1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Kreis Höxter
  6. >
  7. Froschkönig mag es sonnig

  8. >

Naturschützer verbessern im Kreis Höxter Lebensräume für Amphibien - Sparkasse unterstützt Projekt

Froschkönig mag es sonnig

Brakel-Bellersen

An mehr als 20 Gewässern im Kreis Höxter haben Mitarbeiter der Landschaftsstation die Lebensbedingungen für Amphibien verbessert. Dazu gehört der Rückschnitt von Gehölzen. Denn der Laubfrosch hat  es gerne sonnig.

Von Sabine Robrecht

Dieser Fischteich zwischen Bellersen und der Abbenburg dient der einzigen Laubfroschpopulation im Stadtgebiet Brakel als Laichgewässer. Foto: Sabine Robrecht

Der Laubfrosch hat derzeit Konzert-Saison. Open Air und gratis lassen die Männchen ihre lauten Stimmen jetzt im Juni bei Einbruch der Dämmerung im Chor erklingen. Eine der „Locations“ dieses Musikgenusses liegt zwischen Bellersen und der Abbenburg. Drei ehemalige Fischteiche dienen dem Sympathieträger unter den Amphibien als Laichgewässer. Im Laubgehölz am Ufer sitzend, bitten die Frösche zum Konzert.

Damit sie das auch künftig tun können, müssen Lebensräume ihren Bedürfnissen entsprechend optimiert oder neu geschaffen werden. Darum kümmern sich für den Laubfrosch und andere Amphibienarten die Landschaftsstation im Kreis Höxter und die Stiftung „Natur – Heimat – Kultur im Steinmeier Becken". Das Team der Landschaftsstation hat an mehr als 20 Gewässern Gehölze für den Laubfrosch zurückgeschnitten. Denn der „Froschkönig“ mag es sonnig. Außerdem sind elf verlandete Laubfrosch- und Kammmolch-Gewässer im Kreisgebiet mit dem Bagger entschlammt worden.

Heribert Gensicki (2. von links, Vorsitzender der Stiftung Natur - Heimat - Kultur im Steinheimer Becken") und Frank Grawe (2. von rechts, wissenscahftlicher Leiter der Landschaftsstation im Kreis Höxter) danken Jens Härtel (Vorstandvorsitzender der Sparkasse Höxter) und Lidia Ulrich (Pressereferentin der Sparkasse und Ansprechpartnerin der Sparkassenstiftung) für die Unterstützung im Schutz bedrohter Amphibien. Foto:

Diese Maßnahmen waren dank der großzügigen Unterstützung der Sparkasse Höxter möglich, betonen Frank Grawe, wissenschaftlicher Leiter der Landschaftsstation, und Heribert Gensicki, Vorsitzender der Stiftung „Natur – Heimat – Kultur im Steinheimer Becken“. Die Sparkasse Höxter hat der Stiftung 10.000 Euro für den Amphibienschutz zur Verfügung gestellt. Dieser Grundstock konnte durch zweckgebundene Spenden und weitere Mittel etwa des Heimatvereins Eichholz aufgestockt werden, so dass letztendlich mehr als 22.000 Euro in den Schutz bedrohter Amphibienarten investiert werden konnten. Frank Grawe: „Mit dieser großzügigen finanziellen Ausstattung konnten wir die zahlreichen biotopoptimierenden Maßnahmen realisieren.“ Dazu gehört auch die Neuanlage von vier Gewässern als Lebensraum für die Geburtshelferkröte.

Laichtragendes Männchen der Geburtshelferkröte. Foto: Frank Grawe

Diese Amphibienart ist ebenso wie die Kreuzkröte hochgradig gefährdet. „Es ist wichtig, dass sie erhalten bleiben“, betont Heribert Gensicki. Die Kreuzkröte gehört zu den Amphibienarten, denen der Klimawandel gefährlich wird: Sie bevorzugt als Laichgewässer flache Lachen, die früher wasserbespannt waren, bis die Larven sich entwickelt hatten. Heute trocknen diese Pfützen eher aus. Die Landschaftsstation möchte nun der Kreuzkröte und auch der Geburtshelferkröte unter die Arme greifen: „Wir wollen Larven entnehmen und im Terrarium züchten“, kündigt Frank Grawe an.

Dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Höxter, Jens Härtel, und Pressereferentin Lidia Ulrich, die die Zusammenarbeit mit den Naturschützern koordiniert hat, dankten Frank Grawe und Heribert Gensicki vor Ort im Laubfroschparadies zwischen Bellersen und Abbenburg für die Förderung. Die drei Teiche hatte der Eigentümer des Geländes, ein Landwirt, vor etwa 30 Jahren angelegt und stellt sie nun dem Amphibienschutz zur Verfügung.

Damit der Froschkönig Sonne bekommt, sind die Gehölze am Südufer im Zuge der aktuellen Maßnahmen der Landschaftsstation zurück geschnitten worden. Am Nordufer jedoch stehen Bäume und Sträucher bereit für die Konzerte. Denn der Laubfrosch klettert hinein, um aus dem Gehölz heraus seine Stimme zu erheben. Frank Grawe legt den Menschen dieses besondere Naturerlebnis ans Herz. Und er kündigt an, dass in den Nieheimer Tongruben ein Laubfrosch-Hotspot entsteht – mit Aussichtsplattformen für das Konzertpublikum.

Alle anderen Amphibienarten behalten das Team der Landschaftsstation und die ehrenamtlichen Naturschützer der Stiftung ebenfalls im Blick. Mit der Sparkasse bleiben sie in Verbindung. Vorstandsvorsitzender Jens Härtel hob hervor, dass das Thema Nachhaltigkeit dem Geldinstitut am Herzen liege. Nach Akzentsetzungen im sozialen, gesellschaftlichen und innerbetrieblichen Bereich, Stichwort familienfreundliches Unternehmen, solle der Fokus nun auch auf den Naturschutz gerichtet werden. „Wir wollen uns den Amphibien widmen – getreu unserem Motto 'Wenn's um die Kröten geht'“, so Härtel.

Die Partner wollen am Ball bleiben und der Gefährdung der Lebensräume für Amphibien weiter entgegenwirken. Damit der Laubfrosch auch in 20 Jahren noch seine Sommerkonzerte gibt.

Startseite
ANZEIGE