1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hoexter
  6. >
  7. Bankräuber und Brandstifter in einer Person

  8. >

Landgericht Paderborn verhängt fünf Jahre und neun Monate Haft – 61-Jähriger durch DNA-Test überführt

Bankräuber und Brandstifter in einer Person

Höxter/Ottbergen (WB). Selten gelingt der Polizei ein solcher Zufallstreffer: Der Mann, der im Oktober 2013 die Volksbank in Ottbergen überfallen hat, ist auch für einen Brand im Aussiedlerzentrum in der Höxteraner Ostpreußenstraße im Februar 2010 verantwortlich.

Ulrich Pfaff

Im Februar 2010 hat ein Ingenieur aus Höxter einen Anschlag auf den Integrationsverein Moct/Brücke in Höxters Ostpreußenstraße verübt. Hier untersucht die Polizei die Brandstelle gegenüber der St. Peter und Paul Kirche. Foto: Michael Robrecht

Handy brachte Polizei auf Spur des Täters

Der 61-Jährige wurde von der Polizei ausfindig gemacht, die das zurückgelassene Handy nur auslesen musste, um auf seine Spur zu gelangen. Bei einem routinemäßigen DNA-Abgleich wurden die Ermittler auf den bis dahin unaufgeklärten Brand in den Räumen des Vereins »Moct/Brücke« in Höxter aufmerksam, der in der Nacht zum 13. Februar 2010 in der Ostpreußenstraße erheblichen Sachschaden verursacht hatte – damals waren neun Menschen, die in dem Gebäude wohnten, mit dem Schrecken davon gekommen, weil Passanten den Brand schnell bemerkt und die Feuerwehr alarmiert hatten.

 Dass er Lampenöl durch eine eingeschlagene Fensterscheibe in den Vereinsraum geschüttet und angezündet hatte, gestand der Angeklagte. Er habe jedoch nicht gewusst, dass in dem Gebäude so viele Menschen wohnten, darunter eine Familie mit einem Kleinkind.

Über den Hintergrund dieser Tat gab die Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters Auskunft: Der Angeklagte leide an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und könne nicht von einem Vorhaben ablassen, das er sich in den Kopf gesetzt habe – hier war es der Plan, die Vorsitzende des Moct-Vereins, die er für ungeeignet hielt, in Misskredit zu bringen und so für ihren Rauswurf aus dem Verein zu sorgen, der sich um die Integration Russlanddeutscher bemüht. Der Brand, so hatte sich der 61-Jährige zurecht gelegt, würde auf die Frau zurückfallen, da sie kurz zuvor von der Vereinsführung abgelöst worden war – allerdings am Tag nach dem Brand bei einer Mitgliederversammlung erneut gewählt werden sollte. »Er hat keine Gefahr für Bewohner in Betracht gezogen«, betonte Verteidiger Oliver Thöne, »er wollte nur einen Schaden anrichten, den man der Vorsitzenden in die Schuhe schieben konnte«.

Rachegelüste als Motiv

Die 1. Große Strafkammer folgte dieser Einlassung nicht: Sie erkannte auf versuchten Mord, denn die neun Bewohner hätten zur Tatzeit geschlafen, und damit sei das Merkmal der Heimtücke erfüllt. Nicht zuletzt sei die Brandstiftung auch auf Rachegelüste des Angeklagten zurückzuführen, der die Vorsitzende für seine Nicht-Aufnahme in den Verein verantwortlich mache. Dafür und für die versuchte räuberische Erpressung in der Volksbank verhängte die Kammer eine Gesamtstrafe von fünf Jahren und neun Monaten – ein heftiger Absturz des Ingenieurs, der in Kasachstan vor der Übersiedlung nach Deutschland bis 1996 eine lukrative Stellung in einer Behörde bekleidet hatte.

Startseite