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Heimatpreis: Dr. Thomas Güttler saniert Haus an der Stummrigestraße in Höxter – Besichtigungen möglich

Bauen mit dem Müll anderer

Höxter (WB). Auf dem Gelände der General-Weber-Kaserne sollen zwei neue Soldatenunterkünfte entstehen. Dafür musste ein alter Kompanieblock weichen. So ganz ist er aus Höxter dennoch nicht verschwunden. Ein Teil von ihm hat seinen Platz im Nachbargarten von Dr. Thomas Güttler gefunden. Mit einigen Holzfenstern des Blocks hat er ein Gewächshaus gebaut. Dieses steht hinter dem Haus mit der Nummer 35 in der Stummrigestraße, das Güttler seit einigen Jahren saniert. Dabei setzt er vor allem auf Naturmaterialien, Recycling und Energiesparen.

Angelina Zander

Dr. Thomas Güttler aus Höxter ist eigentlich Zahnarzt. Privat saniert er jedoch ein Haus in der Stummrigestraße, das er 2010 bei einer Zwangsversteigerung erworben hat. Für die Arbeiten hat er einen Mitarbeiter aus dem Kosovo eingestellt. Foto: Angelina Zander

Erworben hatte er das Haus 2010 während einer Zwangsversteigerung für 20.000 Euro. Sein Konkurrent habe das alte Haus abreißen und gegen einen Neubau ersetzen wollen. Doch das Bild der Stummrigestraße wird überwiegend durch Fachwerkhäuser und alte Bauten geprägt. „Eine Stadt ist nur so schön, wie ihre Geschichte“, meint Güttler und war deshalb voller Tatendrang, das sanierungsbedürftige Haus aufzuwerten. Die Arbeiten sollten allerdings einigen Kriterien genügen: Nachhaltigkeit, Energieeinsparung, Müllvermeidung, Umweltschutz, Klimaschutz, Arbeitsplatzbeschaffung durch Integration.

Diese führte Güttler Mitte des vergangenen Jahres in einer Bewerbung für den Heimatpreis Höxter aus, der ihm und seiner Frau Annette kürzlich verliehen worden ist. In seiner Bewerbung beschreibt er sein Sanierungsprinzip mit: „Erhalt vor Neubau“.

Flächen für Obst- und Gemüseanbau

Im Außenbereich gibt es neben dem Gewächshaus einige Flächen für Obst- und Gemüseanbau. Das Prinzip der Selbstversorgung bestimmt die Gestaltung. Blickfang im Garten ist ein großer Pavillon aus Stein, von dem aus man einen Blick auf die Weser genießt. Die Fensterbänke stammen von einem Imbiss, der früher auf dem Gelände des Kauflands an der Brenkhäuser Straße stand. „70 Tonnen Bruchstein haben wir insgesamt verbaut“, sagt Güttler. Von vermeidbaren Neuanschaffungen hält er nichts. Was gebraucht gekauft werden kann, wird angeschafft und verbaut. Das gilt für Möbel als auch für Baumaterialien. Im Hausinneren gleicht deshalb keine Tür der anderen – seien es Eingangstüren, Schuppentüren oder Zimmertüren. Immer bestehen sie aus Holz – so wie der Fußboden.

Eichenfußboden mit Holz aus dem Höxteraner Stadtwald

In einigen Räumen sind alte Fliesen zu finden, Natursteinplatten und in vielen Wohnräumen liegt Eichenfußboden – mit Holz aus dem Höxteraner Stadtwald. „Frisch geölt“, darauf weist der Hausherr bei einer Begehung hin. Alle Holzteile werden mit Leinöl bearbeitet: Fenster, Türzargen, Fußböden, Fußleisten.

Dr. Thomas Güttler

Naturprodukte finden sich auch an der Wand wieder, die mit einem Löschkalk verputzt wurde. Und an der Hausfassade sind Wesersandsteinplatten angebracht, die die alte Fachwerkwand verdecken und sich mit einer Außendämmung aus Holzfaserplatten energetisch positiv auswirken sollen. „Das ist keine Farbeimer-Sanierung.“ Die straßenseitige Fassade hat Güttler in ihren Ursprung zurückversetzt und Umbauten rückgängig gemacht.

Mehrere Bauphasen

Das Haus sei in mehreren Bauphasen entstanden. Das Vorderhaus stamme aus dem 19. Jahrhundert, das Erdgeschoss des Hinterhauses bestehe etwa seit dem 13./14. Jahrhundert und der Fachwerkaufbau seit dem 16./17. Jahrhundert. „Nach der Sanierung sollen die Zeitschnitte noch erkennbar sein.“ Einen Mitarbeiter hat er für die Arbeiten eingestellt, Sabit Bajrami aus dem Kosovo. Die Kosten für die Sanierung schätzt Güttler auf 1000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche.

Photovoltaikanlage gehört zur Ausstattung

Geheizt werden die Räume des 280 Quadratmeter großen Hauses mit einer Wandheizung, die durch eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe sowie einen Holzvergaserkessel mit Pufferspeicher versorgt wird. Auch eine Photovoltaikanlage gehört zur Ausstattung.

Ein Haus mit Naturmaterialien und durch Baustoffrecycling zu sanieren, sei laut Güttler kein Problem. Es gebe viele Infos sowie eine Interessengemeinschaft Bauernhaus. Wer sich für diese Art der Haussanierung interessiert, für den öffnet Güttler an diesem Wochenende seine Türen. Am Samstag und Sonntag bietet er jeweils um 15 Uhr eine Führung an. Eine Anmeldung ist erforderlich unter 05531/700044.

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