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Statt Schützenfest: Bruderschaft legt Kranz in Holzhausen nieder – 300-jähriges Bestehen wird 2023 gefeiert

Halle seit 50 Jahren Dorftreffpunkt

Nieheim-Holzhausen

An diesem Wochenende könnte die St.-Johannes-Bruderschaft Holzhausen am traditionellen Termin eine Woche nach Pfingsten ihr Schützenfest feiern. Doch das muss in Zeiten der Pandemie ausfallen. Im kleinem Rahmen wird Corona-konform nur am Samstag von einer Abordnung der Schützen am Ehrenmal ein Kranz niedergelegt.

Von Heinz Wilfert

Der amtierende Oberst Guido Karp mit einem historischen Bild vom Rohbau der Schützenhalle 1971 in Holzhausen. 2023 will die Bruderschaft ihr 300-jähriges Bestehen mit dem ganzen Dorf feiern. Foto: Heinz Wilfert

Dabei hätte die Johannes-Bruderschaft in diesem Jahr allen Grund zum Feiern, denn vor 50 Jahren wurde zum Schützenfest die neu erbaute Schützenhalle eingeweiht und eröffnet. In der Zeit vorher war das Fest in einem Zelt abgehalten worden, im Wechsel auch in der Scheune Mues und in der Feldscheune auf dem Gut Holzhausen. Der Wunsch nach einer eigenen Halle war unter den Schützen groß und setzte ungeahnte Kräfte frei. „Jeder der 150 Schützen hatte sich mit 200 Mark an diesem Bau beteiligt,“ erinnert sich Ehrenoberst Franz Volkhausen. Sogar die Kirchengemeinde steuerte zum Bau der Schützenhalle ein unverzinsliches Darlehen über 5000 Mark bei.

Und noch ein weiterer runder Geburtstag kann begangen werden: Vor 70 Jahren traten die St.-Johannes-Schützen dem Bund historischer Schützenbruderschaften bei.

Hundertprozentige Fremdfinanzierung

Der Bau der Schützenhalle stellte mit einer hundertprozentigen Fremdfinanzierung eine unglaublich mutige Entscheidung des damaligen Vorstandes dar. Zwei Vorstandsmitglieder hatten sogar je 10.000 Mark als unverzinslichen Kredit an den Schützenverein gegeben. Der Auftrag für den Rohbau und die Maurerarbeiten wurde vergeben. Für die weiteren Arbeiten krempelten die Schützen unter der Regie des ersten Hallenvorstandes um Oberst Josef Volkhausen die Ärmel hoch und übernahmen viel Eigenleistung für den Innenausbau.

Das Königsschießen 1971 konnte schon in der noch fensterlosen Halle durchgeführt werden, wenige Wochen später wurde bereits Schützenfest mit dem Königspaar Reinhard und Angela Volkhausen gefeiert. „In den kommenden Monaten soll die Halle in Teilen weiter renoviert und modernisiert werden: neue Türen im Außenbereich, ein Außenanstrich an der Wetterseite und der Einbau einer neuen Heizung,“ kündigt Geschäftsführer Johannes Schlütz an. Durch die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach trägt sich die Halle aus finanzieller Sicht mittlerweile selbst.

Durch Photovoltaik-Anlage trägt die Halle selbst

Weil sich die 2010 installierte PV-Anlage schon amortisiert hat (sie erbringt 40.000 Kilowattstunden im Jahr), steht die Schützenbruderschaft auf absehbare Zeit finanziell auf gesunden Beinen und kann die erforderlichen Investitionsaufwendungen stemmen. Das Windgeld, das den Holzhausener Vereinen aus den Windkraftanlagen der Ortschaft zugute kommt, habe hier ebenfalls einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Schützen der St.-Johannes-Bruderschaft sind nicht nur stolz auf ihre Schützenhalle, weil sie ein wichtiger Faktor nicht nur für Schützenfeste, sondern auch für das Gemeinschaftsleben und den Zusammenhalt im Dorf darstellt. Hier finden Polterabende und Hochzeiten statt, Geflügel und Kaninchenschauen, aber auch Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. „Legendär sind noch heute die Selection-Feten zur Mitte der 1980er-Jahre, wo die Halle mit mehr als 600 Besuchern aus allen Nähten platzte“, berichtet Franz Volkhausen. 1986 erfolgte ein Anbau an die Halle. Die Finanzierung war durch 36.000 Mark von der Stadt gesichert, die aus dem Verkauf der alten Schule stammten. 2018 wurde dieser Bereich modernisiert und zur Schützenklause mit Theke ausgebaut. Franz Volkhausen hat den Raum mit vielen Dokumenten geschmückt, unter anderem mit einem Schützenfestgedicht des Heimatdichters Alois Vogedes auf platt.

Der Vorstand der Bruderschaft richtet seinen Blick bereits auf das Jahr 2023. Dann soll nach fünf Jahren Pause nicht nur wieder ein Schützenfest gefeiert und das Stadtschützenfest ausgerichtet, sondern auch das 300-jährige Jubiläum der Bruderschaft. begangen werden. Verbunden damit ist die Herausgabe einer Festschrift zur Dorfchronik. Bereits 2022 steht das Königsschießen auf dem Plan, in dessen Rahmen die Ehrungen aus den letzten Jahren nachgeholt werden.

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