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Reuters-Cheffotograf Kai Pfaffenbach lobt Engagement für neues Niedringhaus-Forum

»Anja war Weltklasse – und herzlich«

Höxter (WB). Mit dem Bild des grinsenden Superstars Bolt beim 100-Meter-Olympialauf in Rio de Janeiro (2016) ist Kai Pfaffenbach aus Hanau die größte Ehre für jeden Fotojournalisten, die Auszeichnung als »World Press Photo«, zuteil geworden. Jahrelang begegnete Pfaffenbach bei früheren Aufträgen seiner Kollegin Anja Niedringhaus . »Es ist vor allem ihr Lächeln, was mir in Erinnerung bleibt – und seit 2014 so sehr fehlt«, sagte er jetzt in Höxter.

Harald Iding

Dieses Lieblingsmotiv von Kai Pfaffenbach, von einem Kollegen aufgenommen, zeigt ihn und seine Kollegin Anja Niedringhaus mit freundschaftlicher Geste. Foto: Harald Iding

»Ich war gerade privat in einem Sportstudio, als mich die Nachricht per Handy erreichte, dass Anja ermordet worden ist. Ich ließ damals vor Schock die Hantel fallen.« Pfaffenberg sei gleichzeitig sauer gewesen, dass sich so eine gemeine Tat in Afghanistan ereignet hatte und seine geschätzte Kollegin Anja Niedringhaus aus Höxter Opfer des brutalen Anschlags wurde, bei der auch noch eine weitere Journalistin durch Kugeln schwer verletzt wurde.

Mehr eine Freundin, als Konkurrentin

Nach der Beerdigung mit Trauerfeier in Corvey, an der Kollegen und Agenturchefs aus der ganzen Welt – und natürlich auch Kai Pfaffenbach – teilgenommen hatten, sei es ihm ein besonderer Wunsch gewesen, gemeinsam mit der Mutter von Anja das Grab auf dem Höxteraner Friedhof erneut zu besuchen. »Ich bin am Dienstag zum Floristen gefahren und habe eine weiße Christrose besorgt.« Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT betonte Pfaffenbach, dass Anja »mehr eine Freundin denn eine Konkurrentin« gewesen sei, obschon sie beide für unterschiedliche Nachrichtenagenturen gearbeitet haben. »Auf dem hohen Niveau hat man dem anderen aber nicht das gute Bild geneidet. Und Anja hatte viele gute Bilder!«

Es sei ihre charmante, herzliche und empathische Art gewesen, mit der sie schnell überzeugte, blickt der international gefeierte Fotograf und Familienvater aus Hanau trotz aller Umstände des Todes von Anja Niedringhaus mit Freude an sie zurück.

Erstmalig sprach jetzt in Höxter mit Pfaffenbach ein langjähriger Wegbegleiter und Kollege auf Einladung des Forums bei einem öffentlichen Vortrag in den Räumen des Sportzentrums »Langefit« in Höxter über »die Zeit an der Seite von Anja« und seine eigene Arbeit als Journalist. Er gab spannende Einblicke in den Alltag eines viel beschäftigten Agenturfotografen, der in der ganzen Welt unterwegs ist und sowohl in Krisengebieten als auch bei großen Sportevents und zuletzt beim CDU-Parteitag in Hamburg mit von der Partie ist.

Seine Bilden zieren seit Jahren Titelseiten, wie es auch schon Anja Niedringhaus in den Jahren als AP-Cheffotografin und Kriegsreporterin immer wieder gelang.

»FAN« als Publikumsmagnet

»Ich bin jetzt gerne der Einladung von Heide Ute Niedringhaus gefolgt und habe mir heute vor dem Vortrag auch das Tillyhaus angeschaut, wo das Forum entstehen wird . Ich bin davon überzeugt, dass es ein Publikumsmagnet wird und Menschen aus der ganzen Welt anlocken kann.«

Ein eigenes Forum in ihrer Heimatstadt, in dem ihre Werke zu sehen sind – das sei das Mindeste, was man als Anerkennung für diese Fotografin auf Weltklasseniveau, die zudem mit ihrem großen Herzen einmalig gewesen sei, tun könne. Niedringhaus war auch eine begnadete Sportfotografin. »Mit dem Blick für das Wesentliche«, wie Pfaffenbach, der schon mit 16 Jahren als freier Mitarbeiter eine Tageszeitung seine Karriere begann, lobte. Und: Die Tennisfotografie sei immer noch eine Königsdisziplin und die habe Anja Niedringhaus perfekt beherrscht.

Er sagte zum Abschluss: »Anja hat mit uns nach Aufträgen immer gerne gefeiert. Am nächsten Morgen war sie die erste, die bereit war für das nächste Abenteuer.«

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