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Förderverein „Karolingisches Westwerk“ bestätigt Vorstand

Benefizkonzert für die Ukraine in Corvey

Höxter

Der Vorstand des 2020 gegründeten Fördervereins für das karolingische Westwerk Corvey bleibt im Amt. Während der Mitgliederversammlung des noch „jungen“ Vereins in der Dechanei in Höxter ist das Leitungsteam jetzt einstimmig für weitere zwei Jahre wiedergewählt worden. Vorsitzender Rudolf Jäger dankte für den Vertrauensbeweis und zog ein zufriedenes Fazit: „Die Zahlen unseres Vereins zeugen von einer soliden Basis für die anstehenden Maßnahmen und Aktivitäten.“

Das Blechbläserensemble „Andriy Ilkiv & Kyiv Brass“ hat mit Musikdarbietungen auf Weltklasse-Niveau das Publikum beeindruckt. Die Gäste feierten die Musiker mit stehenden Ovationen. Foto: Kirchengemeinde Corvey

Wegweisende Projekte werden das Westwerk als Herz der Welterbestätte schon bald in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen: Das wissenschaftliche Kompetenzteam der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus unter der Leitung von Professor Dr. Christoph Stiegemann wird die monastische Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei und die Alleinstellungsmerkmale, die Corvey zum Welterbe adeln, mithilfe innovativer Technologien publikumswirksam in Szene setzen. Ohne Eingriff in die hochsensible karolingische Bausubstanz bringen multimediale Instrumente Steine zum Sprechen.

Besuch des Westwerks wird zum Erlebnis

Professor Stiegemann gab während der Mitgliederversammlung des Fördervereins einen Überblick über den Stand der Umsetzung. Er weckte Vorfreude darauf, wie im Erdgeschoss auf einer als Projektionsfläche nutzbaren Glastrennwand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche die untergegangene karolingische Basilika virtuell wiederersteht – und wie die Gäste im Johanneschor die fragmentarisch erhaltenen Wandmalereien aus der Karolingerzeit mitsamt den sechs lebensgroßen Stuckfiguren in den Arkadenzwickeln des zweistöckigen Sakralraums auf dem Bildschirm eines Tablets neu erblühen sehen. Diese „Mixed Reality“ macht den Corvey-Besuch zu einem fesselnden – völlig neuen – Erlebnis.

Dieses wird abgerundet von der neukonzeptionierten Dauerausstellung im Schloss. In mehreren Vorstandssitzungen hatte die Förderung dieses durchgreifenden Relaunchs im Fokus gestanden. Die Ausstellung trägt den Titel „Das Jahrtausend der Mönche - von der Gründung Corveys bis zum Goldenen Zeitalter„. Wertvolle Leihgaben der Kirchengemeinde werden zu sehen sein. Mediale Inszenierungen runden die Schau ab.

Förderverein bringt sich in Jubiläumsjahr ein

An den Start gehen sollen die Ausstellung und auch die Erlebnis-Zeitreisen im Westwerk zur Saison im Frühjahr 2023. Dann feiert die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus mit einer hochkarätigen Veranstaltungsreihe das 1200-jährige Bestehen der wirkmächtigen Weserabtei.

Der Förderverein bringt sich in die Feierlichkeiten ein. In der Mitgliederversammlung informierte der Vorstand über seine Tätigkeit in den ersten beiden Jahren nach der Gründung 2020. Es wurde deutlich, dass vielfältige Aktivitäten unternommen wurden. „Wir haben die Zahl der Mitglieder steigern können, so auch durch die Ansprache von Marktbesuchern in Höxter, die allerdings aufgrund der Corona-Pandemie nach Beginn der Lockdowns leider nicht fortgeführt werden konnte“, blickte Vorsitzender Rudolf Jäger zurück.

Rudolf Jäger bleibt Vorsitzender des Fördervereins „Karolingisches Westwerk Corvey“. Foto: Kirchengemeinde Corvey

Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei der satzungsgemäß anstehenden Wahl wurden Vorsitzender Rudolf Jäger, sein Stellvertreter Monsignore Andreas Kurte, Schriftführer Michael Koch, Schatzmeister Friedhelm Meyer und stellvertretender Schatzmeister Martin Bienen ohne Gegenvotum in ihren Ämtern bestätigt.

1500 Euro Spenden bei Konzert gesammelt

Im direkten Anschluss an die Versammlung hat der Förderverein in der barocken Abteikirche auf sich aufmerksam machen können. Rahmen war ein Benefizkonzert für die Menschen in der Ukraine. Aus dem unter Putins Angriffskrieg leidenden Land kommen die Musiker dieses besonderen Abends, das Blechbläserensemble „Andriy Ilkiv & Kyiv Brass“. Die Virtuosen gastierten im Rahmen des Sommerfestivals der „Musiklandschaft Westfalen“ auf Einladung der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus und mit Unterstützung des Fördervereins für das karolingische Westwerk in der Welterbestätte.

Der Eintritt war frei. Die Gäste setzten aber mit Spenden ein deutliches Zeichen der Solidarität. Die hohe Spendensumme von 1500 Euro freut Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek.

Der Geistliche hatte die Gäste – unter ihnen Landtagsabgeordneter Matthias Goeken (CDU) und Festival-Intendant Dirk Klapsing – und natürlich die Musiker herzlich in der Abteikirche willkommen geheißen. Die Sehnsucht nach Frieden fordere dazu heraus, diesem Wunsch eine Stimme zu geben, so der Pfarrdechant. Ein Weg dazu sei das Konzert.

Dieses berührte den Zuhörerkreis zutiefst. Denn vor ihm standen Menschen, die den zerstörerischen und leidbringenden Angriffskrieg miterleben mussten und die trotzdem nicht verzagen, sondern unbeugsam und hoffnungsvoll nach vorne schauen – und als Botschafter ihres Landes auch für den Zusammenhalt der freiheitlich-demokratischen Wertegemeinschaft in Europa Flagge zeigen. So erklang in der Abteikirche mit virtuos intonierter Musik ein großes gemeinschaftliches Bekenntnis. Und ein Gebet für den Frieden. Das Publikum feierte Startrompeter Andriy Ilkiv und seine Frau Nataliia, die am Klavier einige Stücke begleitete, sowie die vier weiteren Musiker mit stehenden Ovationen.

Kirchengemeinde dankt für die Unterstützung

Zu Herzen gingen die Schilderungen Andriy Ilkivs. Der Tag des Kriegsausbruchs, der 24. Februar, war sein Geburtstag. Bomben fielen auf seine Heimatstadt. „Wir saßen im Keller und dachten, dass jede Minute die letzte sein kann.“ Der Katastrophe entronnen, machen seine Frau und er nun zusammen mit dem Bläserensemble Musik: um Unterstützung für die Menschen in der Heimat zu mobilisieren und neben ihrem Schmerz auch Hoffnung zu signalisieren. Diese Hoffnung vereinte die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Abteikirche. Pfarrdechant Dr. Krismanek rückte zu Beginn den Förderverein für das karolingische Westwerk in den Blickpunkt und dankte für die Unterstützung bei den ambitionierten Vorhaben der Kirchengemeinde zur didaktischen Erschließung des Westwerks. „Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, sondern die Flamme am Brennen zu halten. In diesem Sinne tragen wir aus voller Überzeugung dazu bei, das karolingische Westwerk zu erhalten, zu erschließen und weiter zu erforschen“, hielt Rudolf Jäger ein engagiertes Plädoyer. Wer im Verein mitarbeiten möchte, kann auf der Homepage der Kirchengemeinde direkt den Mitgliedsantrag herunterladen.

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