen.

Bedingung sei aber bei einem solchen Projekt, dass es politisch überhaupt gewollt sei, die Stadt aus Eigenmitteln die etwa zehn Prozent der Baukosten übernehme, das Projekt hauptsächlich der touristischen Entwicklung der Stadt diene und – gerade im historischen Stadtkern ein wichtiger Punkt – vom Denkmalschutz akzeptiert werde. Auch die Folgekosten müssten von der Stadt getragen werden.

In der politischen Diskussion ist das Aufzugthema noch nicht offiziell angekommen. Die Übernahme von Kosten in Höhe von 100.000 bis 150.000 Euro scheint für Andreas Kropp realistisch, zumal zusätzliche Einnahmen aus der Gewerbesteuer gegengerechnet werden müssten.

Dass der Aufzug der touristischen Entwicklung diene, davon ist der Architekt überzeugt. Dies sei schon durch die Kombination mit dem Diemelradweg, dem Schmetterlingssteig, der Diemelaue und der Sportanlagen sowie den dort geplanten Wohnmobilstellplätzen gegeben. Wirtschaftsförderer Michael Stolte schätzt das ähnlich ein.

Beispiele aus anderen Städten

Experten der Firma Kone aus Paderborn, einer der Marktführer beim Bau und Betrieb von Aufzügen aller Art, beziffert die Folgekosten mit Notrufaufschaltung und Wartung für einen solchen Aufzug pro Jahr auf höchstens 1800 Euro.

Knackpunkt dürfte der Denkmalschutz werden. Architekt Andreas Kropp hat vor allem Cortenstahl in seinem Entwurf vorgesehen. Michael Stolte schätzt die Chancen für eine Genehmigung aber als höher ein, wenn der Turm transparenter und mit viel Glas gestaltet werde.

Für Aufzüge in historischen Städten gibt es übrigens zahlreiche Beispiele. Sie sind in Meißen, Erfurt, Bad Schandau, Marburg und in vielen weiteren Städten zu finden, in denen Fußgänger zwischen Stadtteilen große Höhenunterschiede überwinden müssen. Daher glaubt Andreas Kropp fest daran, dass der Aufzug auch in Warburg realistisch, finanzier- und baulich umsetzbar ist.

Auch einen Namensvorschlag hat er schon. Da der Turm im Bereich des ehemaligen Weinbergs der Dominikaner errichtet werden könnte, böte sich auch gleich der Name „Weinbergturm“ an.

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