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Landschaftsstation im Kreis Höxter hat Gewässer renaturiert – Fischbestand gestiegen

Äschen kehren zurück in die Nethe

Höxter (WB/AZ). Lehm und andere Feinsedimente von umliegenden Flächen der Nethe machen den darin lebenden Äschen zu schaffen. Hinzu kommt die Bedrohung durch den Kormoran, der den Bestand des Fisches zusätzlich schwächt. Laut Landschaftsstation im Kreis Höxter ist die Zahl der Äschen in der Nethe in den vergangenen Jahr aber gestiegen. Diese Erkenntnis geht zurück auf eine Untersuchung des Fischereisachverständigen Jonas Rose aus Melle, der das Gewässer im vergangenen Jahr stichprobenartig untersucht hatte.

Die Nethe im Kreis Höxter entwickelt sich langsam wieder zum Lebensraum für Äschen. Foto: Frank Spiegel/Archiv

Das Ergebnis: 192 Äschen seien nachgewiesen worden. Untersucht worden seien etwa 20 bis 25 Prozent der Gesamtstrecke der Nethe, zwischen Brakel und ihrer Mündung in die Weser. Häufig vertreten gewesen seien Äschen, die älter als zwei Jahre waren. Jungfische seien dagegen selten zu finden gewesen. Das führt Rose auf den Eintrag von Feinsedimenten zurück. „Äschen sind Kieslaicher. Sie legen ihre Eier im Kies an den Stellen mit bestimmter Strömung und Wassertiefe ab.“ Werden diese Stellen durch zu viel Schlamm mit einer hohen Sauerstoffverbrauchsrate belastet, würden die Eier sterben. Auch das Insektensterben habe negative Auswirkungen auf die Zahl der Äschen. „Die Äsche ist ein vergleichsweise anspruchsvoller Fisch“, fasst Rose zusammen.

Monitoring im Drei-Jahres-Rhythmus

Die letzte detaillierte Untersuchung liege etwa 18 Jahre zurück. Zwischenzeitlich sei im Drei-Jahres-Rhythmus ein Monitoring durchgeführt worden. Der geringe Bestand sei anhand dieser Stichproben aber zu bestätigen. Die Zahl sei sogar so niedrig gewesen, dass die Nethe von einer Äschen-Typisierungsaktion in NRW ausgeschlossen worden sei.

Der milde Winter komme den Fischen aber entgegen. „Bei einem strengen Winter frieren die Baggerseen zu und die Kormorane weichen auf Fließgewässer aus und fressen ein bis zwei Jahrgänge weg“, erklärt der Fischereisachverständige. Äschen versteckten sich vergleichsweise schlecht vor den Angriffen der Vögel, deren Zahl sich wiederum stark vermehrt habe.

Äschen-Bestände bundesweit bedroht

Seit vielen Jahren seien die Bestände der Äschen bundesweit bedroht. An der Nethe habe man in der Vergangenheit aber bereits Maßnahmen ergriffen, um die Bedingungen für den Fisch zu verbessern, erläutert Rose. So sei das Gewässer von der Landschaftsstation einer Renaturierung unterzogen worden. „Das ist ein wichtiger Punkt“, meint Rose. Im Rahmen seiner Untersuchungen sprach er darüber hinaus weitere Handlungsempfehlungen aus, um den Bestand der Äschen in der Nethe zu erhalten und zu erhöhen: „Der Erfolg sollte als Grundstock erhalten und geschützt werden. Und die Vergrämung von Komoranen sollte zugelassen werden.“ Das sei aufgrund der Ausweisung der Nethe als Schutzgebiet bislang nicht möglich.

Positiv wirke sich bisher aus, dass Angler die Äsche nicht mehr aus den Gewässern entnehmen. Würden Schutzstreifen über das gesetzliche Maß hinaus breit angelegt werden, könnte das laut Rose den Eintrag von Feinsediment in die Nethe verhindern.

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