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Paderborner Erzbischof schreibt Brief an alle Gläubigen

Becker fordert mehr Solidarität

Paderborn

Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich in einem Brief zur Fastenzeit an alle Gläubigen im Erzbistum Paderborn gewandt. Darin betont er die Bedeutung von Solidarität. Becker bezeichnet Nächstenliebe und Solidarität mit anderen Menschen und mit allem, was lebt, als die „tägliche Nagelprobe der Ernsthaftigkeit unserer Gotte­s­liebe“.

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Erzbischof Hans-Josef Becker Foto: Besim Mazhiqi

Ohne Solidarität mit den Mitmenschen und mit der Natur sei ein „solides Gemeinwesen nicht möglich“, schreibt Becker.

Der Brief ist in allen Kirchengemeinden in den Gottesdiensten des ersten Fastensonntags vorgelesen worden. In einer Audioaufnahme kann Beckers Fastenbotschaft auf der Internetseite des Erzbistums angehört werden. Der Erzbischof erklärt in dem Schreiben, dass ein bedenkliches Maß an Politik- und Staatsverdrossenheit zu beobachten sei. Zudem hätten Parteien und Gruppierungen Zulauf, die den Geist des Nationalismus und Gruppenegoismus herauf beschwörten und förderten. „Dem müssen wir mit aller Kraft entgegenwirken“, betont Becker.

Er sei überzeugt, dass der „Standort Deutschland“ ohne Solidarität „auf tönernen Füßen“ stehe. Ohne eine gerechte Verteilung des wachsenden Volksvermögens, der Arbeit und des Wohnraums, ohne eine solidarische Absicherung von Krankheit und Pflegebedürftigkeit drohe ein Scheitern. „Wenn wir von Solidarität reden, müssen wir zudem an die Menschen und die Natur in den anderen Teilen der Welt denken, besonders in der südlichen Hemisphäre, und an die künftigen Generationen.“

Becker unterstreicht, dass bei Christen Jesus Christus deren Mitte sei. Diese Erkenntnis befreie vom Größenwahn, sich selbst zum Maß und zum Herrscher über Mitmenschen sowie die Natur zu erheben. Die großen Krisen der aktuellen Zeit, die ­Kriege, das Desaster von Vertreibung und Flucht, Klimawandel, Zerstörung von Lebensräumen und der Verlust der Artenvielfalt seien Belege dafür, „wie falsch und pathologisch dieses Denken war und noch immer ist“, mahnt Becker.

Die Kirche von Paderborn nehme über konfessionelle und weltanschauliche Grenzen hinweg gesamtgesellschaftliche Aufgaben wahr, die der Solidarität und dem Zusammenhalt dienten, schreibt Becker: „Als Kirche von Paderborn stellen wir uns dem Anspruch einer solidarischen und lebenswerten Gegenwart und Zukunft. Das soziale und ökologische Engagement im Erzbistum zeigt sich bereits jetzt in vielen Bereichen. Für Seelsorge, karitative Aufgaben und Bildung setzt das Bistum den größten Teil seiner personellen Ressourcen und finanziellen Mittel ein.“

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