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Bürgermeister Hartmann sorgt in schweren Zeiten für Signale und sieht im Miteinander das Erfolgsmodell

100 Tage am Puls von Höxter

Höxter (WB)

Der aufgeräumte Schreibtisch fällt sofort ins Auge. Der Mann dahinter gibt in jeder Hinsicht eine gute Figur ab: staatsmännisch, freundlich und kompetent wirkt der erste Bürger an seinem neuen Arbeitsplatz im Stadthaus in der Westerbachstraße 45. Daniel Hartmann ist an diesem Montag exakt 100 Tage Bürgermeister von Höxter.

Jürgen Drüke

Aufgeräumt in jeder Hinsicht: Nach 100 Tagen im Amt blickt Bürgermeister Daniel Hartmann gegenüber dem WESTFALEN-BLATT mit Zuversicht nach vorne: „Wenn Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, können wir für Höxter und seine Bürger viel erreichen.“ Die ersten Weichen hat der neue Rathauschef gestellt. Foto: Jürgen Drüke

Im feinen Anzug mit grau-melierter Krawatte hat der 2,01-Meter-Riese das WESTFALEN-BLATT bereits in der vergangenen Woche zum Exklusivgespräch empfangen. Die herausragende Botschaft Hartmanns mit Anlehnung an sein Wahlkampfprogramm lautet: „Höxter kann mehr. Die Herausforderungen der Pandemie stehen nun über allem. Wir stellen uns für die Zeit nach Corona auf.“

Der Standort des Standesamts im ehemaligen Küsterhaus wird am 1. April Geschichte sein. Foto: Jürgen Drüke

Erste Taten

Der neue Chef von 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung gibt nach der obligatorischen 100-Tagesfrist für neue Amtsinhaber zu: „Geduld ist nicht meine Stärke. Trotzdem haben wir alle gemeinsam schon einiges auf den Weg und ins Rollen gebracht.“ Der ehemalige Steuerfahnder unterstreicht diese Aussage mit überraschenden Nachrichten: „In Kürze werden wir das Standesamt mit dem Bürgerbüro zusammenlegen. So sparen wir eine Leiterstelle ein.“ Der Standort des Standesamts im ehemaligen Küsterhaus „Am Rathaus“ werde deshalb noch in diesem Frühjahr Geschichte sein. Zudem werde die IT-Abteilung der Stadt personell vergrößert: „Wir stocken ab dem 1. Juni 2021 von aktuell vier auf sieben Mitarbeiter auf. Die Neueinstellungen sind bereits erfolgt.“ Es habe dringender Handlungsbedarf bestanden. „Mit der Fachkompetenz in der IT-Abteilung wollen wir den Schulstandort stärken und attraktiver machen sowie die Verwaltung effizient und modern ausrichten.“

Hänsel und Gretel überreichen dem Bürgermeister nach der Vereidigung symbolisch den Rathausschlüssel. Foto: Jürgen Drüke

Chefsache

Die Landesgartenschau und die Wirtschaftsförderung hatte der unabhängige Bürgermeisterkandidat Hartmann bereits in seinem Wahlprogramm jeweils zur Chefsache erklärt und sieht sich nach 100 Tagen im Amt bestätigt: „Der Wirtschaftsstandort und die LGS gehören zusammen. Die Landesgartenschau ist ein Konjunkturpaket für diese Stadt und damit für die Betriebe, Geschäfte, Firmen, Vereine, Institutionen und insbesondere alle Bürger.“ Mit den heimischen Unternehmen sowie den Einzelhändlern stehe er in ständigem Kontakt. Dabei gebe es im zweiten und verschärften Lockdown trotz der berechtigen Sorge um die kleinen Geschäfte und Läden gute Signale von den großen Unternehmen und Firmen. „Wir brauchen die Kleinen und die Großen“, will Hartmann mit Politik und Verwaltung alle Anstrengungen unternehmen, dass der Einzelhandel die Pandemie in Höxter überlebt.

Abriss des Sägewerks

„Das alte Sägewerk in Corvey wird in den nächste Tagen abgerissen“, wartet der 44-Jährige mit der nächsten Nachricht auf. Ein weiterer Schritt zum geplanten Archäologiepark mit Kletterturm sei damit getan. „Der Park ist ein attraktiver Baustein des Großprojekts Landesgartenschau“, stellt Hartmann heraus. 3,57 Millionen Bundeszuschuss seien dabei eine erhebliche Finanzspritze.

Start in der Pandemie

Seit dem 1. November 2020 hält der Diplom-Verwaltungswirt das Steuer im Stadt- und im Rathaus fest in den Händen. „Noch vor einem Jahr war ich beim Finanzamt für Steuerstrafsachen und die Steuerfahndung zuständig. Das neue Amt, vor dem ich so großen Respekt habe, macht mir großen Spaß.“ Wenngleich aus dem achtstündigen Arbeitstag als Steuerfahnder nun als Bürgermeister zwölf Stunden und mehr geworden seien. „Abends tätige ich oft noch Telefonate. Kurz vor 20 Uhr sind Bürger oder heimische Kommunalpolitiker am besten zu erreichen.“ Der Neue will informiert sein und sich der Sorgen und Nöte annehmen. Einen Bürgerrat, der keine Konkurrenz zum Rat sein solle, hat Hartmann auf der Agenda. Kritik, Anregungen und eine Aufbruchstimmung sollen vom Bürgerrat ausgehen.

Der neue Bürgermeister ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Medien ein gefragter Mann. Foto: Jürgen Drüke

Punkte als Leitfaden

„Ich will der Bürgermeister für alle Bürger sein“, hat der neue Rathauschef ein hehres Ziel. Am 27. September 2020, dem Stichwahlsonntag, hatte sich Hartmann mit 52,6 Prozent der Stimmen gegen Daniel Razat (47,4 Prozent) durchgesetzt. Der Wahlkampfslogan „Höxter kann mehr“ und das Zwölf-Punkte-Wahlprogramm hätten vor fast fünf Monaten ihre Wirkung gezeigt und seien für die gesamte Amtszeit der Maßstab. „Wir befinden uns mittendrin im verschärften Lockdown. Es ist jetzt wichtig, dass wir durchhalten und für die Zeit nach der Pandemie gut und zukunftsorientiert aufgestellt sind.“ Der Bürgermeister setzt auf das Miteinander zwischen Bürgern, Kommunalpolitikern und Verwaltung. „Gemeinsam können wir viel erreichen. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung hat Daniel Hartmann noch vor dem verschärften Lockdown aufgesucht und lobt: „Wir haben viel Potenzial.“

Daniel Hartmann hat in Kamp-Lintfort den symbolischen „LGS-Spaten“ entgegengenommen. Foto: Privat

Zwei Ratssitzungen und zwei Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses liegen inzwischen hinter dem neuen Bürgermeister. „Es ist mein Ziel, dass die Großprojekte umgesetzt werden. Wir haben in Höxter noch so viel vor.“ Dabei gibt der Neue zu: „Beim Stadtmarketing haben wir Nachholbedarf.“ Das sei eine große Herausforderung. Weitere Projekte, die auf den Weg gebracht worden seien, dürften jetzt nicht stocken. „Dazu gehört die Verwirklichung des Sportstättenkonzepts.“ Zudem hat der erste Bürger eine Immobilie im Auge: „Der alte Güterbahnhof Richtung Corvey könnte umgebaut und ein Haus für alle Bürger der Stadt werden.“

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Daniel Hartmann setzt in seinem neuen Amt als Bürgermeister neben dem Miteinander auch auf sein bewährtes Lebensmotto.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Höxter kann mehr. Nach und mit diesem Wahlslogan hat Daniel Hartmann am 1. November 2020 Einzug im Höxteraner Rathaus gehalten. Der Bürgermeisterkandidat hatte zuvor mit einem Zwölf-Punkte-Programm die Herzen der meisten Bürgerinnen und Bürger in der Kernstadt sowie den zwölf Ortschaften erobert. Die Messlatte seines Handelns hatte der neue Rathauschef mit seinem Programm hochangelegt. Höxter kann mehr: Die Zusammenlegung von Standesamt und Bürgerbüro sowie die Aufstockung der IT-Abteilung sind nicht mehr als erste Arbeitsnachweise. Nach einhundert Tagen dürfte Hartmann erfahren haben und wissen, wie Verwaltung und Politik ticken. Die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, die Sicherung des Schulstandorts, der Ausbau des Stadtmarketings und nicht zuletzt das Sportstättenkonzept warten auf die Umsetzung. Und über ­allem steht die Landesgartenschau 2023. Dabei gibt es im Rat mit sechs Fraktionen und einem AfD-Mitglied keine klassischen Mehrheitsverhältnisse. Daniel Hartmann hat jede Unterstützung und viel Glück verdient. Höxter kann schließlich mehr.

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